Überraschung bei den deutschen Turn-Meisterschaften: Andreas Toba holt Bronze
Andreas Toba hat bei den deutschen Turn-Meisterschaften in Hannover für Begeisterung gesorgt. Rund 14 Monate nach dem Ende seiner internationalen Laufbahn, die mit EM-Silber am Reck abgeschlossen worden war, sicherte sich der 35-Jährige im Mehrkampf überraschend die Bronzemedaille. Vor heimischem Publikum kam Toba auf 76,400 Punkte und zeigte sich danach überglücklich: „Das hier ist einfach ein Traum.“
Vor ihm lagen lediglich Radomyr Stelmakh aus Cottbus und Alexander Kunz aus Pfuhl. Stelmakh, 21 Jahre alt und erst seit zwei Wochen für Deutschland startberechtigt, gewann mit 79,700 Punkten. Der frühere Turner der Ukraine hatte vor zwei Jahren noch EM-Gold mit dem Team seines Heimatlandes geholt. Kunz belegte mit 77,867 Punkten Rang zwei.
Frei aufturnen ohne Druck
Nach seinem starken Auftritt erklärte Toba, er habe den Wettkampf vor allem genießen wollen. Er sei mit dem Ziel angetreten, frei zu turnen und Spaß zu haben. Dass am Ende eine Medaille dabei herauskam, sei für ihn kaum zu glauben gewesen. Eine Teilnahme an den Europameisterschaften Mitte August sieht er dennoch eher nicht. Zum einen liege die Entscheidung nicht bei ihm, zum anderen müsse er vermutlich arbeiten, sagte der Nachwuchstrainer.
Seine Form hatte sich Toba über Auftritte bei der Show „Feuerwerk der Turnkunst“ und Einsätze in der Bundesliga zurückgeholt. Zusätzlichen Antrieb gab ihm, dass die Meisterschaften ausgerechnet in seiner Heimatstadt ausgetragen wurden. Einen großen Wettkampf in Hannover hatte er zuvor noch nie bestritten. Um überhaupt dabei sein zu können, kämpfte er sich nach eigenen Worten zunächst durch die Landesmeisterschaften.

Leidenschaft trotz „Ruhestand“
Erst in den vergangenen beiden Wochen vor dem Wettkampf absolvierte Toba sogar wieder zwei Trainingseinheiten täglich. Nach zwei Jahren bestritt er damit erstmals wieder einen kompletten Mehrkampf. Dass es überhaupt dazu kommen würde, hatte sich erst kurz zuvor entschieden.
Seine Bronzemedaille werde auf jeden Fall einen besonderen Platz bekommen, sagte Toba. Gerade weil er sich selbst scherzhaft schon als „Rentner“ bezeichne und nur noch hobbymäßig turne, bedeute ihm dieser Erfolg viel. Für ihn sei es ein schönes Zeichen, dass mit echter Leidenschaft auch dann noch viel möglich sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber