Allgemein

Spaniens Zugunglück: Was man über die Opfer weiß

Nur wenige Opfer identifiziert, Familien bangen – und nun wächst die brisante Frage: Hätte die Zugkatastrophe verhindert werden können?

31.10.2026, 14:33 Uhr

Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist bislang erst etwas mehr als die Hälfte der Todesopfer identifiziert worden. Nach Angaben der Behörden in der Region Kastilien-La Mancha wurden alle 69 geborgenen Leichen im rechtsmedizinischen Institut der Provinzhauptstadt Toledo südlich von Madrid obduziert. In 36 Fällen sei die Identität inzwischen zweifelsfrei festgestellt worden. Die Angehörigen von 27 Opfern seien bereits informiert.

Die Behörden riefen Familien von Vermissten dazu auf, DNA-Proben bereitzustellen, um die Identifizierung zu beschleunigen. In einem Betreuungszentrum in Toledo warteten unterdessen noch rund 50 Verwandte und Freunde auf Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen. Dort werden sie laut Medienberichten, darunter El País, von knapp 30 Psychologen betreut.

Beim Unglück am Mittwoch waren nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo, etwa 130 Kilometer südlich von Madrid, zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr dabei von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo auf. Die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beiden Richtungen weiterhin gesperrt.

Zustand vieler Verletzter verbessert sich

Von den rund 200 Verletzten werden derzeit noch 34 Menschen in vier Krankenhäusern versorgt, 15 davon auf Intensivstationen. Der Gesundheitszustand entwickle sich "relativ gut", sagte der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page. Ob sich unter den Toten oder Verletzten auch Deutsche befinden, ist weiterhin nicht bekannt.

Nach dem Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Es war der zweite schwere Bahnunfall in Spanien innerhalb von nur neun Monaten. (Archivbild) Quelle: Bernat Armangue/AP/dpa

Im Fokus der Ermittlungen stehen der Ausfall des Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehler in der Bahnleitstelle in Madrid. Medien veröffentlichten Funkmitschnitte deuten darauf hin, dass der Lokführer des Renfe-Zuges von einem Mitarbeiter der Leitstelle angewiesen worden sein könnte, den regulären Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das LZB-System noch nicht funktionierte und sich der andere Zug weiterhin auf der Strecke befand.

Regierung gerät stärker unter Druck

Verkehrsminister Óscar Puente wies Vorwürfe zurück, das spanische Bahnsystem sei unsicher, und schloss einen von Oppositionsparteien geforderten Rücktritt aus. Am Dienstag soll er sich vor einem Parlamentsausschuss zu dem Vorfall äußern. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte zusätzliche Investitionen an, um die Sicherheit im Bahnnetz weiter zu erhöhen. Die Regierung werde nicht nur die Hintergründe des Unglücks untersuchen, sondern auch Maßnahmen präsentieren, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt.

Das Unglück ist bereits der zweite schwere Bahnunfall in Spanien innerhalb von nur neun Monaten. Im Januar waren bei einem Zusammenstoß zweier Züge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen. Die erneute Katastrophe trifft die linksgerichtete Regierung zu einem politisch heiklen Zeitpunkt: Am 29. November stehen vorgezogene Parlamentswahlen an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen