Johannes Liebmann schwimmt mit Europarekord zu historischem EM-Gold
Johannes Liebmann hat bei den Europameisterschaften in Paris deutsche Schwimmgeschichte geschrieben. Der 19-Jährige sicherte sich als erster deutscher Europameister über 800 Meter Freistil den Titel – und stellte dabei in 7:37,59 Minuten auch noch einen neuen Europarekord auf.
Dass sein Erfolg ein besonderer war, schien Liebmann direkt nach dem Rennen selbst kaum zu beschäftigen. Trotz Goldmedaille zeigte er sich gewohnt kritisch. Er sehe bei sich weiterhin viele Fehler, sagte der junge Freistilspezialist nach seinem bislang größten Triumph.
Konkurrenz chancenlos, Schwarz lobt den Sieger
Im Finale ließ Liebmann der Konkurrenz keine echte Möglichkeit. Mit viel Tempo und erstaunlicher Ruhe setzte er sich klar durch. Hinter ihm schlug Sven Schwarz aus Hannover als Zweiter an und gewann Silber. Auch Olympiasieger Daniel Wiffen musste sich geschlagen geben.
Schwarz fand nach dem Rennen deutliche Worte für die Leistung seines Teamkollegen. Liebmann sei an diesem Tag schlicht nicht zu schlagen gewesen und insgesamt einfach zu stark gewesen, sagte der Vizeweltmeister.
Mit seinem EM-Titel bestätigte Liebmann seinen rasanten Aufstieg. Bereits im April hatte er mit seinem Europarekord über 800 Meter ein Ausrufezeichen gesetzt. In Paris verbesserte er diese Marke nun noch einmal und gilt auf dieser Strecke endgültig als neuer Maßstab.
Liebmann überrascht von seiner eigenen Ruhe
Sein Leistungssprung ist eng mit dem Wechsel nach Magdeburg verbunden. Mit 16 Jahren ging Liebmann aus Elmshorn zum Team von Bundestrainer Bernd Berkhahn, der bereits Stars wie Florian Wellbrock und Lukas Märtens zu Olympiasiegern entwickelt hat. Auch Isabel Gose und Oliver Klemet trainieren dort.
Liebmann betont immer wieder, wie sehr ihm die Arbeit in dieser Trainingsgruppe hilft. Seine Kollegen schätzen vor allem seine abgeklärte Art. Genau diese Gelassenheit zeigte er auch vor dem bislang wichtigsten Rennen seiner Karriere. Nach eigenen Angaben war er vor dem Finale ungewöhnlich ruhig – so ruhig, dass ihn das selbst überrascht habe.
Über 1500 Meter ebenfalls Mitfavorit
Nach dem Gold-Coup zählt Liebmann auch über 1500 Meter zu den heißesten Kandidaten auf den Titel. Auf der längsten Beckendistanz war in diesem Jahr bislang niemand schneller als der Magdeburger. In der Weltjahresbestenliste führt er vor Sven Schwarz und Oliver Klemet.
Damit gibt das deutsche Team auf den langen Freistilstrecken derzeit klar den Takt vor. Schwarz sprach nach Gold und Silber über 800 Meter sogar von einer erfüllten Pflichtaufgabe – ein Satz, der das gewachsene Selbstvertrauen im deutschen Lager unterstreicht.
Deutsches Luxusproblem vor den Vorläufen
Schon in den Vorläufen über 1500 Meter wartet nun die nächste spannende Konstellation. Liebmann, Schwarz und Klemet gelten allesamt als Medaillenkandidaten. Doch selbst wenn alle drei zu den Schnellsten gehören, dürfen nur zwei deutsche Schwimmer ins Finale einziehen, da pro Nation lediglich zwei Startplätze erlaubt sind.
Was für die Athleten zusätzlichen Druck bedeutet, ist für den deutschen Schwimmsport gleichzeitig ein starkes Signal. Die interne Konkurrenz hebt das Niveau – und Johannes Liebmann dürfte dabei in den kommenden Jahren eine Hauptrolle spielen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber