Fußball

Woltemades WM-Knall: Wird New York zur letzten Chance?

Flipflops repariert, WM-Minuten: null. Bekommt Woltemade gegen Ecuador endlich seine Chance – oder platzt Nagelsmanns Versprechen?

24.06.2026, 09:15 Uhr

Nick Woltemade erlebt bei der WM bislang ein kurioses Turnier. Abseits des Platzes klappt manches erstaunlich gut: Seine beim Federball beschädigten Flipflops reparierte der groß gewachsene Angreifer kurzerhand selbst. Auch mit Kai Havertz lieferte er sich auf dem holprigen Rasen im DFB-Quartier ein launiges Duell inklusive kleiner Sticheleien über die Schlagkraft der eigenen Bälle.

Fehlt weiter der WM-Einsatz?

Sportlich jedoch wartet Woltemade noch auf seinen Moment. Weder beim deutlichen 7:1 gegen Curaçao noch beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste schenkte ihm Bundestrainer Julian Nagelsmann Einsatzminuten. Damit ist er der bekannteste Spieler unter den Feldakteuren im deutschen Kader, die bislang noch ohne Turniereinsatz geblieben sind.

Für den 24-Jährigen ist das eine enttäuschende Zwischenbilanz. Schließlich hatte er mit vier Toren in der Qualifikation maßgeblich dazu beigetragen, Deutschland überhaupt zur WM zu schießen. Nun stellt sich vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) die Frage, ob sich das noch ändert.

Rotation möglich, aber Woltemade kein Top-Kandidat

Da Deutschland als Gruppensieger feststeht, geht es tabellarisch um nichts mehr. Entsprechend wird viel über mögliche Wechsel in der Startelf spekuliert. Doch Woltemade gehört bislang nicht zu den ersten Namen, die dabei genannt werden. Dabei könnte Havertz nach anstrengenden Wochen mit Arsenal und dem Turnierstart eigentlich eine Pause gut gebrauchen.

Bei Deniz Undav, der schon drei Tore erzielt hat, geht es eher darum, ob er von Beginn an spielt oder erneut als Joker kommt. Bei Woltemade dagegen stellt sich grundsätzlich die Frage, welche Rolle er bei dieser WM überhaupt noch spielen soll. Das wirkt umso erstaunlicher, weil er als eine der spannendsten Personalien dieses Sommers gilt und in den vergangenen Monaten als bester deutscher Stürmer auf sich aufmerksam gemacht hatte.

WM 2026 - Deutschland Training
Im Gegensatz zu Amiri (r.) wartet Woltemade auf seinen WM-Moment. Quelle: Jan Woitas/dpa

Starke Konkurrenz im Angriff

Ein wichtiger Grund für seine Reservistenrolle ist die Rückkehr von Kai Havertz. Der hatte im vergangenen Jahr gefehlt, ist nun aber fit und in Topform nahezu gesetzt, sobald es ernst wird. Undav wiederum bringt aktuell das Momentum eines Torjägers von der Bank mit. Zudem gibt es auf der Zehnerposition, die Woltemade ebenfalls besetzen kann, mit Jamal Musiala einen weiteren Spieler, an dem derzeit kaum ein Weg vorbeiführt.

"Ich arbeite hart für meine Chance", sagte Woltemade dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Diese Haltung passt zu seinem Auftreten: Er gilt als positiv, mannschaftsdienlich und unkompliziert. Selbst wenn Havertz ihn wegen seines ungewöhnlichen Karrierewegs im Federball-Scherz aufzieht, reagiert Woltemade mit Humor.

Havertz stichelte: "Bruder, sehe ich aus wie ein Handballer oder wie ein Fußballer? Ich war nicht bis 15 noch Handballer, ich habe mit 15 schon Bundesliga gespielt." Woltemade nahm es mit einem breiten Lachen. Sein spezieller Werdegang gilt intern nicht als Makel.

Nagelsmanns Zuspruch ohne Folgen

Trotzdem läuft es für ihn derzeit nicht rund. In der ersten Jahreshälfte kam er bei Newcastle United lediglich auf ein Tor. Trainer Eddie Howe setzte ihn, wenn überhaupt, häufig eher in defensiveren Rollen ein. Nagelsmann hatte vor dem Turnier noch beruhigt und betont, dass man ihn als Team "definitiv hinbekommt". Woltemade solle sich "keinen Kopp" machen. Bisher blieb dieser Vertrauensbeweis allerdings ohne sichtbare Konsequenzen in Form von Spielzeit.

Sollte Woltemade auch gegen Ecuador erneut auf der Bank bleiben, würde sich die Frage nach seinem WM-Moment noch dringlicher stellen. Denn die Geschichte wäre eigentlich geschrieben: In New Jersey, mit der Skyline von New York auf der anderen Seite des Hudson River, könnte "Big Nick" endlich auch auf der großen Bühne ankommen – und nicht nur auf dem improvisierten Federballfeld im Teamquartier.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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