Pogacar spricht offen über schwere Zeit nach Vuelta-Sturz
Knapp zwei Monate nach seinem heftigen Unfall bei der Spanien-Rundfahrt hat Tadej Pogacar sehr persönliche Einblicke in die Zeit danach gegeben. Der slowenische Topfahrer berichtete von starken körperlichen Beschwerden, psychischen Tiefpunkten und großer Unsicherheit mit Blick auf seine Zukunft.
Im Gespräch mit The Athletic sagte der 28-Jährige, die ersten beiden Wochen seien mental besonders hart gewesen. Er sei völlig niedergeschlagen und regelrecht depressiv gewesen. In dieser Phase habe er sich kaum wie er selbst gefühlt.
Auch im Alltag war Pogacar stark eingeschränkt. Selbst einfache Dinge seien ohne Hilfe kaum möglich gewesen. Beim Duschen habe er Unterstützung gebraucht, und schon beim Aufstehen oder wenn er den Kopf senkte, sei ihm schwindelig geworden. Die gesamte Situation sei für ihn äußerst belastend gewesen.
Weitere Verletzungen erst später erkannt
Pogacar hatte im Sommer zum fünften Mal die Tour de France gewonnen. Bei der anschließenden Vuelta, die er bislang noch nicht für sich entscheiden konnte, kam es dann zum schweren Sturz. Zunächst war von einem Bruch des linken Schlüsselbeins und einer Gehirnerschütterung die Rede.
Erst einige Wochen später zeigte sich jedoch, wie gravierend die Folgen tatsächlich waren. Bei einer weiteren CT-Untersuchung in Slowenien wurde neben der bereits bekannten Fraktur des siebten Halswirbels festgestellt, dass noch zwei weitere Wirbel gebrochen waren. Pogacar sagte, er sei vor allem dankbar, überhaupt noch am Leben zu sein und stehen zu können.
Erholung macht Fortschritte
Inzwischen gehe es ihm deutlich besser. Nach eigenen Angaben ist er beschwerdefrei und hält sich mit Radfahren, Laufen und Schwimmen fit. Dennoch müsse er weiterhin vorsichtig sein, vor allem beim Tragen oder Heben schwerer Gegenstände.
Je mehr er über seine Verletzungen erfahren habe, desto bewusster sei ihm geworden, wie ernst die Lage war. Rückblickend sei der Gedanke daran durchaus beängstigend.
Kritik an der Sicherheit im Radsport
Zugleich nutzte Pogacar die Gelegenheit, um die Sicherheitsstandards im Profiradsport zu kritisieren. Aus seiner Sicht häufen sich schwere Unfälle, weshalb die Veranstalter stärker gefordert seien. Vor allem im Zielbereich müssten gefährliche Streckenabschnitte und Hindernisse konsequenter vermieden werden.
Pogacar forderte insbesondere bessere Fahrbahnbeläge und weniger riskante Passagen auf den letzten 500 Metern. Schlaglöcher, Bremsschwellen, enge Kurven und Kreisverkehre hätten dort aus seiner Sicht nichts zu suchen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber