Extreme Hitze setzt Tour-Fahrer unter Druck
Die anhaltende Hitzewelle im Süden Frankreichs bringt die Profis bei der 113. Tour de France spürbar an ihre Belastungsgrenze. Gleichzeitig wird intensiver darüber diskutiert, welche Folgen die hohen Temperaturen für den Körper haben und ob Anpassungen im Rennbetrieb nötig sind.
Nico Denz, Teamkollege von Vorjahres-Drittem Florian Lipowitz, beschrieb die Lage nach der vierten Etappe nach Foix mit deutlichen Worten. Zwar sagte er mit einem Lächeln, „gesund ist anders“, machte aber zugleich klar, wie hart die Bedingungen seien: „Es ist echt brutal.“
Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke
Seit dem Start der Rundfahrt am Samstag in Barcelona begleitet die Fahrer heißes, sonniges Wetter. Die Etappe am Dienstag stellte jedoch einen bisherigen Höhepunkt dar: Das Thermometer kletterte auf über 40 Grad, auf dem Asphalt dürfte es sogar noch heißer gewesen sein. Auch für Mittwoch rund um Pau werden erneut deutlich mehr als 30 Grad erwartet.
Nils Politt äußerte sich nach dem Rennen ebenfalls besorgt. Im Gespräch mit der ARD sagte er, er wisse nicht, ob diese Belastung noch gut für den Körper sei. Nun brauche er erst einmal eine kalte Dusche.
Eis, Wasser und Kühlwesten als Schutz
Um eine Überhitzung zu verhindern, greifen die Teams zu zahlreichen Maßnahmen. Die Fahrer setzen auf große Flüssigkeitsmengen, Kühlwesten, Eiswürfel im Nacken und Eisbäder nach den Etappen. Denz hob besonders die Arbeit der Helfer hervor. Er wisse nicht, wie viele Tausend Flaschen im Team bereits aufgefüllt worden seien. Entscheidend sei gewesen, einen kühlen Kopf zu bewahren und ständig Eis sowie Wasser zu bekommen.

Auch der Weltverband UCI reagierte. Ausnahmsweise dürfen in den eigentlich nur für Trinkflaschen vorgesehenen Zonen diesmal auch komplette Verpflegungsbeutel an die Fahrer ausgegeben werden.
Diskussion über Änderungen am Ablauf
Angesichts der extremen Bedingungen wird über mögliche Anpassungen nachgedacht. Im Raum stehen etwa kürzere Etappen oder ein früherer Start am Tag. Vor allem Letzteres gilt allerdings wegen organisatorischer Fragen und der TV-Übertragungen als schwierig.
Der Österreicher Marco Haller bezeichnete die Situation im ZDF als „grenzwertig“. Seiner Meinung nach müsse man sich zusammensetzen und eine konstruktive Lösung erarbeiten. Zugleich verwies er darauf, dass der Radsport anders funktioniere als Fußball, wo es bei Hitze feste Trinkpausen geben könne. Bei der laufenden Fußball-WM werden in beiden Halbzeiten beispielsweise Hydration Breaks eingelegt.
Teamchef Denk mahnt zur Gesamtsicht
Etwas zurückhaltender äußerte sich Ralph Denk, Teamchef von Denz und Lipowitz. Er betonte, Hitze gehöre bei der Tour de France grundsätzlich dazu, und jeder wisse, worauf er sich einlasse. Für Diskussionen sei er offen, allerdings müsse man das Thema umfassend betrachten. Spontane Entscheidungen direkt während der Rundfahrt hält er für den falschen Weg. In der Verantwortung seien dabei auch der Veranstalter und der Weltverband.
Für Denz selbst war nach der Etappe ohnehin vor allem eines wichtig: die schnellstmögliche Abkühlung. Auf die Frage, worauf er sich jetzt am meisten freue, hatte er eine klare Antwort: auf das Eisbad hinter dem Mannschaftsbus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber