Wirtschaft

Wirecard-Prozess: Urteil jetzt?

Nach Jahren im Wirecard-Mammutprozess drängen die Richter aufs Finale – fällt im größten Finanzskandal bald die Entscheidung?

23.07.2026, 12:15 Uhr

Im Münchner Wirecard-Strafprozess über einen der mutmaßlich größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte rückt nach mehr als dreieinhalb Jahren das Ende näher. Das Landgericht München I plant, die Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung in die vierte Oktoberwoche zu legen. Diesen Zeitplan brachte der Vorsitzende Richter Markus Födisch ins Spiel.

Der Prozess gegen den früheren Wirecard-Chef Markus Braun und zwei Mitangeklagte läuft seit dem 8. Dezember 2022. Braun weist die Vorwürfe weiterhin zurück und sitzt bereits seit dem Zusammenbruch des einstigen Dax-Konzerns vor sechs Jahren in Untersuchungshaft. Bislang hat die Kammer an mehr als 270 Verhandlungstagen verhandelt.

Längere Schlussphase vorgesehen

Auch der letzte Abschnitt des Verfahrens dürfte sich hinziehen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung von Braun und die Anwälte des Kronzeugen Oliver Bellenhaus haben jeweils einen ganzen Verhandlungstag für ihre Plädoyers angemeldet. Braun selbst will darüber hinaus einen weiteren Tag für sein letztes Wort in Anspruch nehmen. Nur die Verteidiger des ehemaligen Chefbuchhalters, des dritten Angeklagten, rechnen mit einem halben Tag.

Gericht drängt auf gebündelte Plädoyers

Einen Termin für das Urteil nannte Födisch noch nicht. Nach den letzten Worten der Angeklagten steht allerdings nur noch die Urteilsverkündung aus. Der Vorsitzende schlug vor, die Plädoyers ohne größere Unterbrechungen im Block durchzuführen, beginnend mit der Staatsanwaltschaft am 19. Oktober.

Bislang tagte das Gericht in der Regel an zwei Tagen pro Woche. Für die Schlussphase wollen die Richter jedoch das Tempo erhöhen. Andernfalls, so Födisch, könne sich dieser Abschnitt über Wochen hinziehen.

Staatsanwaltschaft sieht Braun als Hauptverantwortlichen

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist der 1969 geborene Braun der zentrale Täter. Der frühere Börsenliebling soll gemeinsam mit Komplizen über Jahre hinweg Umsätze in Milliardenhöhe vorgetäuscht haben, um den tatsächlich defizitären Konzern mithilfe hoher Bankkredite am Leben zu halten. Den mutmaßlichen Schaden beziffert die Anklage auf mehr als drei Milliarden Euro.

Braun beharrt auf seiner Version

Braun wiederum sieht sich als Opfer einer Betrügergruppe um den untergetauchten Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek. Der mitangeklagte Oliver Bellenhaus, der früher für Wirecard in Dubai tätig war, belastet dagegen Braun und beschreibt ihn als Mitwisser und Mittäter.

Ein Freispruch für Braun gilt derzeit als praktisch ausgeschlossen, sofern es in den kommenden Wochen nicht doch noch zu einer überraschenden Wende kommt. Wären die Richter bereits von seiner Unschuld überzeugt, hätte der österreichische Ex-Manager nach Einschätzung von Beobachtern schon längst aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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