Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski hält die stark ideologisch geführte Diskussion über die sogenannte Energiewende auch wegen des Begriffs selbst für problematisch. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er, der Ausdruck löse bei vielen Menschen eher Zweifel als Zuversicht aus. Aus seiner Sicht könnte es sinnvoll sein, über eine andere Bezeichnung nachzudenken, um die Debatte zu entideologisieren.
Trotzdem bewertet der Manager die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland insgesamt positiv. Die Transformation gehe in der Praxis voran, weil sie wirtschaftlich die überzeugendste Lösung sei. Wer durch Deutschland fahre, könne vielerorts erkennen, dass beim Umbau des Energiesystems Fortschritte erzielt würden. Ähnliche Trends beobachtet Zurawski auch in den USA: In Texas werde viel Windkraft an Land gebaut, in Kalifornien vor allem Solarenergie. Auch Photovoltaik, Batteriespeicher und Onshore-Wind legten dort deutlich zu.
Dekarbonisierung als Grundlage für sichere Energie
Nach Ansicht von Zurawski kann sich keine Partei der Tatsache entziehen, dass die Wirtschaft auf bezahlbare und verlässliche Energie angewiesen ist. Genau dafür sei die Dekarbonisierung der richtige Weg. Die jüngsten geopolitischen Krisen hätten gezeigt, wie anfällig eine Volkswirtschaft werde, wenn sie stark auf fossile Energieimporte setze. Spürbar werde das letztlich für viele Bürgerinnen und Bürger etwa an den Preisen an der Tankstelle.
Die jüngsten Beschlüsse des Bundeskabinetts zur Energiepolitik bewertet Zurawski grundsätzlich positiv. Er bescheinigte der Bundesregierung und insbesondere der Wirtschaftsministerin, ihre Aufgaben solide erledigt zu haben. Zugleich forderte er beim Netzausbau deutlich mehr Tempo.
Dabei gehe es auch darum, Widerstände vor Ort gegen neue Projekte besser aufzufangen. Vattenfall habe gute Erfahrungen damit gemacht, Anwohner nicht nur frühzeitig und transparent zu informieren, sondern Kommunen und Gemeinden auch finanziell an Solar- und Windparks zu beteiligen. So lasse sich dem oft geäußerten Vorwurf begegnen, dass vor Ort gebaut werde, ohne dass die Region selbst davon profitiere.
Änderungen bei EEG und Netzausbau
Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und dem sogenannten Netzpaket will die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien stärker an Kosten, Versorgungssicherheit und den tatsächlichen Netzkapazitäten ausrichten. Geplant ist unter anderem, den Zubau regional besser zu steuern. Außerdem sollen kleine Solaranlagen, meist private Anlagen mit weniger als 25 Kilowatt Leistung, ab 2027 keine dauerhafte Förderung mehr erhalten.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie hatte die Kabinettsbeschlüsse nach deren Bekanntwerden im Juli kritisiert. Nach Einschätzung des Verbands wären die Ausbauziele für erneuerbare Energien auf Basis dieser Pläne faktisch nicht erreichbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber