Windkraft in Bayern legt zu, bleibt im Bundesvergleich aber zurück
Berlin/München – Der Ausbau der Windenergie in Bayern hat im ersten Halbjahr an Fahrt aufgenommen. Nach Zahlen der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems sowie der Fachagentur Wind und Solar wuchs die installierte Leistung im Freistaat um 59 Megawatt. In Betrieb gingen 11 neue Anlagen, während eine Windkraftanlage stillgelegt wurde.
Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum entspricht das zwar einem Plus von mehr als 40 Prozent. Im bundesweiten Vergleich bleibt Bayern damit jedoch deutlich hinter anderen Ländern zurück. Der Freistaat trägt nur etwa 3 Prozent zum Nettozubau in Deutschland bei. Deutlich höhere Werte verzeichnen etwa Nordrhein-Westfalen mit 502 Megawatt, Niedersachsen mit 381 Megawatt und Schleswig-Holstein mit 340 Megawatt. Selbst Baden-Württemberg, das ähnlich schwierige Bedingungen für Windkraft hat wie Bayern, kommt auf 169 Megawatt.
Beim Gesamtbestand steht Bayern etwas besser da. Dort sind aktuell 1.182 Windenergieanlagen mit zusammen 2,8 Gigawatt Leistung installiert. Das entspricht rund 4 Prozent des bundesweiten Bestands.
Genehmigungen ziehen deutlich an
Lange Zeit war der Ausbau der Windkraft in Bayern durch die frühere 10-H-Abstandsregel stark ausgebremst. Seit deren Wegfall steigen die Zahlen wieder. Bei den Genehmigungen liegt Bayern inzwischen mit 742 Megawatt sogar auf Platz vier in Deutschland. Zudem fällt der Freistaat – wie bereits im Vorjahr – durch vergleichsweise schnelle Genehmigungsverfahren auf.
Ob die Projekte tatsächlich umgesetzt werden, hängt jedoch maßgeblich von den Zuschlägen für die Stromabnahme ab. Hier schneidet Bayern derzeit eher schwach ab. Das Zuschlagsvolumen liegt bei lediglich 86 Megawatt. Damit macht Bayern nur einen sehr kleinen Teil der bundesweiten Menge aus und liegt etwa zwei Drittel unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Wirtschaftsministerium verweist auf große Projektreserve
Das bayerische Wirtschaftsministerium stellt dem eine umfangreiche Projektpipeline gegenüber. Nach Angaben mit Stand 31. Mai befinden sich im Freistaat mehr als 1.000 Windenergieanlagen in Planung oder Umsetzung. Rund zwei Drittel davon mit einer Gesamtleistung von mindestens 4,1 Gigawatt seien bereits beantragt, aber noch nicht genehmigt. Das übrige Drittel mit etwa 2,5 Gigawatt sei zwar schon genehmigt, aber noch nicht am Netz.
Auch das Ministerium sieht bei den jüngsten Ausschreibungsrunden Probleme. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert, süddeutsche Standorte bei der Vergabe stärker zu berücksichtigen. Ende Juni kritisierte er, Bayern wolle Windräder errichten, werde dabei aber vom Bund ausgebremst. Strom solle möglichst dort erzeugt werden, wo er gebraucht werde. Das entlaste die Netzinfrastruktur und stärke die Versorgung vor Ort. Aus Sicht Aiwangers müssten die Regeln deshalb angepasst werden – etwa durch ein Vergabesystem, das der süddeutschen Region mindestens 20 Prozent des Ausschreibungsvolumens sichert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber