Lagarde weist Gerüchte über vorzeitigen Abschied von der EZB zurück
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat Spekulationen über einen möglichen früheren Rückzug aus ihrem Amt erneut klar widersprochen. Nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt betonte sie, dass sie die Notenbank nicht vor 2027 verlassen werde. Mit Blick auf die aktuelle Lage sagte die Französin sinngemäß, ein Kapitän verlasse sein Schiff nicht, wenn am Horizont schwierige Zeiten erkennbar seien.
Lagardes reguläre Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank läuft noch bis Ende Oktober 2027. Anfang Juli hatte sie in einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos jedoch einen vorzeitigen Abschied nicht vollständig ausgeschlossen. Auf die Frage, ob ein Rückzug mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich denkbar sei, antwortete sie damals, dies sei möglich, falls die Unsicherheiten zurückgingen. Zugleich unterstrich sie, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte auch eine europäische Perspektive vertreten sein müsse.
Schon im Februar hatte die Financial Times berichtet, Lagarde könne sich noch vor der französischen Präsidentenwahl im April 2027 aus dem EZB-Amt zurückziehen. Auslöser solcher Überlegungen sind Befürchtungen, dass rechtspopulistische Kräfte in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone an Einfluss gewinnen oder sogar die Wahl für sich entscheiden könnten. Das könnte auch die Nachfolge an der Spitze der EZB komplizierter machen.
Hinzu kommt, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf. Beobachter halten es daher für möglich, dass Macron einen vorzeitigen Abschied Lagardes begrüßen würde, um noch Einfluss auf die Besetzung des Spitzenpostens bei der EZB nehmen zu können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber