Wirtschaft

Milliarden-Deal: Sanofi baut Insulinfabrik in Frankfurt

Neue Insulinfabrik in Frankfurt: Warum der Milliardenbau für Millionen Diabetiker wichtig ist – und ganz Europa betrifft.

19.10.2026, 12:18 Uhr

Sanofi startet Milliardenprojekt für Insulinproduktion in Frankfurt

Der Pharmakonzern Sanofi hat in Frankfurt den Bau einer neuen Insulinfabrik begonnen. Das Unternehmen aus Paris investiert dafür rund zwei Milliarden Euro. Die Anlage soll eine bestehende Produktionsstätte ersetzen, die Versorgung von Diabetes-Patienten in Deutschland und Europa absichern und zugleich Tausende Arbeitsplätze am Standort erhalten.

Die neue Fabrik wird auf einer Fläche von 36.000 Quadratmetern errichtet, was etwa fünf Fußballfeldern entspricht. Nach Angaben des Unternehmens soll sie modernsten Anforderungen genügen und auch auf Künstliche Intelligenz setzen. Mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2032 werde der Standort zu den größten Insulinproduktionsstätten Europas zählen und eine wichtige Rolle im weltweiten Versorgungsnetz von Sanofi übernehmen.

Bei dem offiziellen Baustart im Industriepark Höchst betonte Sanofi-Chefin Belen Garijo die Bedeutung des Medikaments: Millionen Menschen seien täglich auf Insulin angewiesen. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie hätten zudem gezeigt, wie anfällig medizinische Lieferketten sein können. Mit dem Neubau investiere der Konzern deshalb in die nächste Generation der Insulinherstellung in Europa.

EU genehmigt staatliche Unterstützung

Sanofi hatte das Vorhaben bereits 2024 angekündigt. Im September genehmigte die EU-Kommission staatliche Hilfen in Höhe von 400 Millionen Euro. Diese werden vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt getragen.

Früheren Angaben zufolge sollen in der neuen Anlage zunächst mindestens 1,1 Tonnen Insulin pro Jahr produziert werden. Zudem ist Sanofi verpflichtet, eine Tonne pharmazeutischer Insulinwirkstoffe auf Vorrat zu halten. Im Falle von Lieferengpässen müssen die europäischen Märkte bevorzugt beliefert werden.

Eine Frau hält einen Insulin-Pen in der Hand
Diabetes ist eine Volkskrankheit, Insulin wird aber an nur wenigen Standorten in Europa produziert (Archivbild) Quelle: Hannes P Albert/dpa/dpa-tmn

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Zugleich werde damit die europäische Unabhängigkeit gestärkt und die Abhängigkeit von Drittstaaten reduziert.

Große Bedeutung für Menschen mit Diabetes

Diabetes mellitus ist eine weit verbreitete Erkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden kann.

Nach Unternehmensangaben leben weltweit mehr als 500 Millionen Menschen mit Diabetes. Bis 2050 könnte diese Zahl auf 800 Millionen steigen. Laut früheren EU-Angaben hätte Sanofi ohne staatliche Unterstützung den deutschen Standort geschlossen. Dabei handelt es sich um die einzige Produktionsstätte für Humaninsulin im Europäischen Wirtschaftsraum und um einen von nur zwei Insulinstandorten insgesamt in der Region. Der andere gehört Novo Nordisk in Dänemark.

Tausende Arbeitsplätze hängen am Standort

Für Frankfurt-Höchst ist die Insulinproduktion von zentraler Bedeutung. Mehr als 4.000 der insgesamt 6.500 Sanofi-Beschäftigten am Standort arbeiten in diesem Bereich. Von Frankfurt aus werden etwa 15 Millionen Patientinnen und Patienten in rund 80 Ländern mit Insulinprodukten versorgt.

Der Standort bildet dabei die komplette Produktionskette ab: von der Herstellung des Wirkstoffs über die Abfüllung bis zur Fertigung von Pens, Autoinjektoren und der Verpackung.

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) wertete die Investition als starkes Signal für den Pharma- und Industriestandort der Stadt. Frankfurt werde das Vorhaben weiterhin nach Kräften unterstützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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