Im globalen Rennen um die Führungsrolle bei Künstlicher Intelligenz könnte sich ein milliardenschwerer Deal anbahnen: Der US-Chipkonzern Nvidia spricht offenbar über eine Übernahme der KI-Plattform Hugging Face. Nach Informationen von Business Insider, die sich auf eine mit dem Vorgang vertraute Person stützen, liegt die diskutierte Bewertung bei über 13 Milliarden US-Dollar, also rund 11,7 Milliarden Euro.
Eine verbindliche Vereinbarung gibt es demnach noch nicht, und die Gespräche könnten auch ohne Abschluss enden. Schon die Größenordnung zeigt jedoch, wie offensiv Nvidia seinen Einfluss im KI-Markt ausbauen will. Auf entsprechende Anfragen äußerten sich weder Nvidia noch Hugging Face.
Hugging Face als Schlüsselplattform für KI
Hugging Face mit Sitz in New York gilt als eine der wichtigsten Anlaufstellen für offene KI-Entwicklung weltweit. Das 2016 von den französischen Gründern Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf ins Leben gerufene Unternehmen beherbergt inzwischen Millionen von KI-Modellen, Datensätzen und Software-Bibliotheken. Für Entwickler und Forscher ist die Plattform zu einer zentralen Infrastruktur geworden, um Anwendungen rund um künstliche Intelligenz zu bauen, auszutauschen und weiterzuentwickeln.
Nvidia ist dort bereits investiert: 2023 beteiligte sich der Konzern an einer Finanzierungsrunde über 235 Millionen Dollar, die Hugging Face damals mit 4,5 Milliarden Dollar bewertete. Gegen Ende des vergangenen Jahres soll Hugging Face zudem ein weiteres Nvidia-Angebot in Höhe von 500 Millionen Dollar ausgeschlagen haben. Hintergrund war laut Bericht die Sorge, ein zu mächtiger Einzelinvestor könne strategischen Einfluss gewinnen. Auch Microsoft soll zwischenzeitlich Gespräche mit dem Unternehmen geführt haben, diese liegen Insidern zufolge aktuell aber auf Eis.
Nvidia hätte die Mittel für den Deal
Für Nvidia-Chef Jensen Huang wäre ein Kauf ein weiterer Schritt, um das eigene KI-Ökosystem enger zu verzahnen. Wer die Plattform kontrolliert, auf der Modelle, Datensätze und Werkzeuge gebündelt werden, kann erheblichen Einfluss auf die Entwicklergemeinschaft ausüben und Rechenlasten stärker auf die eigene Hardware lenken.
An finanziellen Mitteln dürfte ein solcher Zukauf kaum scheitern. Nvidia profitiert massiv vom KI-Boom und verfügt über hohe liquide Reserven. Erst am Mittwoch teilte das Unternehmen mit, im laufenden Geschäftsjahr weitere 18 Milliarden Dollar für Beteiligungen einzuplanen. Hinzu kommen bereits bestehende Investments in nicht börsennotierte Firmen im Umfang von 47,9 Milliarden Dollar.
Debatte um Unabhängigkeit und Wettbewerb
In der Tech-Branche dürfte eine vollständige Übernahme allerdings kritisch gesehen werden. Denn zu den größten Stärken von Hugging Face zählt bisher seine Neutralität gegenüber Hardware-Anbietern. Auf der Plattform werden nicht nur Nvidia-Technologien unterstützt, sondern auch Lösungen von Wettbewerbern wie AMD und Intel.
Sollte ausgerechnet der dominierende Anbieter von KI-Beschleunigern die zentrale Entwicklungsplattform übernehmen, könnten nach Einschätzung von Marktbeobachtern Interessenkonflikte entstehen. Zudem wächst die Sorge, dass die offene KI-Forschung dadurch stärker von einem einzelnen Konzern abhängig werden könnte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber