Wirtschaft

BASF unter Druck: China boomt – Stammwerk vor Sparhammer

China wird für BASF zum Milliarden-Hoffnungsträger – doch ausgerechnet Ludwigshafen kämpft weiter um den Weg aus den roten Zahlen.

08.07.2026, 05:00 Uhr

BASF zieht nach gut 100 Tagen in China ein positives Zwischenfazit

Knapp 100 Tage nach dem Start des neuen Verbundstandorts im chinesischen Zhanjiang bewertet BASF-Finanzchef Dirk Elvermann das Projekt positiv. Zwar rechnet der Chemiekonzern im ersten Betriebsjahr noch mit roten Zahlen, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und dpa-AFX betonte Elvermann jedoch, dass der Standort bereits fast zwei Monate profitabel gearbeitet habe. Das sei aus seiner Sicht ein bemerkenswerter Auftakt.

Für BASF ist die Großinvestition von 8,7 Milliarden Euro vor allem eine Reaktion auf die Entwicklung der Märkte. Nach den Worten Elvermanns richtet das Unternehmen seine Investitionen dort aus, wo die Nachfrage entsteht. Das Werk in Zhanjiang umfasst mehr als 30 Produktlinien, darunter auch einen Steamcracker. Es sei nicht nur wie vorgesehen fertig geworden, sondern habe sogar weniger gekostet als geplant. Zudem seien sämtliche Anlagen von Beginn an produktions- und lieferfähig gewesen.

Marktentwicklung als zentraler Faktor

Der Steamcracker gilt als Herzstück des Standorts. In dieser Großanlage wird Rohbenzin mithilfe von Dampf in chemische Grundstoffe zerlegt. BASF hatte das Werk am 26. März offiziell in Betrieb genommen. Rund 2.000 Menschen arbeiten dort.

Mit Blick auf das Stammwerk in Ludwigshafen, das weiterhin unter wirtschaftlichem Druck steht, sprach Elvermann von einem spürbaren Wandel innerhalb des Unternehmens. Viele Beschäftigte brächten Ideen ein, um Prozesse effizienter zu gestalten, Synergien besser zu nutzen und die Kostenstruktur zu verbessern. Dabei sei derzeit viel Zusammenhalt und Teamgeist zu beobachten.

BASF-Chef Markus Kamieth
Die Investitionen in China gehen laut Vorstandschef Kamieth nicht zulasten der heimischen Standorte. (Archivbild) Quelle: Uwe Anspach/dpa

Gleichzeitig dürfte der Standort Ludwigshafen weiter kleiner werden. Die Zahl der Beschäftigten sei inzwischen auf etwa 30.000 Vollzeitstellen gesunken und werde mit steigender Produktivität wohl weiter zurückgehen. Wichtig sei aus Sicht des Finanzvorstands, den Mitarbeitern trotzdem Perspektiven zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern. Ende 2024 waren im Stammwerk noch 33.370 Menschen beschäftigt.

Rückkehr in die Gewinnzone bleibt ein längerer Prozess

BASF arbeitet daran, den größten Standort des Konzerns wieder profitabel zu machen. Elvermann machte jedoch deutlich, dass dies Zeit brauchen werde. Zwar könne das Unternehmen selbst viel beitragen, etwa durch mehr Effizienz, doch zusätzlich sei auch Unterstützung durch ein besseres Marktumfeld notwendig. Immerhin entwickle sich die Lage in die richtige Richtung, und die Einsparungen seien bereits in der Gewinn- und Verlustrechnung sichtbar.

Nach Angaben des Finanzchefs kommen auch die bisherigen Sparprogramme gut voran. Von den bis Ende 2026 angepeilten jährlichen Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro seien bereits rund 1,9 Milliarden Euro erreicht.

Weitere Kosten will BASF durch stärkere Standardisierung, Automatisierung, Digitalisierung und die Bündelung von Tätigkeiten an einzelnen Standorten senken. In diesem Zusammenhang werden Teile der IT sowie Finanz- und Personalservices nach Hyderabad in Indien verlagert, wo die Arbeitskosten deutlich niedriger sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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