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Dieses Programm soll Kinder endlich ins Wasser bringen

20 Millionen gegen die Schwimmkrise: Warum jetzt Busse, Extra-Kurse und Schwimmlotsen für Kinder entscheidend sein sollen

04.11.2026, 14:31 Uhr

Rund 40 Prozent der Kinder in Deutschland können am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen, etwa 20 Prozent gar nicht. Daran soll das neue Modellprogramm „Deutschland lernt Schwimmen“ etwas ändern, das vom Bundeskanzleramt gemeinsam mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gestartet wurde. Dafür stehen ab sofort jährlich fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Anträge können ab sofort nicht-öffentliche Einrichtungen wie Vereine, Kitas oder Schwimmschulen stellen. Die Frist läuft bis zum 31. Januar 2027. Insgesamt ist das Bundesprogramm auf vier Jahre angelegt und mit 20 Millionen Euro ausgestattet. Ausführliche Informationen gibt es auf der Website des DSV.

Mit dem Vorhaben sollen mehr Kinder Zugang zu Schwimmangeboten erhalten. Sportstaatsminister und Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe betonte, sicheres Schwimmen sei nicht nur überlebenswichtig. Es stärke auch das Selbstvertrauen, ermögliche die Teilnahme an Klassenfahrten und Ferienangeboten und eröffne den Zugang zu gesunder Bewegung.

Wofür das Geld genutzt werden kann

Das Förderprogramm setzt nicht auf den Neubau von Schwimmbädern. Im Mittelpunkt stehen stattdessen eine bessere Vernetzung vor Ort (Säule 1) und mehr Koordination (Säule 2). In einem dritten Schritt (Säule 3) sollen langfristig mehr qualifizierte Schwimmlehrkräfte ausgebildet werden. Für diese Säule gilt der aktuelle Förderaufruf allerdings noch nicht.

In Säule 1 kann das Geld etwa dafür eingesetzt werden, Kinder per Bus zu weiter entfernten Schwimmhallen zu bringen. Gerade in ländlichen Regionen fehlt es oft an erreichbaren Bädern. Unterstützt werden können auch zusätzliche Schwimmkurse oder mehr Ausbildungspersonal in Vereinen.

Säule 2 sieht die Beschäftigung hauptamtlicher Schwimmlotsen vor. Sie sollen Ehrenamtliche in Vereinen entlasten, Schulen und Vereine zusammenbringen und freie Kapazitäten vor Ort besser koordinieren. Beide Säulen sollen bestehende Angebote ergänzen und nicht ersetzen.

Besonderer Fokus auf Kinder mit Unterstützungsbedarf

Nach Angaben von Rauhe sollen vor allem Kinder aus Familien mit geringem Einkommen, aus strukturschwachen Regionen sowie Kinder mit Behinderung oder anderem Unterstützungsbedarf erreicht werden. In diesen Gruppen sei der Bedarf besonders groß. Sicher schwimmen zu können dürfe keine Frage der Herkunft sein.

DLRG-Präsidentin Ute Vogt schätzt, dass rund 40 Prozent der Grundschulkinder am Ende ihrer Grundschulzeit nicht sicher schwimmen können. Rund 20 Prozent seien Nichtschwimmer.

Als sicherer Schwimmer gilt nach ihren Worten nur, wer sich nicht bloß über Wasser halten kann, sondern 15 Minuten eigenständig in tiefem Wasser schwimmt. Das Seepferdchen reiche dafür nicht aus; mindestens der Freischwimmer müsse erreicht werden. In vielen Schulen werde dieses Niveau heute aber nicht mehr vermittelt, weil oft kein Schwimmbad in erreichbarer Nähe sei.

320 Menschen ertrunken

Nach DLRG-Angaben sind bis Ende September in diesem Jahr 320 Menschen ertrunken, die meisten davon in Seen und Flüssen. Allein im Juni lag die Zahl demnach bei rund 100.

Dass viele Kinder nicht schwimmen können, hat laut Rauhe mehrere Ursachen. Zum einen gibt es durch Bädersterben und einen Sanierungsstau einen akuten Mangel an Wasserflächen. Zum anderen warten Kinder teils sehr lange auf einen Platz in einem Schwimmkurs, weil es an Kapazitäten fehlt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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