Baden-Württemberg

Stuttgart 21 später: Bahn plant Start erst Ende 2031

Neuer Rückschlag für Stuttgart 21: Der Tiefbahnhof startet erst 2031 – ganze fünf Jahre später als geplant.

24.06.2026, 09:06 Uhr

Die Deutsche Bahn hat die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 erneut deutlich verschoben. Der neue unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart soll nach Angaben aus dem Verkehrsausschuss des Bundestags nun erst Ende 2031 in Betrieb gehen.

Bereits im November hatte die Bahn die ursprünglich für Ende 2026 geplante Teilinbetriebnahme abgesagt. Als Gründe wurden damals unter anderem Probleme bei der Digitalisierung genannt. Bahnchefin Evelyn Palla hatte zunächst keinen neuen Termin genannt und eine umfassende Überprüfung des Projekts angekündigt. Die nun vorgesehene Verschiebung auf 2031 ist das Ergebnis dieser Prüfung. Über den neuen Termin hatten in den vergangenen Wochen bereits mehrere Medien berichtet.

Ein Bahnsprecher wollte die erneute Verzögerung nicht kommentieren und verwies darauf, dass sich das Unternehmen grundsätzlich nicht zu nicht öffentlichen Sitzungen äußere. Das neue Inbetriebnahmekonzept soll nach einer Sitzung des Lenkungskreises am Freitag vorgestellt werden.

Woran es laut Bahn hakt

Als Hauptgründe für die erneute Verschiebung wurden laut Teilnehmern des Verkehrsausschusses mehrere Probleme genannt. Demnach ist die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens deutlich komplizierter als zunächst angenommen. Außerdem hätten manche Planungsprozesse noch nicht den erforderlichen Reifegrad erreicht. Medien hatten bereits berichtet, dass deshalb teils Kabel neu verlegt werden müssten.

Hinzu kommen weitere technische Schwierigkeiten: So soll es Probleme mit einem Technikgebäude geben, das für den aktuellen Bedarf nicht mehr passend ist. Auch bei Steuerungstechnik und Energieversorgung muss nachgebessert werden. Medienberichten zufolge ist zudem ein neues Notstromkonzept nötig.

Für Fahrgäste bleibt vieles vorerst ein Provisorium

Für Reisende in Stuttgart bedeutet die Verschiebung, dass sie wohl noch mehrere Jahre mit der Baustellensituation im Zentrum leben müssen. Schon seit langer Zeit sind wegen der Bauarbeiten deutlich längere Wege zu den Fernzügen nötig. Zudem kommt es rund um das Projekt immer wieder zu Streckensperrungen, Ersatzverkehr und Zugausfällen.

Zumindest bei den Wegen für Fahrgäste soll es aber offenbar schon früher Entlastung geben. Nach dem neuen Konzept sollen Reisende ab 2027 nicht mehr komplett um die Baustelle herumlaufen müssen, sondern über das Dach des neuen Tiefbahnhofs direkt zu den Gleisen des bisherigen Kopfbahnhofs gelangen.

Skepsis und politische Reaktionen

Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel äußerte nach der Sitzung Zweifel am neuen Zeitplan. Er sagte, es würde ihn wundern, wenn eine Inbetriebnahme 2031 oder 2032 tatsächlich gelinge. Aus seiner Sicht steckt die Bahn weiterhin in der Problemanalyse und sucht noch nach Lösungen. Das zeige, wie schlecht Planung und Umsetzung gewesen seien.

Die SPD-Verkehrsexpertin und neue SPD-Landeschefin in Baden-Württemberg, Isabel Cademartori, erklärte dagegen, Bahnchefin Palla habe im Ausschuss überzeugend dargestellt, dass das Projekt nun auf Grundlage einer seriösen und belastbaren Planung weitergeführt werde. Zugleich müssten die unmittelbaren Belastungen für die Fahrgäste in Stuttgart rasch verringert werden.

Auch Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) forderte die Bahn auf, die Auswirkungen für Reisende so weit wie möglich zu reduzieren. Vor allem der umständliche lange Weg zu den Bahnsteigen müsse schnell beendet werden.

Terminplan schon mehrfach geändert

An dem Projekt wird bereits seit 2010 gebaut. Der Starttermin wurde im Lauf der Jahre mehrfach verschoben. Zuletzt galt Dezember 2026 als Zielmarke. Als die Finanzierungsvereinbarung 2009 geschlossen wurde, war noch von einer Eröffnung im Jahr 2019 ausgegangen worden.

Stuttgart 21 steht nicht nur für den Neubau des Hauptbahnhofs, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Dazu gehören unter anderem neue Bahnhöfe wie der Fernbahnhof am Flughafen, zahlreiche Kilometer neuer Schienenwege und Tunnel sowie weitere Bauwerke wie Brücken und Durchlässe.

Digitaler Bahnknoten ohne klassische Signale

Zum Bahnprojekt Stuttgart–Ulm gehört neben Stuttgart 21 auch die bereits 2022 eröffnete Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm. Kernstück von Stuttgart 21 ist der neue Tiefbahnhof, der den bisherigen Kopfbahnhof ersetzt und als Durchgangsbahnhof betrieben werden soll.

Gleichzeitig wird der Stuttgarter Bahnknoten als erster in Deutschland vollständig digitalisiert. Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen sollen dort ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Klassische Lichtsignale wird es in dem neuen System nicht mehr geben.

Kosten zuletzt bei 11,3 Milliarden Euro

Auch finanziell ist das Projekt deutlich teurer geworden. Im Finanzierungsvertrag von 2009 war die Verteilung der Kosten nur bis zu einer Summe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Bahn die Gesamtkosten auf rund 11,3 Milliarden Euro. Durch die erneute Verzögerung um fünf Jahre dürften die Ausgaben weiter steigen.

Zu möglichen neuen Kosten äußerten sich die Bahnvertreter im Verkehrsausschuss den Angaben zufolge zunächst nicht. Das Thema soll demnach im Aufsichtsrat besprochen werden. Klar ist bereits: Die zusätzlichen Kosten muss nach einem Gerichtsurteil die Deutsche Bahn allein tragen. Eine Klage, mit der sich die Projektpartner an den Mehrkosten beteiligen sollten, war vor knapp einem Jahr in letzter Instanz gescheitert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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