Mihambo vor EM in Birmingham zwischen Zuversicht und Ansporn
Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo reist mit gemischten Gefühlen zu den Europameisterschaften nach Birmingham. Die 32-Jährige hat in dieser Saison bereits die Sieben-Meter-Marke übertroffen, musste sich bei den deutschen Meisterschaften jedoch überraschend mit Platz zwei und 6,63 Metern begnügen.
Gerade dieses Ergebnis könne aber zusätzliche Motivation freisetzen, sagte die Athletin von der LG Kurpfalz. Nach einem Wettkampf, der nicht ganz nach Wunsch verlaufe, bleibe oft ein innerer Antrieb zurück. In ihrer Karriere habe sie mehrfach erlebt, dass auf eine durchwachsene Generalprobe beim Saisonhöhepunkt besonders starke Leistungen folgten – auch wenn das keine Garantie sei.
Der Sieg beim Diamond-League-Meeting in London mit 7,05 Metern habe ihr gezeigt, dass Tempo und Leistungsniveau stimmen. Zugleich habe sie aus den nationalen Titelkämpfen wichtige Erkenntnisse mitgenommen. Mit Blick auf die EM wolle sie deshalb das Positive aus beiden Wettbewerben verbinden.
Wie weit es gehen kann, wenn bei einem Sprung alles perfekt zusammenpasst, sieht Mihambo selbst als eine der noch offenen Fragen ihrer Laufbahn. Sie sei sehr gespannt, welche Antwort ihre Karriere darauf noch geben werde.
Für die EM formuliert die zweimalige Weltmeisterin ihre Ziele bewusst zurückhaltend. Sie wolle ihr Maximum abrufen, einen guten Wettkampf zeigen und mit Demut an den Start gehen. Eine starke Form bedeute schließlich nicht automatisch eine Medaille. Ihr Anspruch sei zunächst eine außergewöhnliche Leistung – ob diese dann für Edelmetall reiche, werde sich zeigen.

Zehn Jahre nach ihrer ersten EM-Medaille blickt Mihambo zufrieden auf ihren bisherigen Weg zurück. Schon vor diesem ersten Podestplatz habe sie zur europäischen Spitze gezählt, erinnerte sie. Der Rückblick erfülle sie mit Freude, ebenso der Blick nach vorn, denn es lägen noch mehr als zwei Jahre vor ihr.
Ihr Karriereende hat Mihambo grundsätzlich bereits ins Auge gefasst: Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sollen nach ihren Vorstellungen den Abschluss bilden. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass sich dieser Plan ändern könnte, falls der Körper nicht mehr mitspielt, die Freude am Leistungssport verloren geht oder psychische und körperliche Belastungen zu groß werden.
Die Chance auf einen dritten EM-Titel reizt sie zwar, im Mittelpunkt steht für sie aber der Wettkampf selbst. Über Medaillen und Titel wolle sie erst sprechen, wenn es tatsächlich so weit sei.
Auch wenn sich der Stellenwert einer Europameisterschaft im Verlauf einer langen Karriere verändert habe, sei das Turnier für sie weiterhin etwas Besonderes und in dieser Saison der wichtigste Wettbewerb. Unabhängig davon wolle sie in jedem Wettkampf das Bestmögliche herausholen.
Im Vergleich zu früheren Jahren sieht Mihambo sich heute deutlich gereifter. Sie beschreibt sich als mental stärker, widerstandsfähiger, selbstbewusster und zufriedener. Über die Jahre habe sie gelernt, Ziele klarer zu verfolgen, stärker auf ihre innere Stimme zu hören und eigene Grenzen besser zu erkennen. Leistungssport betreibe sie inzwischen auf gesündere Weise als noch zu Beginn ihrer Karriere. Auch einschneidende familiäre Erfahrungen hätten sie geprägt.
Besonders freut sie sich darüber, dass Teamkollegin Mikaelle Assani nach ihrem Sieg bei den deutschen Meisterschaften ebenfalls bei der EM dabei ist. Mihambo verwies darauf, dass sie selbst nach Rückschlägen und Verletzungen erlebt habe, wie ein Comeback gelingen könne. Deshalb freue sie sich umso mehr, dass auch Assani nun ihren besonderen Moment erleben dürfe.
Für die Zeit nach ihrer sportlichen Laufbahn wünscht sich Mihambo vor allem, als Mensch in Erinnerung zu bleiben, der anderen ein Vorbild sein kann – jemand, der zeigt, wie man mit Herausforderungen umgeht und Menschen inspiriert.
Malaika Mihambo zählt als Olympiasiegerin, zweimalige Weltmeisterin und dreimalige "Sportlerin des Jahres" auch bei den Europameisterschaften in Birmingham wieder zu den deutschen Medaillenhoffnungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber