Wegen einer erneuten Quallenplage sind im französischen Kernkraftwerk Gravelines abermals Reaktoren vom Netz genommen worden. Nach Angaben des Betreibers EDF wurden seit der vergangenen Nacht mehr als 200 Tonnen Quallen festgestellt. Aus Vorsorge seien zwei der insgesamt sechs Reaktorblöcke vollständig abgeschaltet worden, damit die Sicherheit der Anlage in keiner Weise beeinträchtigt werde.
Die Tiere sammeln sich laut EDF im Bereich der Filtersysteme der Meerwasser-Pumpstation. Damit läuft derzeit kein einziger Block im regulären Betrieb: Zwei weitere Reaktoren erzeugen wegen der Quallen nur mit verringerter Leistung Strom. Die übrigen zwei Blöcke sind ebenfalls außer Betrieb, unter anderem wegen Wartungsarbeiten.
Schon Mitte dieses Monats sowie im August vergangenen Jahres hatte das massenhafte Auftreten der Quallen den Betrieb des Kraftwerks gestört. EDF teilte mit, in Gravelines seien inzwischen Systeme zur Überwachung und frühzeitigen Erkennung solcher Ansammlungen installiert worden. Unterstützung komme dabei auch von der Organisation France Pêche Durable. Demnach sind sieben Boote rund um die Uhr in der Umgebung des Kraftwerks im Einsatz, um Quallen einzusammeln und weiter draußen wieder im Meer freizusetzen.
Ursachen weiterhin offen
Warum es zu dem Phänomen kommt, ist nach Angaben von EDF bislang unklar. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern wolle man die Hintergründe nun genauer untersuchen. Auswirkungen auf die Stromversorgung gebe es durch den Vorfall jedoch nicht, betonte das Unternehmen.
Gravelines zählt zu den knapp 20 Atomkraftwerken in Frankreich. Die Anlage liegt an der Nordküste des Landes zwischen Calais und Dünkirchen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber