Wirtschaft

Darum soll der Energieverbrauch jetzt sinken

Deutschlands Energieverbrauch sinkt spürbar – doch ein brisanter Grund steckt dahinter. Und Fossile bleiben weiter vorn.

04.11.2026, 11:42 Uhr

Energieverbrauch in Deutschland dürfte 2026 spürbar sinken

Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2026 nach einer Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Die Experten gehen von einem Minus von knapp drei Prozent aus. Ausschlaggebend seien vor allem die schwache Konjunktur und stark gestiegene Energiepreise. Witterungseinflüsse und andere Faktoren hätten dagegen nur eine geringe Rolle gespielt.

Auch die energiebedingten CO2-Emissionen sollen im Gesamtjahr zurückgehen – laut Hochrechnung um knapp vier Prozent.

Vor allem beim Mineralöl deutliche Rückgänge

Grundlage der Jahresprognose sind die Daten aus den ersten neun Monaten des Jahres. In diesem Zeitraum sank der Energieverbrauch nach AGEB-Angaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent.

Besonders auffällig war der Rückgang beim Mineralöl sowie ein weiterer sinkender Beitrag der Braunkohle. Dagegen legte der Verbrauch von Erdgas, Steinkohle und erneuerbaren Energien zu.

Beim Mineralöl wurde von Januar bis September insgesamt ein Minus von mehr als zwölf Prozent verzeichnet. Die einzelnen Produkte entwickelten sich jedoch unterschiedlich: Der Absatz von Benzin ging um vier Prozent zurück, bei Diesel lag das Minus bei mehr als neun Prozent. Flugkraftstoff wurde drei Prozent weniger verkauft, die Lieferungen von Rohbenzin an die Chemieindustrie sanken um rund fünf Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang beim leichten Heizöl mit über 38 Prozent aus. Nach Einschätzung der AGEB haben viele Verbraucher wegen der hohen Preise ihre Vorräte abgebaut und nur wenig nachgekauft.

Mehr Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken

Der Erdgasverbrauch stieg leicht um 0,8 Prozent. Beim Verbrauch von Steinkohle gab es sogar ein Plus von mehr als acht Prozent. Vor allem in Kraftwerken wurde mehr Steinkohle zur Stromerzeugung eingesetzt; hier meldete die AGEB einen Zuwachs von 7,2 Prozent. Auch die Eisen- und Stahlindustrie verbrauchte etwas mehr Kohle als im Vorjahreszeitraum.

Die erneuerbaren Energien verzeichneten in den ersten neun Monaten ein Wachstum von 5,7 Prozent.

Zudem exportierte Deutschland in diesem Zeitraum per saldo mehr Strom, als aus dem Ausland bezogen wurde. Der Überschuss lag bei 1,9 Terawattstunden. In den entsprechenden Zeiträumen der beiden Vorjahre hatte es noch deutliche Importüberschüsse gegeben.

Primärenergieverbrauch bei 10.356 Petajoule

Der inländische Primärenergieverbrauch belief sich in den ersten drei Quartalen auf 10.356 Petajoule. Das entspricht 2.877 Terawattstunden. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Erneuerbare kommen auf 22,5 Prozent

Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch lag in den ersten neun Monaten 2026 bei 22,5 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 20,5 Prozent.

Den größten Teil des Energieverbrauchs deckten allerdings weiterhin fossile Energieträger: Öl, Erdgas und Kohle kamen zusammen auf 75,5 Prozent. Zu den übrigen Anteilen zählen unter anderem Strommengen aus der Müllverbrennung.

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen setzt sich aus drei Wirtschaftsverbänden und fünf Instituten zusammen, die auf energiewirtschaftliche Forschung spezialisiert sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen