Dittrich fordert Kommission zur Senkung der Sozialabgaben
Handwerkspräsident Jörg Dittrich dringt auf die Einsetzung einer neuen Kommission, die Wege zur finanziellen Entlastung von Beschäftigten und Unternehmen bei den Sozialabgaben erarbeiten soll. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte er, es gehe nicht allein um eine Reform der Einkommensteuer. Ebenso dringend sei es, die aus seiner Sicht überhöhten Lohnnebenkosten spürbar zu senken.
Dittrich verwies dabei auf die Rentenpolitik: Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission habe dort ausgewogene Vorschläge vorgelegt, die anschließend breite Zustimmung gefunden hätten. Wenn die Koalition dieses Instrument für geeignet halte, müsse sie nun auch ein Gremium einsetzen, das sich gezielt mit einer Entlastung von Arbeitnehmern und Betrieben befasse, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).
Kritik an hohen Lohnnebenkosten
Hintergrund ist das Sparpaket der Bundesregierung, mit dem ein weiterer Anstieg der Gesundheitsausgaben gebremst werden soll. Die gesetzlichen Krankenkassen sehen dadurch zwar eine gewisse Stabilisierung, erkennen aber keinen Spielraum für Erleichterungen.
Aus Sicht Dittrichs ist das nicht genug. Er fordert niedrigere Lohnzusatzkosten und mehr Leistungsanreize. Eine reine Umverteilung stärke die Wettbewerbsfähigkeit nicht, argumentierte er. Wenn den Menschen weniger Geld bleibe, wirke sich das negativ auf den Konsum aus. Sinkende Lohnnebenkosten würden dagegen sowohl Beschäftigten als auch Unternehmen mehr finanziellen Spielraum verschaffen. Das könne Exporte und Binnenmarkt gleichermaßen stärken.

Die Bundesregierung verweise zwar auf fehlende Mittel für solche Entlastungen. Dittrich machte jedoch deutlich, dass ohne grundlegende Veränderungen kein Erfolg zu erwarten sei. Wer gewinnen wolle, müsse seine Strategie ändern, sagte er sinngemäß.
Handwerk spürt von Reformen bislang wenig
Der ZDH-Präsident schilderte die wirtschaftliche Lage im Handwerk als zunehmend angespannt. Alle aktuellen Daten deuteten auf eine Verschlechterung hin. Zwar seien die Reformansätze der Bundesregierung grundsätzlich anzuerkennen. In den Betrieben komme davon bislang jedoch kaum etwas an — weder bei den wirtschaftlichen Kennzahlen noch bei der Stimmung.
Im Verband gingen zahlreiche besorgte, teils auch verärgerte Rückmeldungen aus dem Handwerk ein. Viele fragten, weshalb der Reformkurs positiv begleitet werde, obwohl sich die Wirtschaftsdaten weiter eintrübten und sich die Probleme längst in den Auftragsbüchern zeigten.
Weniger Arbeitsplätze und wachsende Sorgen
Nach Dittrichs Angaben steigen die Insolvenzen, auch wenn das Handwerk bislang noch keine flächendeckende Pleitewelle erlebt. Dennoch zeige die Entwicklung klar nach unten. Preisbereinigt sei der Umsatz im gesamten Handwerk seit Jahresbeginn rückläufig. Besonders stark unter Druck stehe etwa der Hochbau, der deutliche Einbußen verzeichne. Deshalb seien weitere mutige Reformen unvermeidbar.
Zudem sei die Zahl der Arbeitsplätze im Handwerk im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 73.000 gesunken. Dittrich verwies zwar auch auf den demografischen Wandel als Ursache. Bei einer insgesamt besser laufenden Wirtschaft hätten Handwerksbetriebe jedoch mehr Möglichkeiten, gegenzusteuern — etwa indem sie Fachkräfte aus anderen Branchen übernehmen, die sich im Umbruch befinden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber