Wirtschaft

Studie: Grüne Jobs boomen – doch jetzt droht Gefahr

Job-Boom bei Erneuerbaren: So viele arbeiten hier wie nie – doch der neue Energiekurs der Regierung könnte Tausende Jobs kosten.

24.06.2026, 05:00 Uhr

Studie: Erneuerbare-Energien-Branche erreicht 2025 Höchststand bei Jobs

Die Zahl der Arbeitsplätze in der deutschen Erneuerbare-Energien-Branche ist laut einer Untersuchung auf ein Rekordniveau gestiegen. Im Jahr 2025 arbeiteten demnach rund 436.000 Menschen in diesem Bereich. Das sind knapp vier Prozent mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2023, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte.

Zugleich warnt die Stiftung davor, dass ein absehbarer Kurswechsel der Bundesregierung in der Energiepolitik Tausende Jobs gefährden könnte.

Windkraft bleibt größter Arbeitgeber

Unter den erneuerbaren Technologien ist die Windenergie weiterhin der wichtigste Jobmotor. Zwischen 2023 und 2025 stieg die Zahl der Beschäftigten hier um rund 30 Prozent auf etwa 172.000 Arbeitsplätze. Damit entfällt knapp ein Drittel aller Jobs in der Branche auf die Windkraft.

Eine weitere zentrale Säule bleibt der Studie zufolge die Photovoltaik, in der knapp 100.000 Menschen beschäftigt sind. Auf Rang drei folgt die Produktion und Installation von Wärmepumpen mit rund 72.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr.

Investitionen und Beschäftigung hängen eng zusammen

Nach Einschätzung der Autoren besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Investitionen in erneuerbare Energien und der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Neben dem Ausbau der Anlagen sei vor allem entscheidend, dass auch Wertschöpfung in Deutschland stattfinde, erklärte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Jana Fingerhut.

Als Beispiel nennt die Analyse die Solarbranche: Zwar werden immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert, dennoch sinkt die Zahl der Jobs, weil die meisten Solarmodule im Ausland gefertigt werden. Fingerhut erinnerte daran, dass die einst starke Solarproduktion in Deutschland innerhalb der vergangenen 15 Jahre nahezu verschwunden sei. Ein ähnlicher Verlust dürfe sich bei Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht wiederholen.

Weniger Investitionen bedeuteten auch den Abbau von Arbeitsplätzen, betont die Stiftung.

Politische Entscheidungen wirken sich direkt aus

Die Stiftung hebt außerdem hervor, dass die Beschäftigung in der Branche besonders empfindlich auf politische Rahmenbedingungen reagiert. Das zeige sich etwa bei den Wärmepumpen: Nachdem 2023 noch mehr als 350.000 Anlagen neu installiert worden waren, ging der Ausbau ein Jahr später infolge der heftigen Debatte um das Heizungsgesetz deutlich zurück. 2025 stieg die Zahl dann wieder auf knapp 300.000 Wärmepumpen. Die Entwicklung der Arbeitsplätze verlief laut Studie parallel dazu.

Appell an die Bundesregierung

Mit Blick auf die geplanten Reformen im Energiebereich fordert die Bertelsmann Stiftung, die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung so zu gestalten, dass sie Arbeitsplätze sichern. Jobverluste drohten etwa dann, wenn kleinere Solaranlagen keine Förderung mehr erhielten, Investitionen wegen unsicherer Rahmenbedingungen ausgebremst würden oder eindeutige Regeln für klimafreundliches Heizen fehlten.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfe der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht erneut ausgebremst werden, mahnt die Stiftung.

Geplante Änderungen im Energiekurs

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) plant, die Kosten des Energiesystems zu senken und den Ausbau von Wind- und Solaranlagen stärker mit dem bislang zu langsamen Netzausbau zu verzahnen. Außerdem sollen Betreiber erneuerbarer Anlagen künftig stärker an der Finanzierung der Netze beteiligt werden. Diskutiert wird zudem, die Förderung für kleine neue Solaranlagen auf Hausdächern zu streichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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