Deutschlands Mobilfunknutzer sollen in den kommenden Tagen selbst aktiv werden und per Smartphone-App schlechte Netzabdeckung melden. Ziel der Aktion ist es, Behörden und Netzbetreibern ein genaueres Bild davon zu geben, an welchen Orten es weiterhin Probleme mit dem Empfang gibt. Unter dem Motto #CheckDeinNetz rufen das Bundesdigitalministerium und die Bundesnetzagentur zu einer einwöchigen Mitmach-Kampagne auf. Verwendet werden soll dafür die App „Mobilfunk-Check“, die dokumentiert, wo Verbindungen schwach sind oder komplett ausfallen.
Kaum vollständige Funklöcher, aber weiter Lücken beim Ausbau
Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es in Deutschland auf 0,22 Prozent der Landesfläche sogenannte komplette Funklöcher. In diesen Bereichen ist keines der drei großen Netze von Telekom, Vodafone und O2 selbst über den älteren Standard 2G erreichbar. Beim 4G-Empfang liegt der Anteil der unversorgten Fläche bei 2,21 Prozent. Grundlage sind Daten aus dem Dezember 2025.
Diese Werte gelten jedoch nur in der Gesamtbetrachtung aller Netze. Für die meisten Menschen ist das nur eingeschränkt aussagekräftig, da sie üblicherweise nur eine SIM-Karte und damit Zugang zu nur einem Anbieter haben. Betrachtet man die Netzbetreiber einzeln, zeigt sich ein anderes Bild: Bei der Telekom sind laut Bundesnetzagentur 1,2 Prozent der Fläche nicht einmal mit 2G versorgt, 7,5 Prozent nicht mit 4G und 12,1 Prozent nicht mit 5G. Bei Vodafone und O2 fallen die Werte noch ungünstiger aus. Zwar hat sich die Mobilfunkabdeckung in den vergangenen Jahren verbessert, doch für Verbraucher und digitale Anwendungen bleibt weiterer Ausbau wichtig.
Wildberger spricht von einem „großen Netztest“
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) bezeichnet die Aktion als einen umfassenden Praxistest für das Mobilfunknetz. Deutschland sei bereits gut aufgestellt, müsse aber noch besser werden, erklärte er. Die Messungen der Bürgerinnen und Bürger könnten dabei helfen, gezielt zu erkennen, wo noch nachgebessert werden müsse. Zugleich forderte er die Netzbetreiber auf, die aus der Aktion gewonnenen Daten zu nutzen, um ihre Netze weiter zu optimieren.
Mehr Beteiligung während der Messwoche erwartet
Die bundesweite Mobilfunk-Messwoche hatte bereits im vergangenen Jahr Premiere. Sie ist bewusst öffentlichkeitswirksam angelegt, um möglichst viele Menschen zur Teilnahme zu bewegen. Zwar können Messungen mit der Behörden-App auch außerhalb des Aktionszeitraums vorgenommen werden, doch während der Messwoche steigt die Nutzung erfahrungsgemäß deutlich an. Auch in diesem Jahr wird mit einer hohen Beteiligung gerechnet.
Die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Daniela Brönstrup, betonte, dass eine breite Nutzung der App die Datengrundlage erheblich verbessere. Je mehr Menschen mitmachen, desto genauer lasse sich die Mobilfunkversorgung in den einzelnen Regionen bewerten. Dies helfe letztlich dabei, eine möglichst gute Netzabdeckung in ganz Deutschland zu erreichen.
Netzbetreiber erheben auch eigene Daten
Die Mobilfunkunternehmen verweisen darauf, dass sie selbst regelmäßig Messungen durchführen, um Schwachstellen im Netz zu erkennen. Laut Fabrizio Rocchio, Technikchef von Vodafone Deutschland, erfolgen neben den üblichen Echtzeit-Analysen am Computer auch tägliche Prüfungen mit Messfahrzeugen in zahlreichen Städten und Landkreisen. So lasse sich rasch feststellen, wo Verbesserungen nötig seien. Zusätzlich seien Rückmeldungen von Kunden und Kommunen hilfreich. Von der Mobilfunk-Messwoche erhofft sich Vodafone nun weitere wertvolle Hinweise.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber