Fast schon zwei unterschiedliche Fußball-Welten treffen im Finale der Champions League aufeinander. Hier Titelverteidiger Paris Saint-Germain, selbstbewusst, glamourös und längst mit dem Anspruch einer europäischen Spitzenmacht. Dort ein FC Arsenal, der unter Trainer Mikel Arteta eindrucksvoll den Weg zurück an die Spitze gefunden hat und nun auf den ganz großen Coup hofft. Am Samstag (18.00 Uhr/ZDF/DAZN) fällt in der Puskás-Arena von Budapest die Entscheidung.
PSG reist als Favorit an
Paris kann Historisches schaffen: Seit der Reform der Champions League 1992 gelang es nur Real Madrid, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genau das wollen die Franzosen nun ebenfalls erreichen. Schon in der vergangenen Saison hatte PSG im Halbfinale Arsenal ausgeschaltet und anschließend Inter Mailand im Endspiel deutlich mit 5:0 besiegt.
Auch diesmal gilt das Team um Ballon-d’Or-Sieger Ousmane Dembélé, der zuletzt nicht ganz fit war, als erster Anwärter auf den Titel. Arsenals Innenverteidiger William Saliba brachte den Respekt vor dem Gegner auf den Punkt: PSG sei schon im Vorjahr extrem gefährlich gewesen und habe von dieser Stärke nichts eingebüßt.
Die Rolle als Favorit zeigt sich bei den Parisern nicht nur sportlich. Rund um das Finale setzt der Club auf große Inszenierung und emotionale Bilder. In sozialen Netzwerken wurde etwa ein per KI erstelltes Motiv verbreitet, auf dem eine riesige PSG-Flotte auf der Seine in Richtung Budapest unterwegs ist – vor goldener Abendkulisse und mit dem Eiffelturm im Hintergrund.

Lucas Hernández sprach vor dem Endspiel von der wichtigsten Partie der Saison. Der frühere Bayern-Profi machte deutlich, dass die Mannschaft die Chance habe, sich noch tiefer in die Vereinsgeschichte und auch in die des französischen Fußballs einzuschreiben.
Arsenal träumt vom ersten Königsklassen-Triumph
Auch Arsenal reist mit viel Rückenwind an. Die Mannschaft aus Nordlondon erlebte zuletzt emotionale Tage – zunächst mit dem ersten Meistertitel seit 22 Jahren, dann bei den großen Feierlichkeiten rund um das Emirates Stadium.
Trainer Mikel Arteta sieht darin jedoch nur einen Zwischenschritt. Seine Botschaft ist klar: Arsenal habe sich stark entwickelt, müsse nun aber den letzten Schritt gehen – und in Budapest die Champions League gewinnen.
Ein Premierensieg in Europas wichtigstem Clubwettbewerb wäre der bisherige Höhepunkt einer ohnehin außergewöhnlichen Saison. Zugleich wäre er die nächste Bestätigung für Artetas Aufbauarbeit. Als der Spanier 2019 übernahm, befand sich Arsenal in einer sportlich schwierigen Phase. Der Kader galt als unausgewogen und teuer, die Perspektive war unklar. Der frühere Arsenal-Profi Shkodran Mustafi beschrieb den Zustand rückblickend drastisch als "Friedhof".
Arteta formte Arsenal neu
Arteta traf in den vergangenen Jahren unbequeme, aber konsequente Entscheidungen. Selbst prominente Namen wie Pierre-Emerick Aubameyang spielten in seinen Planungen irgendwann keine Rolle mehr. Gleichzeitig setzte er gezielt auf Führungsspieler und Mentalität – etwa mit der Verpflichtung von Declan Rice.
Hinzu kam die Entwicklung eigener Talente. Spieler wie Bukayo Saka reiften unter Arteta zu Leistungsträgern auf höchstem Niveau. Unter dem Leitsatz "Trust the process" setzte der Trainer nicht auf schnellen Glanz, sondern auf nachhaltigen Fortschritt. Stabilität, Disziplin und Effektivität standen oft über spektakulärem Offensivfußball.
Zu Arsenals Stärken zählen neben der kompakten Defensive auch Standardsituationen. Zudem verfügt das Team mit Kai Havertz über einen Akteur, der bereits Erfahrung mit einem Champions-League-Triumph hat – 2021 gewann er den Titel mit Chelsea. Clubikone Thierry Henry lobte Arteta zuletzt dafür, dass ihm im Gegensatz zu vielen anderen Trainern die nötige Zeit für den Aufbau gegeben wurde.
Beste Abwehr gegen Pariser Angriffswucht
Den Einzug ins Finale verdankt Arsenal vor allem seiner starken Defensive. In 14 Partien ließ das Team nur sechs Gegentreffer zu. Saliba betonte selbstbewusst, Arsenal stelle in dieser Saison die beste Abwehr – und wer der Beste sei, wolle sich auch mit den Besten messen.
Auf der anderen Seite steht die enorme Offensivkraft von PSG. Die Franzosen erzielten in der laufenden Champions-League-Saison bereits 44 Tore und liegen damit nur knapp unter dem offiziellen Wettbewerbsrekord des FC Barcelona aus der Saison 1999/2000 mit 45 Treffern. Zwar kam Liverpool 2018 auf 47 Tore, sechs davon fielen jedoch in der Qualifikation und werden von der UEFA nicht in der offiziellen Statistik geführt.
Zwei sehr unterschiedliche Wege ins Finale
Auch der Weg nach Budapest verlief für beide Finalisten völlig verschieden. Arsenal dominierte die Gruppenphase und gewann alle acht Spiele. Danach setzte sich das Team in der K.-o.-Runde gegen Bayer Leverkusen (3:1), Sporting CP (1:0) und Atlético Madrid (2:1) durch.
PSG musste deutlich mehr Umwege gehen. Nach Platz elf in der Gruppenphase waren zunächst die Playoffs gegen Monaco nötig, die Paris mit 5:4 überstand. Danach kam die Mannschaft immer besser ins Rollen. Es folgten überzeugende Erfolge gegen Chelsea und Liverpool sowie ein spektakuläres Halbfinale gegen den FC Bayern München, das PSG nach Hin- und Rückspiel insgesamt mit 6:5 gewann.
Nun treffen in Budapest zwei Topteams mit unterschiedlichen Stärken, Geschichten und Selbstbildern aufeinander: Arsenals Defensivstärke und disziplinierter Aufbau gegen die offensive Klasse und den Glanz von Paris Saint-Germain. Die Bühne für ein hochklassiges Finale ist bereitet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion