Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) würde eine Lockerung der Arbeitszeitregeln in Deutschland nur einem begrenzten Teil der Unternehmen zugutekommen. Wie das Institut mitteilte, sieht lediglich rund ein Drittel der Betriebe Bedarf dafür, die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden zu überschreiten. Berücksichtigt man zusätzlich die Tarifbindung, schrumpft dieser Anteil auf nur noch neun Prozent der Unternehmen, die sowohl tarifgebunden sind als auch mehr Flexibilität wünschen.
Die Bundesregierung in Berlin plant im Rahmen ihrer Reformvorhaben, die Arbeitszeitregelungen anzupassen. In bestimmten Fällen soll damit auch ein Arbeitstag von mehr als zehn Stunden möglich werden. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) möchte diese Öffnung allerdings auf tarifgebundene Betriebe beschränken.
IAB-Forscher Enzo Weber sieht darin ein Problem. Seiner Einschätzung nach zeigt die Erhebung, dass eine solche Begrenzung auf tarifgebundene Unternehmen – wie sie aus der SPD vorgeschlagen wurde – kaum die erhoffte Wirkung entfalten würde. Für die Untersuchung hatte das IAB im Rahmen seiner Stellenerhebung zum ersten Quartal insgesamt 9.300 Betriebe befragt.
Weber plädiert daher für eine verbindliche Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, in der Rechte und Pflichten klar festgelegt werden. Teil eines solchen Modells könnte auch eine gesundheitliche Begleitung der Beschäftigten sein. Den Tarifparteien solle dabei zwar ein Vorrang eingeräumt werden, die vereinbarten Regeln sollten anschließend aber ebenso für nicht tarifgebundene Unternehmen gelten. Auf diese Weise könnten auch Betriebe ohne Tarifbindung von mehr Flexibilität profitieren – allerdings nur unter klaren und verbindlichen Vorgaben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber