Der Eigentümer des englischen Zweitligisten FC Southampton, Dragan Solak, hält trotz des Spionage-Skandals an Trainer Tonda Eckert fest. Im Gespräch mit der BBC sagte der serbische Unternehmer, Eckert habe aus seiner Sicht eine zweite Chance verdient. Er genieße weiterhin seine volle Unterstützung und sei ein außergewöhnlich talentierter Coach.
Eine unabhängige Disziplinarkommission der English Football League (EFL) hatte Southampton wegen der sogenannten "Spygate"-Affäre hart sanktioniert. Der Club wurde aus den Championship-Playoffs ausgeschlossen und muss zudem mit einem Abzug von vier Punkten in die kommende Saison gehen. Damit platzte zugleich die Aussicht auf den Aufstieg in die Premier League.
Nach Überzeugung der Kommission hatte Eckert Mitglieder seines Trainerstabs angewiesen, Einheiten gegnerischer Mannschaften zu beobachten. Der 33-Jährige soll dies auch eingeräumt haben. Solche Beobachtungen sind nach den Regeln der EFL verboten.
Eckert wendet sich an die Fans
Mittlerweile äußerte sich Eckert in einer längeren Videobotschaft auf den offiziellen Kanälen des FC Southampton selbst zu dem Fall. Darin räumte der deutsche Trainer ein, die Regeln in England und speziell jene der EFL nicht ausreichend gekannt zu haben. Er hätte diese Vorschriften kennen müssen, sagte Eckert, und bat die Anhänger darum, ihm die Angelegenheit mit der Zeit nachzusehen.
Zugleich versuchte er, den Hintergrund seines Handelns einzuordnen. In Deutschland sei das Beobachten von Trainingseinheiten anderer Teams im Fußball gängige Praxis, erklärte der Coach. Das solle nichts entschuldigen, sondern lediglich den Kontext der Fußballwelt zeigen, in der er groß geworden sei.
Eckert bedankte sich außerdem bei Solak und dem Vorstand für deren Rückendeckung. Er bezeichnete sich als jungen Trainer, der einen Fehler gemacht habe, und betonte, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen.
Solak stellt sich hinter Eckert
Solak betonte, er glaube Eckert, dass diesem nicht bewusst gewesen sei, gegen eine Vorschrift zu verstoßen. Sowohl er persönlich als auch der Vorstand seien der Meinung, dass der Trainer Unterstützung verdiene. Zugleich wolle er Rücksprache mit Mannschaft, Spielern und Fans halten. Sollte am Ende jedoch seine Entscheidung ausschlaggebend sein, werde Eckert bleiben.
Der Clubbesitzer lobte Eckert als jungen Trainer mit außergewöhnlichem Potenzial. Er erinnerte daran, dass dieser Southampton auf Rang 21 übernommen und beinahe direkt in die Premier League geführt habe. Nach Solaks Einschätzung könnte Eckert selbst im Fall einer Sperre in England in Italien oder Deutschland einen deutlich besser dotierten Posten finden.
Verband untersucht weiter – Sperre möglich
Ob Eckert tatsächlich in England weiterarbeiten kann, hängt davon ab, ob der nationale Verband eine Sperre verhängt. Die Ermittlungen dazu dauern an. Solak erklärte, er würde den Trainer auch in diesem Fall weiter unterstützen. Sollte eine Sperre ausgesprochen werden, wolle der Verein dagegen vorgehen und Berufung einlegen. Als verantwortlichen Cheftrainer einsetzen könne man ihn während einer Sperre allerdings nicht.
Solak hält eine zusätzliche persönliche Strafe für Eckert für unangemessen. Wer für ein Vergehen belangt werde, solle nicht mehrfach bestraft werden, sagte er sinngemäß. Aus seiner Sicht ist auch das Urteil gegen Southampton insgesamt zu hart ausgefallen. Der Club habe durch die Sanktion die Chance auf Einnahmen von rund 200 Millionen Pfund verloren – umgerechnet etwa 231 Millionen Euro.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion