Wirtschaft

EZB-Chefin drängt plötzlich auf mehr Ökoenergie

Iran-Krieg treibt Energiepreise hoch: Lagarde warnt, warum Europas Fossil-Abhängigkeit jetzt zum teuren Risiko wird

05.05.2026, 15:55 Uhr

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich trotz des Kriegs mit Iran erneut für einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien in Europa ausgesprochen.

Auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu Klima, Natur und Geldpolitik sagte sie, Europa importiere rund 60 Prozent seiner Energie – nahezu vollständig in Form fossiler Brennstoffe. Die aktuell stark steigenden Energiepreise machten aus ihrer Sicht deutlich, wie kostspielig diese Abhängigkeit ist.

Alternative Energiequellen seien der beste Weg, um die Zielkonflikte der europäischen Energiepolitik zu entschärfen: Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und bezahlbare Preise.

Spanien und Portugal laut EZB besser geschützt

Eine EZB-Analyse zum aktuellen Energiepreisschock zeigt nach Angaben Lagardes, dass Länder mit einem höheren Anteil nicht-fossiler Stromerzeugung besser gegen steigende Gaspreise gewappnet sind. Als Beispiele nannte sie Spanien und Portugal.

Zugleich verwies Lagarde auf die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels. Wetterextreme, die die Landwirtschaft beeinträchtigen, könnten die Lebensmittelpreise deutlich nach oben treiben. So habe die Hitzewelle des vergangenen Sommers die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Euroraum nach einem Jahr schätzungsweise um bis zu 0,7 Prozentpunkte erhöht.

Lagarde: Klimawandel belastet auch die Wirtschaft

Nach Einschätzung der EZB treffen solche Ereignisse nicht nur die Preisentwicklung, sondern auch die wirtschaftliche Leistung – und zwar wohl hartnäckiger als früher angenommen. Analysen der Notenbank zufolge liegt die regionale Wirtschaftsleistung selbst vier Jahre nach einer Dürre oder Überschwemmung im Durchschnitt noch um rund drei Prozentpunkte niedriger.

Der Iran-Krieg hat Öl und Gas an den Weltmärkten zuletzt rasant verteuert. Das setzt Unternehmen ebenso unter Druck wie Verbraucherinnen und Verbraucher. In der Eurozone stieg die Inflation im April infolge des Energiepreisschocks auf drei Prozent und lag damit deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für Juni eine Anhebung der Leitzinsen ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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