Neuer Prozess gegen René Benko in Innsbruck gestartet
In Österreich hat ein weiterer Gerichtsprozess gegen den früheren Milliardär René Benko begonnen. Vor dem Landesgericht Innsbruck muss sich der Signa-Gründer unter anderem wegen des Verdachts auf schweren Betrug verantworten.
Nach Darstellung der Anklage soll Benko die Privatstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner um etwa fünf Millionen Euro geschädigt haben. Konkret geht es um eine angeblich unwahre Garantieerklärung, mit der Benko Haselsteiner zur Bereitstellung des Geldes bewegt haben soll. Beide Unternehmer standen über Jahre hinweg in enger geschäftlicher Verbindung.
Zum Auftakt des Verfahrens sagte Haselsteiner als Zeuge aus, die Garantie sei für seine Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Die fünf Millionen Euro hätte er ohne Benkos Zusage nicht zur Verfügung gestellt, betonte er. Benko selbst bestreitet die Vorwürfe.
Der Prozess ist zunächst auf zwei Verhandlungstage angesetzt. Bereits am Donnerstag könnte ein Urteil fallen. Sollte es zu einem Schuldspruch kommen, droht Benko möglicherweise eine zusätzliche Strafe. Erst im September war er wegen Gläubigerschädigung zu 30 Monaten Haft verurteilt worden.
Staatsanwaltschaft sieht gezielte Irreführung
Aus Sicht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft brauchte Benko Anfang November 2023 dringend finanzielle Mittel für die Sporthandels-Tochter SportScheck. Erst durch seine Garantieerklärung sei die Haselsteiner-Privatstiftung dazu bewegt worden, den Millionenbetrag bereitzustellen.

Die Oberstaatsanwältin erklärte, diese Zusage habe lediglich der Täuschung gedient. Benko habe demnach nie ernsthaft vorgehabt, das Geld an Haselsteiner zurückzuzahlen.
Anders als bei früheren Terminen wurde Benko diesmal nicht direkt aus dem Gefängnis in den Gerichtssaal gebracht. Seit Mitte Oktober verbringt er die Untersuchungshaft mit einer elektronischen Fußfessel in einer Privatwohnung.
Weitere Vorwürfe wegen eines Luxusgewehrs
Zusätzlich ist der 49-Jährige erneut wegen Schädigung seiner Gläubiger angeklagt. Laut WKStA soll er ein Jagdgewehr im Wert von rund 80.000 Euro dem Zugriff seiner Gläubiger entzogen haben. Für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sieht das Gesetz einen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Haft vor.
Benko sitzt seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft, und es könnten noch weitere Anklagen folgen.
Benko hatte den Immobilienkonzern Signa aufgebaut und innerhalb von rund zwei Jahrzehnten zu einem der bekanntesten Unternehmen der Branche gemacht. Der Einstieg in den stationären Handel mit den deutschen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt, steigende Zinsen, schwindendes Vertrauen der Banken und Fehler im Management führten das Unternehmen schließlich in die Insolvenz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber