Sport

Harter Eishockey-Neustart: Kann das gutgehen?

Rankels Deutschland-Cup-Start sollte Lust auf die Heim-WM machen – doch das Russland-Urteil wirbelt alles durcheinander. Und der Kader?

04.11.2026, 14:52 Uhr

Wenig Aufbruchsstimmung vor Heim-WM: Rankel startet unter schwierigen Vorzeichen

Ein halbes Jahr vor Beginn der Heim-WM ist in Düsseldorf von der erhofften Euphorie kaum etwas zu spüren. Vor dem Auftakt des Deutschland Cups am Donnerstag wird der neue Bundestrainer André Rankel nicht vor allem auf den Neustart nach dem Aus von Harold Kreis angesprochen, sondern auf die mögliche Rückkehr russischer Teams.

„Natürlich hätte ich mir auch eine andere Entscheidung gewünscht“, sagte Rankel nach dem deutschen Training. Zugleich betonte er, dass das Thema innerhalb der Mannschaft inzwischen keine große Rolle mehr spiele. Man müsse sich auf das konzentrieren, was man selbst beeinflussen könne.

Neustart des DEB gerät in den Hintergrund

Eigentlich sollte das Turnier in Düsseldorf den sportlichen Neuanfang im deutschen Eishockey einläuten. Nach drei enttäuschenden großen Wettbewerben braucht der Deutsche Eishockey-Bund dringend ein positives Signal. Doch beim traditionsreichen Vier-Nationen-Turnier mit Österreich, Lettland und der Slowakei steht nicht allein der Sport im Mittelpunkt.

Seit der Internationale Sportgerichtshof Cas die Suspendierung russischer Mannschaften durch den Weltverband IIHF aufgehoben hat, herrscht große Unruhe. Der IIHF-Rat, in dieser Frage tief gespalten, berät seit Montag, ohne bislang zu einer Entscheidung gekommen zu sein. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine war die Sbornaja seit 2022 von IIHF-Wettbewerben ausgeschlossen.

Die IIHF äußerte erneut deutliche Kritik an der Cas-Entscheidung. Nach Einschätzung des Weltverbands seien die weitreichenden Konsequenzen und die damit verbundenen Probleme für alle Beteiligten massiv unterschätzt worden.

Franz Reindl
Als neuer IIHF-Präsident hat Franz Reindl nach dem Cas-Spruch zu Russland reichlich Druck. (Archiv) Quelle: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa

DEB wartet auf IIHF und Politik

Als Ausrichter der WM 2027 blickt der DEB nun auf den Weltverband und auf die Politik. An der Spitze der IIHF steht inzwischen der frühere DEB-Präsident Franz Reindl. Die Bundesregierung hatte die Entscheidung des Cas bereits am Montag als „sehr kritisch“ bezeichnet. Auch am Mittwoch hieß es, mögliche Auswirkungen auf die WM 2027 sollten zeitnah mit dem DEB besprochen werden.

Beim Verband wirkt man bislang unsicher, was mögliche organisatorische und finanzielle Folgen betrifft – insbesondere für das Sicherheitskonzept. Das gilt vor allem für den Fall, dass Russland erstmals seit 2021 wieder an einer A-Weltmeisterschaft teilnehmen dürfte und womöglich sogar Aufsteiger Ukraine verdrängen könnte.

Rankel selbst wollte sich mit solchen Szenarien nicht befassen. Er sei vor allem froh, endlich mit der Mannschaft arbeiten zu können, sagte der neue Bundestrainer. Unterdessen stehen bereits Boykottdrohungen mehrerer Nationen im Raum, zudem könnten Sponsoren abspringen. DEB-Präsident Frank Lutz prüft deshalb nach eigenen Angaben sogar die Möglichkeit, die Weltmeisterschaft zurückzugeben.

B-Auswahl soll Begeisterung wecken

Unter diesen Vorzeichen soll nun in Düsseldorf ausgerechnet eine deutsche B-Auswahl für Aufbruchsstimmung sorgen – für ein Turnier also, dessen größere Perspektive derzeit offen ist. Schon Rankels erste Kadernominierung sorgte für Aufmerksamkeit, ähnlich wie zuvor seine überraschende Ernennung zum Bundestrainer.

Nach der Trennung von Harold Kreis, der Deutschland vor drei Jahren noch ins WM-Finale von Tampere geführt hatte, sollte eigentlich neuer Schwung entstehen. 2015 war Marco Sturm ein ähnlicher Effekt gelungen. Auch er war damals Trainer-Neuling, brachte aber als NHL-Größe einen ganz anderen Bekanntheitsgrad mit.

Rankel hingegen ist eher Fachleuten als breiter Öffentlichkeit ein Begriff. Die Begründung für seine Berufung fiel entsprechend knapp aus. DEB-Sportvorstand Christian Künast erklärte lediglich, Rankel sei nicht als Trainer-Rookie zu sehen und insgesamt die beste Lösung gewesen.

Viele neue Gesichter beim Deutschland Cup

Für seine Premiere verzichtete Rankel weitgehend auf bekannte Namen. Beim Turnierauftakt gegen Österreich am Donnerstagabend werden daher viele Spieler auf dem Eis stehen, die selbst eingefleischte Eishockey-Fans erst noch besser kennenlernen müssen.

Nach seinen Angaben ließ Rankel – mit nur drei Ausnahmen – bewusst Akteure der Eisbären Berlin, Adler Mannheim und Kölner Haie außen vor, da diese Vereine noch in der Champions League gefordert sind. Ihm gehe es darum, die Belastung der Spieler und ihr Energielevel sinnvoll zu steuern.

Zum Kader gehören mit Leon Hüttl, Fabio Wagner und Wojciech Stachowiak drei Vize-Weltmeister von 2023. Hinzu kommen der frühere NHL-Stürmer Tobi Rieder sowie Olympia-Silbermedaillengewinner Yasin Ehliz. Als besonders spannendes Talent gilt der erst 17 Jahre alte Max Calce aus Mannheim.

Rankel setzt andere Prioritäten

Bemerkenswert ist vor allem Rankels Blick auf das Turnier. Für ihn stehe das Resultat zunächst nicht an erster Stelle. Entscheidend sei vielmehr, wie die Mannschaft auftrete, wie sie spiele und wie sie sich als Einheit präsentiere.

Damit rückt der neue Bundestrainer den Fokus weg vom nackten Ergebnis – und hin zu Entwicklung, Stil und Teamgeist. Ob das reicht, um in Düsseldorf tatsächlich Aufbruchsstimmung zu erzeugen, bleibt allerdings offen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen