Lucas Krzikalla: Coming-out brachte auch seinem Umfeld Erleichterung
Das öffentliche Coming-out des früheren Bundesliga-Handballers Lucas Krzikalla hat nach seinen Worten nicht nur ihn selbst entlastet, sondern auch das Leben seiner Familie spürbar verändert. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung sagte der 32-Jährige, für seine Angehörigen sei vieles einfacher geworden, weil das ständige Ausweichen bei privaten Fragen endlich ein Ende habe.
Zuvor hätten Verwandte auf Nachfragen zu Freundin, Hochzeit oder Kindern oft nur umständlich reagieren können. Seitdem offen mit seiner Homosexualität umgegangen werde, sei dieses Versteckspiel vorbei, so Krzikalla.
Öffentliche Bekanntmachung im Jahr 2022
Der ehemalige Spieler des SC DHfK Leipzig hatte sich im Herbst 2022 öffentlich geoutet. Innerhalb seines privaten Umfelds und auch in seiner damaligen Mannschaft war seine sexuelle Orientierung nach eigener Aussage schon zuvor bekannt. Dennoch habe man das Thema lange nicht nach außen getragen.
Mittlerweile spielt Krzikalla in der Regionalliga für die Münchner Panther. Wie normal seine Beziehung heute im sportlichen Umfeld wahrgenommen wird, zeige sich auch im Alltag der Mannschaft: Sein Partner sei sogar in den Chat der Spielerfrauen aufgenommen worden, berichtete er.
Kaum Anfeindungen, aber ein Drohbrief
Nach seinem Coming-out habe es nur wenige offene Anfeindungen gegeben. Weder von der Tribüne noch direkt in der Halle sei etwas gekommen, sagte der Rechtsaußen. Reaktionen habe es vor allem in sozialen Netzwerken gegeben. Besonders erschreckend sei jedoch ein Drohbrief gewesen, der an die Geschäftsstelle geschickt wurde. Darin sei ihm geschrieben worden, er gehöre in ein „Umerziehungslager“ und solle dort sterben.
„Es war eine Befreiung“
Trotz solcher Vorfälle blickt Krzikalla positiv auf seine Entscheidung zurück. Das Verbergen seiner Identität sei über lange Zeit eine psychische Belastung gewesen. Im Rückblick bezeichnet er sein Coming-out als befreiend und sagt, er würde denselben Schritt wieder gehen.
Zugleich erklärte der Handballer, dass er weitere homosexuelle Profis im Handball kenne. Er wolle jedoch niemanden dazu drängen, sich ebenfalls öffentlich zu äußern. Diese Entscheidung müsse jeder Sportler selbst treffen. Einige Kollegen hätten ihm geschrieben, dass sie lange daran gezweifelt hätten, ob sich Profisport und ein Leben im Verborgenen überhaupt miteinander vereinbaren lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber