Wirtschaft

Flughafen-Frust: Deutsche verlieren Ziele

Deutschlands Flughäfen verlieren den Anschluss: Ein neuer Atlas zeigt, welche Regionen jetzt besonders abgehängt werden.

19.10.2026, 16:18 Uhr

Weniger Flugziele ab deutschen Flughäfen als vor der Pandemie

Von deutschen Flughäfen aus sind derzeit deutlich weniger Reiseziele erreichbar als noch 2019. Zudem werden viele der verbliebenen Strecken seltener bedient. Darauf weist der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einer Auswertung für die einzelnen Standorte hin.

Als Auslöser für den Rückgang nennt der Verband zunächst die Corona-Pandemie Anfang 2020. Hinzu komme, dass sich der Luftverkehr in Deutschland im europäischen Vergleich nur langsam erhole. Der BDL sieht die Gründe dafür vor allem in deutlich gestiegenen Steuern und staatlichen Abgaben.

Nach Angaben des Verbands wurden 2019 von Deutschland aus 1.678 Strecken mindestens einmal pro Woche angeboten. Insgesamt gab es damals 1,7 Millionen Passagierflüge. Für das laufende Jahr rechnet der BDL laut Flugplan nur noch mit 1.544 Strecken und knapp 1,4 Millionen Flügen. Während 483 Verbindungen in diesem Zeitraum wegfielen, kamen 349 neue hinzu. Auf weiterhin bestehenden Routen wurden zudem 370.000 Flugangebote gestrichen, lediglich 120.000 kamen neu dazu.

Vor allem innerdeutsche Verbindungen betroffen

Besonders stark ausgedünnt wurde das innerdeutsche Angebot, sofern die Flüge nicht als Zubringer zu den internationalen Drehkreuzen Frankfurt oder München dienen. In diesem Bereich seien 55 Prozent der Strecken und sogar 83 Prozent der Flüge entfallen. Auch Verbindungen zu europäischen Großstädten wie Zürich oder Warschau fehlen teilweise. Weniger stark betroffen sind demnach touristische Ziele im Mittelmeerraum.

Zusätzlich wirken sich die Folgen des russischen Angriffskriegs aus: Flüge nach Russland, Belarus und in die Ukraine wurden vollständig eingestellt. Das Interkontinentalangebot blieb dagegen im Wesentlichen stabil.

Mit einem interaktiven Konnektivitätsatlas macht der BDL die Veränderungen an 26 deutschen Flughäfen sichtbar. Als zentrales Problem für viele Wirtschaftsstandorte bezeichnet der Verband die sinkende Qualität des Angebots. Wo es früher Direktverbindungen in wichtige europäische Wirtschaftszentren gab, fehle heute oft jede Verbindung oder das Angebot sei so eingeschränkt, dass es für Geschäftsreisende kaum noch attraktiv sei, erklärte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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