Das Vertrauen in die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Jahren deutlich gelitten. Mit drei Maßnahmenpaketen will der bundeseigene Konzern deshalb kurzfristig das Reiseerlebnis verbessern. Das dritte und letzte Programm zielt nun auf eine bessere Kundenkommunikation. Bahnchefin Evelyn Palla stellte es gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vor.
Einheitliche Informationen auf allen Kanälen
Kern des neuen Sofortprogramms ist, Reisende bei Verspätungen, Zugausfällen und kurzfristigen Gleisänderungen schneller, verlässlicher und vor allem einheitlich zu informieren. Künftig soll auf allen Kanälen möglichst gleichzeitig dieselbe Information erscheinen, damit Fahrgäste nicht länger durch unterschiedliche Anzeigen an Bahnsteig, im Netz und in der App verwirrt werden.
Dabei setzt die Bahn stärker auf Künstliche Intelligenz. In den Leitstellen sollen Störungsmeldungen künftig schneller verarbeitet und direkt an die relevanten Informationskanäle weitergegeben werden. Nach Angaben des Konzerns dauert es bislang oft rund 60 Sekunden, bis ein Hinweis von den Bahnsteiganzeigen auch im DB Navigator auftaucht. Künftig sollen es höchstens 2 Sekunden sein.
Außerdem soll KI den Beschäftigten in den Leitstellen bei Entscheidungen helfen, etwa bei der Frage, ob ein Zug noch auf einen verspäteten Anschluss warten sollte. Auch bei der Berechnung von Verspätungen verspricht sich die Bahn präzisere Angaben. Bislang erleben Reisende oft, dass sich prognostizierte Ankunftszeiten mehrfach ändern und lange unklar bleibt, ob Anschlüsse noch erreicht werden.
KI-Assistentin „Kiana“ und neue App geplant
Neu ist auch eine digitale KI-Assistentin namens „Kiana“, die auf der Bahn-Website und im DB Navigator eingebunden werden soll. Reisende sollen dort individuelle Auskünfte zu ihrer Fahrt erhalten und sich passende Verbindungen heraussuchen lassen können.
Zusätzlich arbeitet die Bahn an einer weiteren Anwendung: Unter der Marke „DB Info“ soll ab Dezember eine neue App starten, die Echtzeitinformationen zu individuellen Reiseketten liefert.
Frühere Pakete zu Sauberkeit, Sicherheit und Komfort bleiben bestehen
Zuvor hatte die Bahn bereits zwei weitere Programme vorgestellt. Eines soll Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen erhöhen, unter anderem mit mehr Sicherheitskräften und zusätzlicher Reinigung. Zudem will der Konzern deutlich mehr Stationen einem Frühjahrsputz unterziehen – rund 1.400 Bahnhöfe statt zuletzt 700.
Ein weiteres Paket betrifft den Komfort im Fernverkehr. Dafür will die Bahn pro Jahr 20 Millionen Euro zusätzlich ausgeben. Unter anderem soll das Angebot in Bordrestaurants verlässlicher werden. Auch Toiletten und Kaffeemaschinen sollen häufiger funktionieren. Zudem ist geplant, das Reinigungspersonal in den Zügen zu verdoppeln.
An der Pünktlichkeit ändert das kurzfristig wenig
An der eigentlichen Zuverlässigkeit des Zugverkehrs ändert das neue Informationsprogramm allerdings zunächst nichts. Palla hatte bereits klargemacht, dass es noch mehrere Jahre dauern dürfte, bis der Betrieb wieder spürbar stabiler läuft.
Das zeigt sich auch an aktuellen Problemen bei den langfristig angelegten Sanierungen. Die seit Februar gesperrte Strecke Nürnberg–Regensburg wird nicht wie vorgesehen an diesem Freitag wieder freigegeben, sondern erst am 31. Juli. Grund sind Verzögerungen bei der Sicherheitsüberprüfung der Stellwerkstechnik. Bereits bei der Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin hatte es zuvor eine mehrwöchige Verzögerung bei der Wiederinbetriebnahme gegeben.
Palla will Generalsanierungen überprüfen
Vor diesem Hintergrund kündigte Palla an, das Konzept der sogenannten Generalsanierungen noch einmal umfassend prüfen zu lassen. Dabei soll nach ihren Worten die Art und Weise der Planung, Umsetzung und Inbetriebnahme der Korridorsanierungen auf den Prüfstand kommen.
Die Bahn will bis Mitte der 2030er Jahre rund 40 besonders wichtige Strecken grundlegend sanieren, um den Verkehr langfristig pünktlicher und zuverlässiger zu machen. Die monatelangen Vollsperrungen bedeuten jedoch erhebliche Belastungen für Fahrgäste und den Güterverkehr. Verkehrsminister Schnieder will das Grundkonzept zwar nicht infrage stellen, kündigte aber eine genaue Prüfung von Kosten und Zeitabläufen nach jeder Sanierung an. Entscheidend sei, das Modell so weiterzuentwickeln, dass die Belastungen für alle Beteiligten erträglich bleiben.
Trotz der Kritik hält die Bahn an dem Ziel fest, mit den Sanierungen die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern. Auf bereits erneuerten Strecken habe sich der Zustand deutlich verbessert. Für Fahrgäste soll nun zumindest eines schneller spürbar werden: bessere und konsistentere Informationen während der Reise.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber