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Studie zeigt: Pflegende Angehörige oft psychisch am Limit

80.000 Pflegende zeigen ein stilles Problem: Hilfe wäre da – doch aus einem überraschenden Grund bleibt sie oft ungenutzt.

19.09.2026, 04:00 Uhr

Pflegende Angehörige stellen ihre eigene seelische Gesundheit oft hinten an, wenn sie über lange Zeit intensiv für einen nahestehenden Menschen sorgen. Das zeigt eine in der Fachzeitschrift Psychology & Health veröffentlichte Auswertung von Studien mit mehr als 81.000 pflegenden Angehörigen.

Einer der zentralen Befunde: Zwar wünscht sich etwa jede dritte pflegende Person Beratung zu Unterstützungsangeboten, tatsächlich genutzt hat sie aber weniger als jede sechste. Besonders gefragt ist Hilfe beim Umgang mit Verlust, Unsicherheit und Schuldgefühlen.

„Pflegende Angehörige stellen häufig die Bedürfnisse der betreuten Person über die eigenen“, erklärte Erstautorin Hannah Isaac von der Universität Sydney. Gerade dann, wenn sich der Gesundheitszustand der erkrankten Person stark verschlechtere, würden Pflegende ihre eigene psychische Belastung oft herunterspielen. Dabei sei gerade in dieser Phase psychologische Unterstützung besonders wichtig.

Häufig betreuen Frauen ihren Partner

Für die Untersuchung wertete das australische Forschungsteam 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien aus, die in den vergangenen 20 Jahren erschienen sind. Im Mittelpunkt standen überwiegend Frauen, die meist ihren Ehemann oder Partner mit einer chronischen Erkrankung versorgten. Am häufigsten handelte es sich um Krebserkrankungen. Weitere Betroffene pflegten Menschen mit Herzkrankheiten, Parkinson oder nach einem Schlaganfall.

In Deutschland wurden laut aktueller Pflegestatistik im Jahr 2023 rund 4,9 Millionen pflegebedürftige Menschen zuhause versorgt. Wie viele Angehörige tatsächlich Pflege leisten, ist nicht exakt bekannt. Schätzungen gehen von etwa 7,1 Millionen aus.

Forschende fordern regelmäßige Erfassung psychischer Belastungen

Länderübergreifend nannten die Befragten auch andere Unterstützungsbedarfe: Sie wollten soziale Kontakte erhalten, eigene Lebensziele und Interessen an die veränderte Situation anpassen und besser mit Veränderungen in der Sexualität und Partnerschaft umgehen. Rund 40 Prozent zeigten Interesse an staatlichen Angeboten wie Telefonberatungen oder krankheitsspezifischen Informationen. Tatsächlich genutzt hatten solche Angebote aber nur 10 Prozent. In Deutschland gibt es dafür unter anderem das Pflegetelefon, das anonym und vertraulich berät.

Die Wissenschaftlerinnen sprechen sich deshalb dafür aus, pflegende Angehörige routinemäßig auf psychische Belastungen und ihren Bedarf an Unterstützung zu prüfen. Nach ihren Angaben treten etwa Depressionen und Angststörungen in dieser Gruppe häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Bleiben Hilfen aus, kann das nicht nur das Wohlbefinden der Pflegenden verschlechtern, sondern auch ihre Fähigkeit beeinträchtigen, die betreute Person angemessen zu unterstützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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