Fußball

Waden-Schock: Bayern im Pokalfinale ohne Neuer

Jetzt ist es fix: Neuer verpasst das Pokalfinale – warum Bayern kurz vor der WM kein Risiko mehr eingeht.

22.05.2026, 11:23 Uhr

Bayern muss im Endspiel auf Neuer verzichten

Der FC Bayern München geht ohne Kapitän Manuel Neuer in das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart. Der deutsche Meister teilte vor der Abreise nach Berlin mit, dass der 40 Jahre alte Torhüter wegen muskulärer Probleme in der linken Wade für das Endspiel am Samstagabend um 20.00 Uhr in der ARD und bei Sky ausfällt.

Damit fehlt Neuer ausgerechnet bei der angestrebten Double-Mission. Für den Weltmeister von 2014 ist es der nächste Rückschlag in einem Jahr mit wiederkehrenden Problemen am linken Unterschenkel. Bereits zweimal musste er 2026 wegen eines Muskelfaserrisses pausieren.

Kompany will die „eigene Geschichte“ schreiben

Vor dem Finale machte Bayern-Trainer Vincent Kompany deutlich, wie sehr ihn der Pokal reizt. Zwar wollte der Belgier die komplette Saisonbewertung nicht allein an diesem Spiel festmachen. Die einfache Rechnung, mit Pokalsieg sei die Saison gut und ohne Titel schlecht, greife ihm zu kurz. Dennoch stellte er unmissverständlich klar, wie groß sein Ehrgeiz ist: Bayern müsse nun noch einmal alles abrufen und die eigene Geschichte schreiben. Sein Ziel formulierte er knapp: gewinnen.

Eberl: WM-Teilnahme nicht in Gefahr

Sportvorstand Max Eberl bemühte sich in Berlin um Entwarnung. Neuer könne im Finale nicht spielen, seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft sei aber nicht gefährdet. Gemeinsam habe man entschieden, kein Risiko einzugehen, um eine schwerere Verletzung zu vermeiden. Schwer gefallen sei dem Torhüter der Verzicht trotzdem.

Auch mit Blick auf sein viel beachtetes Comeback in der Nationalmannschaft wollte Neuer nichts erzwingen. Kompany setzt deshalb im Olympiastadion auf einen voll belastbaren Torwart.

Urbig wieder im Tor

Im Bayern-Tor soll erneut Jonas Urbig stehen. Kompany stärkte dem Vertreter ausdrücklich den Rücken. Diese Rolle kenne Urbig, schließlich habe er sie in dieser Saison schon oft übernommen. Zugleich betonte der Trainer, dass der Druck vor dem Finale nicht allein auf den Schultern des jungen Keepers laste.

Kane warnt vor bitterem Saisonende

Trotz der souveränen Meisterschaft hängt die Bewertung der Münchner Spielzeit stark am letzten großen Auftritt. Nach dem unglücklichen Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris würde eine Niederlage gegen Stuttgart die Saison nach Ansicht von Harry Kane mit einem „bitteren Beigeschmack“ enden lassen. Bei einem Club wie Bayern seien zwei Titel letztlich das Minimum.

„Wir müssen dieses Spiel gewinnen, um sagen zu können, dass wir einen Schritt vorwärtsgemacht haben“, sagte Kane vor seinem ersten Pokalfinale in Deutschland.

Stuttgart sieht sich als klaren Außenseiter

Beim VfB Stuttgart geht man trotz des Finaleinzugs mit einer eindeutigen Rollenverteilung in die Partie. Nationalspieler Deniz Undav betonte, die Mannschaft gehe befreit, nach der Last-Minute-Qualifikation für die Champions League aber keineswegs ohne Selbstvertrauen in das Endspiel.

Der Angreifer sagte, Stuttgart wolle den Pokal am liebsten erneut holen, habe es diesmal aber mit einem anderen Kaliber zu tun. „Wir haben nichts zu verlieren, wir sind der komplette Underdog“, betonte Undav.

Titelverteidiger gegen Rekordpokalsieger

Vor einem Jahr hatten die Stuttgarter das Finale gegen den damaligen Zweitliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld mit 4:2 gewonnen. Für den VfB war das der bisherige Höhepunkt unter Trainer Sebastian Hoeneß. Bayern wiederum ist mit 20 Titeln Rekordpokalsieger und steht zum 25. Mal im Endspiel – erstmals wieder seit sechs Jahren.

Danach waren die Münchner im Wettbewerb mehrfach früh gescheitert, darunter dreimal schon in Runde zwei sowie jeweils einmal im Achtel- und Viertelfinale. Eberl machte deshalb deutlich, wie groß die Bedeutung des Endspiels für die Münchner ist. „Wir sind noch nicht am Ende“, sagte er. Nun wolle Bayern das Double unbedingt perfekt machen.

Direkte Duelle sprechen für Bayern

Die bisherigen Saisonvergleiche sprechen klar für den deutschen Meister. Bayern gewann den Supercup mit 2:1 und setzte sich in der Bundesliga mit 5:0 in Stuttgart sowie 4:2 in München durch. Trotzdem erwartet Kompany ein enges Spiel gegen einen „harten Gegner“.

Nach den Meisterfeierlichkeiten auf dem Marienplatz komme es nun darauf an, den Fokus sofort wiederzufinden. „Die Jungs haben gut gefeiert“, sagte Kompany. „Aber jetzt müssen wir wieder seriös arbeiten, es ist alles wieder auf null.“

Besondere Personalien auf Stuttgarter Seite

Beim VfB rücken vor dem Finale mehrere Spieler in den Mittelpunkt. Torhüter Alexander Nübel bestreitet gegen seinen Noch-Stammverein ein besonderes Spiel und dürfte wohl zum letzten Mal für Stuttgart auflaufen. Trotz eines Vertrags bis 2030 hat er aktuell auch bei Bayern keine sportliche Perspektive. Für ihn geht es darum, sich vor der Weltmeisterschaft noch einmal zu empfehlen.

Zudem wird beobachtet, wie Chris Führich und Maximilian Mittelstädt mit ihrer Nicht-Nominierung für die WM umgehen. Undav wiederum will seine starke Form konservieren und als derzeit torgefährlichster deutscher Stürmer zusätzlichen Schwung für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko mitnehmen.

Undav glaubt an die Chance des VfB

Undav traut Stuttgart trotz der Außenseiterrolle einiges zu. In einem einzelnen Spiel könne schließlich alles passieren. Der VfB wisse um die Qualität der Bayern, glaube aber daran, den Favoriten nerven zu können. Entscheidend werde sein, diesmal über 90 Minuten konstant dagegenzuhalten.

VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle bezeichnete bereits den erneuten Finaleinzug als weiteres Highlight der Vereinsgeschichte. Für die Fans sei das Pokalwochenende in Berlin etwas ganz Besonderes, die Atmosphäre dort „magisch“.

Fest steht: Beide Clubs haben bereits jetzt eine erfolgreiche Saison hinter sich. Der größere Druck liegt vor dem Finale aber klar bei Bayern. Während Stuttgart als Titelverteidiger und Außenseiter aufspielen kann, zählt für die Münchner am Ende nur der Pokalsieg.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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