Wirtschaft

EZB belässt Zinsen: Was jetzt?

Zinspause in Europa: Die EZB rührt den Leitzins nicht an – was das jetzt für Sparer und Banken bedeutet, überrascht.

23.07.2026, 14:15 Uhr

EZB hält Zinsen stabil – September-Schritt bleibt möglich

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Leitzinsen im Euroraum trotz anhaltender Inflationsrisiken vorerst unverändert. Der für Banken und Sparer besonders wichtige Einlagenzins bleibt nach dem Beschluss des EZB-Rats in Frankfurt bei 2,25 Prozent.

Nach der ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren im Juni legen die Euro-Währungshüter damit eine geldpolitische Pause ein. Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Projektionen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.

Trotz der Zinspause sieht die Notenbank weiter erhebliche Gefahren für die Preisentwicklung. Vor allem der andauernde Krieg zwischen den USA und Iran sorgt für Unsicherheit und treibt die Ölpreise nach oben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet inzwischen wieder mehr als 100 US-Dollar.

Hohe Unsicherheit bleibt

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte nach der Ratssitzung in Frankfurt, die Unsicherheit sei weiterhin hoch. Zudem seien die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation noch nicht vollständig zum Tragen gekommen.

Hinzu kommt: Viele Unternehmen wollen laut Umfragen ihre gestiegenen Energiekosten an Kunden weitergeben. Da Europa unter dem Strich Energie importiert, schlagen höhere Energiepreise direkt auf die Inflation im Euroraum durch.

Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnt, dass Inflationsraten bei einem Ölpreis von rund 100 Dollar wieder anziehen dürften. Ob deshalb ein weiterer Zinsschritt nötig ist, will die EZB im September entscheiden.

Etwas Entspannung bei der Inflation

Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte die Teuerung in den vergangenen Monaten spürbar nach oben getrieben. Im Juni ließ der Preisauftrieb jedoch etwas nach: Die Verbraucherpreise im Euroraum lagen 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 3,2 Prozent im Mai.

In Deutschland schwächte sich die Inflationsrate im Juni auch wegen des Tankrabatts auf 2,3 Prozent ab.

Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Höhere Zinsen können die Teuerung dämpfen, weil Kredite teurer werden und die Nachfrage sinkt. Gleichzeitig belasten steigende Zinsen Unternehmen und Verbraucher, die investieren oder finanzieren wollen.

Auswirkungen auf Kredite und Bauzinsen

Die Bauzinsen in Deutschland liegen nach Einschätzung des Geldratgebers Finanztip derzeit vergleichsweise stabil nahe der Vier-Prozent-Marke. Nach Ansicht von Finanztip-Experte Dirk Eilinghoff ist ein weiterer Zinsschritt der EZB bis zum Jahresende dort bereits weitgehend eingepreist.

Viele Volkswirte rechnen zwar noch mit einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr, erwarten aber keine längere Serie. Denn zu starke Zinsschritte könnten die ohnehin unter Druck stehende Wirtschaft zusätzlich belasten.

Zinserhöhung im September erwartet

Der Chefvolkswirt des Bankenverbandes BVR, Andreas Bley, hält die EZB mit dem aktuellen Zinsniveau für gut aufgestellt, um nicht auf jede Preisschwankung sofort reagieren zu müssen. Angesichts der Lage am Persischen Golf deuteten die Zeichen aus seiner Sicht aber auf eine Zinserhöhung im September.

Lagarde bezeichnete die jüngsten Entwicklungen am Persischen Golf als alarmierend. Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen Rückzug als EZB-Präsidentin im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich wies sie zurück. Sie werde ihr Amt nicht vor 2027 aufgeben. Wörtlich sagte sie sinngemäß: Wenn am Horizont Wolken aufziehen, bleibe der Kapitän auf dem Schiff – und Wolken seien derzeit klar zu sehen.

Sparer profitieren nicht automatisch

Für Sparer sind höhere Leitzinsen grundsätzlich positiv – allerdings nur dann, wenn Banken und Sparkassen bessere Konditionen auch an ihre Kundschaft weitergeben. Nach der Zinserhöhung im Juni war das laut einer Verivox-Auswertung nur bei 17 Prozent von 823 untersuchten Geldhäusern in Deutschland der Fall – also etwa bei jedem sechsten Institut.

Im Durchschnitt stiegen die Tagesgeldzinsen bei diesen Instituten um 0,18 Prozentpunkte. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen laut Verivox derzeit im Schnitt 1,38 Prozent. Einige Banken werben für Neukunden zeitweise sogar mit bis zu 4 Prozent.

EZB will neue Preiswelle verhindern

In ihrer Prognose vom Juni rechnet die EZB für das laufende Jahr im Euroraum im Schnitt mit einer Inflation von 3,0 Prozent. Die Notenbank will verhindern, dass sich eine neue Preiswelle wie nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 wiederholt.

Damals war die Inflation im Euroraum zeitweise auf mehr als zehn Prozent gestiegen. Energie und Lebensmittel verteuerten sich stark, und viele dieser Preissteigerungen wirken bis heute nach. Nahrungsmittel kosten inzwischen rund ein Drittel mehr als 2019.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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