Nach dem historischen 0:7 des 1. FC Union Berlin beim FC Bayern München sieht Trainer Mauro Lustrinelli in der anstehenden dreiwöchigen Länderspielpause eine wichtige Gelegenheit zum Durchatmen. Der Schweizer betonte nach der deutlichen Pleite, dass es nun entscheidend sei, den Kopf freizubekommen, ein paar freie Tage zu nutzen und neue Kraft zu sammeln. Danach müsse die Mannschaft mit frischer Energie weitermachen. Die Pause komme ihm daher gelegen.
In der Allianz Arena traten die Berliner diesmal, anders als in früheren Duellen, nicht als unangenehmer Gegner auf. Stattdessen blieb Union über weite Strecken harmlos und hatte dem Rekordmeister kaum etwas entgegenzusetzen. Unter Lustrinelli soll ein neuer sportlicher Kurs eingeschlagen werden, doch bislang fehlt es noch an den gewünschten Ergebnissen. Der frühere Angreifer hatte zuvor beim FC Thun gearbeitet und dort nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison überraschend direkt den Schweizer Meistertitel geholt. In Berlin ist der 50-Jährige nun noch auf der Suche nach Konstanz.
Wie ein Kind beim Radfahren
Lustrinelli beschrieb den Entwicklungsprozess seiner Mannschaft mit einem Bild: Ein kleines Kind lerne gerade Fahrradfahren. Im Moment liege es noch oft am Boden, müsse aber immer wieder aufstehen und weiterfahren. Genau darum gehe es jetzt: Widerstandskraft zeigen, täglich hart arbeiten und dabei das Vertrauen nicht verlieren.
Gegen die enorme Münchner Offensivpower war Union klar unterlegen. Harry Kane erreichte mit seinem Treffer im 98. Bundesliga-Spiel die Marke von 100 Toren, dazu glänzte Michael Olise als Dreifachtorschütze. Die Berliner fanden gegen diese Qualität kein Mittel.

Kapitän Christopher Trimmel räumte ein, dass die Situation schwierig sei, forderte aber zugleich eine positive Haltung. Sein Eindruck sei, dass die Saison von Beginn an mit voller Intensität laufe und viele Teams sofort punkteten. Deshalb müsse Union nun ebenfalls anfangen, Zähler zu holen.
„Wir sind noch nicht stabil genug“
Der 39-Jährige verwies darauf, dass Bayern auch gegen gefestigte Mannschaften wie Bodö/Glimt in der Champions League oder den VfB Stuttgart in der Bundesliga jeweils fünf Tore erzielt habe. Dennoch machte Trimmel deutlich, dass Union aktuell noch nicht die nötige Stabilität besitze. Die Mannschaft befinde sich weiterhin in einer Phase der Orientierung und sei in dieser Verfassung in München chancenlos gewesen.
Nach der Länderspielpause wartet auf die weiterhin sieglosen Berliner ein richtungsweisendes Duell. Nach vier Spieltagen steht Union mit nur einem Punkt da — so schlecht wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt einer Bundesliga-Saison. Im kommenden Spiel gegen den unbequemen Gegner Elversberg will das Team selbstbewusster auftreten. U21-Nationalspieler Tom Rothe sagte, man wolle dort mit breiter Brust auflaufen, auch wenn er grundsätzlich weiterhin daran glaube, dass sich Union auf dem richtigen Weg befinde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber