Leo Neugebauer hat am Schlusstag des Zehnkampfs bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham zunächst seine Spitzenposition gefestigt – und danach ein chaotisches Durcheinander im Stabhochsprung erlebt.
Über 110 Meter Hürden kam der 26-Jährige in 14,94 Sekunden ins Ziel, ehe er im Diskuswurf mit 54,31 Metern eine EM-Bestleistung aufstellte. Mit diesem starken Wurf machte der Weltmeister wieder deutlich Boden gut und baute seinen Vorsprung im Klassement aus.
Nach sieben von zehn Disziplinen lag Neugebauer bei 6.301 Punkten. Der überraschend zweitplatzierte Niederländer Jeff Tesselaar folgte mit 6.076 Zählern und damit mit mehr als 200 Punkten Rückstand. Auf Rang drei lag vor dem Stabhochsprung der Norweger Sander Skotheim mit 6.023 Punkten.
Peinliche Panne im Stabhochsprung
Im Stabhochsprung sorgte dann eine Kampfrichter-Panne für Aufregung. Mehrere Athleten, darunter auch der führende Neugebauer, überquerten bei großer Mittagshitze vermeintlich 4,80 Meter. Tatsächlich war die Latte aber noch auf 4,70 Meter eingestellt.
Bundestrainer Jörg Roos sprach im ZDF-Livestream von einer klaren Wettbewerbsverzerrung. Unter den schwierigen Bedingungen bei rund 35 Grad im Alexander Stadium sei der Fehler besonders schwerwiegend gewesen. Neugebauer sagte später, so etwas habe er noch nie erlebt.
Für Neugebauer hatte das direkte Folgen: Seine zunächst geglückte Höhe zählte nicht. Als die Latte danach korrekt auf 4,80 Meter gelegt wurde, schaffte der Olympia-Zweite in den regulären Versuchen keinen gültigen Sprung mehr. Ein Protest wurde laut Roos zunächst abgelehnt.
Anschließend erhielt Neugebauer jedoch noch einen weiteren Versuch. Diesen nutzte er, überquerte die 4,80 Meter und schaffte danach sogar 4,90 Meter im ersten Versuch. Danach wurde dem Protest doch noch stattgegeben. Trotz des Wirrwarrs blieb Neugebauer vorn – auch wenn er sich bei einem Sprung an der Wade verletzte. Nach der achten Disziplin führt er mit 7.181 Punkten.
Kaul in Medaillennähe
Niklas Kaul darf im Medaillenkampf weiter hoffen. Der frühere Europa- und Weltmeister lief die Hürden in 14,73 Sekunden und steigerte sich anschließend im Diskuswurf auf 48,88 Meter. Im Stabhochsprung war er von der Panne nicht betroffen, da er in der anderen Gruppe sprang, in der die Höhen korrekt eingestellt wurden.
Kaul überquerte ebenfalls 4,90 Meter und liegt mit 6.823 Punkten auf Rang vier. Damit bleibt für den EM-Champion von München vor vier Jahren ein Spitzenresultat in Reichweite.
Der dritte deutsche Starter, Amadeus Gräber, zeigte im Stabhochsprung sogar die beste Leistung des Feldes. Mit 5,10 Metern verbesserte er sich auf 6.707 Punkte und Rang sieben.
Der Stabhochsprung war die achte von zehn Disziplinen. Die endgültige Entscheidung fällt am Abend über 1.500 Meter um 22.10 Uhr deutscher Zeit.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber