Mecklenburg-Vorpommern

Mega-Rechenzentrum für 5,6 Milliarden bei Rostock

Mega-Investment im Norden: Die Schwarz-Gruppe plant bei Rostock ein 5,6-Milliarden-Rechenzentrum.

27.08.2026, 09:41 Uhr

Schwarz-Gruppe plant 5,6-Milliarden-Euro-Rechenzentrum bei Rostock – Ausbau auf bis zu ein Gigawatt möglich

Die Schwarz-Gruppe mit ihren Handelsketten Lidl und Kaufland will bis 2033 rund 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Geplant ist ein Datacenter mit einer Kapazität von 240 Megawatt.

Wir wollen, dass digitale Souveränität, digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa stattfindet“, sagte Konzernchef Gerd Chrzanowski bei der Vorstellung des Projekts in Schwerin. In Brandenburg baut die Schwarz-Gruppe bereits ein ähnlich großes Rechenzentrum, dort liegt das Investitionsvolumen bei elf Milliarden Euro.

Chrzanowski betonte zudem, dass in Mecklenburg-Vorpommern langfristig ebenfalls ein zweistelliger Milliardenbetrag an Investitionen möglich sei. Grund ist eine mögliche zweite Ausbaustufe: Bis 2045 könnte der Standort laut Unternehmen auf eine Anschlussleistung von bis zu einem Gigawatt wachsen. Nach Angaben von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will das Land das Vorhaben mit bis zu 120 Millionen Euro fördern.

Investor aus Baden-Württemberg

Die Unternehmensgruppe mit Sitz bei Heilbronn in Baden-Württemberg ist mit weltweit mehr als 600.000 Beschäftigten vor allem als Handelskonzern bekannt. Seit Jahren treibt Schwarz aber auch das IT-Geschäft über die Sparte Schwarz Digits voran. Diese bietet unter anderem Cloud-Dienste und Cybersicherheitslösungen an.

Im Ende Februar abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielte Schwarz Digits einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wachstumstreiber war vor allem die steigende Nachfrage nach Cloud-Lösungen. Schwarz Digits ist eine von fünf Sparten der Gruppe. Der Gesamtumsatz der Schwarz-Gruppe lag zuletzt bei 185,6 Milliarden Euro, den größten Anteil daran haben weiterhin Lidl und Kaufland. Sowohl die Gruppe als auch Schwarz Digits haben ihren Sitz im Raum Heilbronn.

Schwarz will europäische Cloud-Alternative ausbauen

Mit dem Ausbau eigener Rechenzentrumsstrukturen will sich das Unternehmen als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure positionieren.

Digitale Souveränität bedeutet dabei, dass Unternehmen und Staaten selbst bestimmen können, wo ihre Daten gespeichert werden und wer darauf zugreifen darf – unabhängig von großen US-amerikanischen oder chinesischen Technologiekonzernen.

Zunächst für den Eigenbedarf

Nach Unternehmensangaben sollen die Kapazitäten in Dummerstorf zunächst vor allem für den Eigenbedarf der Schwarz-Gruppe genutzt werden, etwa für Liefer- und Bestellprozesse, Zahlungsvorgänge und Kundenbindungsprogramme. Zugleich soll der Standort die Weiterentwicklung und Skalierung souveräner IT-Lösungen unterstützen.

Rechenzentren als Rückgrat des Datenverkehrs

Rechenzentren gelten als zentrale Infrastruktur der Digitalisierung. In ihnen werden Daten gespeichert, verarbeitet und verteilt – für Unternehmen ebenso wie für Alltagsanwendungen. Ob E-Mails, Streaming oder mobile Dienste: Der Datenverkehr läuft über solche Anlagen.

Windkraft und Klima sprechen für den Standort

Als wichtigen Grund für die Standortwahl nennt Schwarz die hohe Verfügbarkeit nachhaltig erzeugten Stroms, unter anderem aus Onshore- und Offshore-Windkraft. Mecklenburg-Vorpommern deckt bereits heute mehr als die Hälfte seines Stromverbrauchs aus Windenergie und produziert rechnerisch sogar deutlich mehr Windstrom, als im Land selbst verbraucht wird.

Hinzu kommt, dass Dummerstorf an das Höchstspannungsnetz angebunden ist. Dadurch kann der Strom vergleichsweise effizient zur Anlage transportiert werden. Auch das vergleichsweise kühle Klima gilt als Vorteil, weil Serveranlagen zuverlässig vor Überhitzung geschützt und entsprechend effizient gekühlt werden müssen.

Der Bau großer Rechenzentren ist allerdings nicht unumstritten. In den USA gibt es etwa Debatten über Lärm sowie den hohen Strom- und Wasserverbrauch solcher Anlagen, insbesondere im Zusammenhang mit großen KI-Anwendungen.

Abwärme soll Rostock nutzen können

Vorgesehen ist außerdem, die entstehende Abwärme für die Wärmeversorgung der Hansestadt Rostock zu nutzen. Dazu wurde mit den Stadtwerken eine Absichtserklärung unterzeichnet. Eine ähnliche Vereinbarung gibt es bereits am Schwarz-Standort im brandenburgischen Lübbenau.

Tausende Jobs in der Bauphase, 120 Stellen im Betrieb

Mit dem Projekt sind nach Unternehmensangaben Tausende Arbeitsplätze während der Bauphase verbunden. Im laufenden Betrieb sollen zudem rund 120 hochqualifizierte Stellen entstehen. Darüber hinaus könnten auch regionale Firmen aus Bereichen wie Wartung, Instandhaltung und Dienstleistungen profitieren. Nach Angaben von Chrzanowski sollen dabei bewusst auch Handwerksbetriebe aus der Region zum Zuge kommen.

Signalwirkung auch im Landtagswahlkampf

Ob die Ankündigung der Milliardeninvestition auch der Landesregierung politisch Rückenwind gibt, bleibt abzuwarten. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verweist im Vorfeld der Landtagswahl immer wieder auf die Vorteile günstiger grüner Energie. Sie betont, dass Strom im Land für rund fünf Cent pro Kilowattstunde produziert werden könne.

Zugleich fordert sie, dass niedrigere Energiekosten stärker bei Unternehmen und Verbrauchern ankommen und Kommunen sowie Bürger vor Ort stärker an den Erträgen aus Windkraft beteiligt werden. Bei der Vorstellung des Projekts sagte Schwesig, Mecklenburg-Vorpommern müsse erneuerbare Energien und Digitalisierung enger zusammenbringen.

Nach ihrer Darstellung ist nicht der Mangel an erneuerbarer Energie das Hauptproblem, sondern der fehlende Ausbau der Stromnetze im Süden Deutschlands. Dadurch müssten Windkraftanlagen im Norden immer wieder abgeschaltet werden. Das neue Rechenzentrum könne hier für eine hohe Grundlast sorgen – und damit möglicherweise auch dämpfend auf den Strompreis wirken.

Das Rechenzentrum dürfte damit als Beleg gelten, dass mit Hilfe der Windkraft neue Industrien nach Mecklenburg-Vorpommern geholt werden können. Gleichzeitig gibt es bei Teilen der Bevölkerung weiterhin Vorbehalte – sowohl gegenüber dem Ausbau der Windenergie als auch gegenüber Künstlicher Intelligenz und der fortschreitenden Digitalisierung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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