Die Bundesregierung greift in das Ringen um die Commerzbank ein und sucht das direkte Gespräch mit der italienischen Unicredit. Nach Informationen aus Regierungskreisen hat Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) Unicredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September ins Finanzministerium eingeladen. Ziel des Treffens ist es demnach, die Haltung der Bundesregierung zu erläutern und einen Austausch zu führen. Parallel dazu sollen die beiden Banken ihre Gespräche über das weitere Vorgehen eigenständig fortsetzen.
Die Einladung gilt als deutliche Veränderung im Ton der Bundesregierung. Noch im Juli hatte Berlin das Vorgehen der Unicredit scharf kritisiert und als aggressiv, feindlich und nicht hinnehmbar bezeichnet.
Bundesregierung pocht auf deutsche Interessen
Unicredit ist bereits vor rund zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen und bemüht sich seit längerem um eine vollständige Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns. Nach bisherigen Angaben hat sich das Institut inzwischen Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert.
Der Bund hält selbst noch etwas mehr als 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit ihr zweitgrößter Anteilseigner. Diese Beteiligung stammt aus der Finanzkrise, als der Staat die Bank mit Milliarden aus Steuergeldern stützte. Deshalb hat die Bundesregierung bei möglichen weiteren Schritten erheblichen Einfluss.
In Berlin wurde mehrfach betont, dass die Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands von großer Bedeutung sei. Zugleich spiele sie als wichtiger Arbeitgeber eine zentrale Rolle für den Finanzplatz Frankfurt. Diese Funktionen müssten auch in Zukunft gesichert bleiben. Die Bundesregierung wolle daher weiter im Interesse des Mittelstands, des Standorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln.

Bleibt der Staat an der Commerzbank beteiligt?
Bislang hatte der Bund einen Verkauf seines Anteils an der Commerzbank ausgeschlossen. Zuletzt wurde jedoch darüber spekuliert, dass die Regierung zu einem Ausstieg bereit sein könnte, falls sich Commerzbank und Unicredit auf eine gemeinsame Linie verständigen.
Unicredit-Chef Orcel verspricht sich von einer Übernahme erhebliche Einsparungen in Milliardenhöhe. Nach seinen Plänen könnten Tausende Stellen wegfallen, zudem würde das internationale Netzwerk der Commerzbank verkleinert. Arbeitnehmervertreter warnen deshalb vor massiven Einschnitten.
Auch Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, dass der Staat vorerst investiert bleibt. Gerade in der aktuellen Lage sei es sinnvoll, dass der Bund als Aktionär an Bord bleibe, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber