Fußball

Pink, frech, freundlich: Warum Karl jetzt Müller wird

DFB-Überraschung Lennart Karl: Greift der 18-Jährige neben Musiala und Wirtz nach einem WM-Startplatz? Das sagt Nagelsmann.

01.06.2026, 09:27 Uhr

Ein deftiges Wort wie „Arschbacke“ hatte Lennart Karl in der Öffentlichkeit bisher noch nicht benutzt. Das überließ Doppeltorschütze Deniz Undav, der damit die Stelle einer Blessur beschrieb. Der erst 18 Jahre alte Münchner will seine Frechheit lieber auf dem Rasen zeigen. Nach seinem gelungenen Startelfdebüt beim 4:0 im WM-Test gegen Finnland fand aber auch Karl Worte, die sprachlich ziemlich nah an Undavs Ausdruck lagen.

„Skills“ brauche man, sagte Karl. „Man muss einfach mal das Eins-gegen-eins suchen, keine Angst haben und in jeder Aktion Vollgas geben.“ So beschrieb er seinen unbeschwerten Stil kurz vor dem Abflug der Nationalmannschaft am Dienstag in Richtung USA. Dazu meinte der Youngster auch, man müsse die Gegenspieler „ein bisschen verarschen“.

Ein echter Teenager

Wirkt Karl deshalb schnoddrig? Eigentlich nicht. Er redet schlicht wie ein Jugendlicher – und genau das ist er auch. Auffällige Auftritte, zuletzt ganz in Pink in München, gehören zu seinem Stil. Auch nach seinem überzeugenden Einsatz in Mainz mit rosa Schuhen, der sofort die Frage aufwarf, warum er nicht in Nagelsmanns WM-Startelf stehen sollte, blieb er freundlich und eher zurückhaltend. Große Forderungen stellt er nicht.

„Natürlich hoffe ich darauf. Aber hier sind eben auch viele Topspieler. Es ist ein Konkurrenzkampf, und ich mag alle hier“, sagte der schnelle Dribbler. Im Rennen um einen Platz in der Offensive neben Jamal Musiala und Florian Wirtz hinter Mittelstürmer Kai Havertz bringt sich Karl damit plötzlich selbst ins Gespräch. Konkurrenten wie Leroy Sané oder Jamie Leweling stehen ebenfalls bereit.

Lennart Karl
In München marschiert Lennart Karl mit einem knalligen Outfit über den Platz. (Archivbild) Quelle: Tom Weller/dpa

Nagelsmann erkennt die Herausforderung

„Das werden wir in den nächsten anderthalb Wochen sehen“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann. Gleichzeitig verwies er auf die Risiken, die mit einem rasanten Aufstieg im Fußballgeschäft verbunden sind – gerade bei einem Spielertypen wie Karl, den er als Straßenkicker sieht. „Bei Lenny ist zuletzt sehr viel passiert. Er hat es heute gut gemacht. Aber er muss auch alles verarbeiten, was gerade auf ihn einprasselt. Das ist in den nächsten Wochen die größte Aufgabe“, erklärte Nagelsmann.

Wichtig sei, Karl nicht in starre Abläufe zu pressen, weil er sonst seinen natürlichen Spielfluss verlieren könnte. Auffällig war zudem, dass Nagelsmann auch den starken Joker-Einsatz von Sané ausdrücklich hervorhob.

Ein ähnlicher Raketenstart auf der WM-Bühne ist im deutschen Fußball nicht unbekannt. 2010 trat Thomas Müller mit 20 Jahren unbekümmert auf. Nach seinem Länderspieldebüt im Test gegen Argentinien hielt Diego Maradona ihn einst sogar für einen Balljungen. Wenige Monate später wurde Müller in Südafrika WM-Torschützenkönig – der Beginn einer großen Karriere.

Erinnerungen an 2010

Könnte sich diese bayerische Geschichte in den USA wiederholen? Schon 2010 sorgten viele junge, frische Spieler für Aufbruchsstimmung – etwa Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mesut Özil. In diesem Sommer könnten Karl, Musiala und Wirtz bei den deutschen Fans einen ähnlichen Hype auslösen. Karl hätte sogar die Chance, nach Youssoufa Moukoko der zweitjüngste deutsche WM-Spieler zu werden.

„Ich traue ihm sehr viel zu, weil er ein guter Junge und ein richtig guter Fußballer ist. In dem Alter so selbstbewusst aufzutreten, genau so muss das sein. Er hat vor niemandem Angst – das finde ich überragend“, sagte Undav, der beim zweiten Treffer gegen Finnland stark von Karl vorbereitet worden war.

Auch beim FC Bayern kennt er den Druck

Nagelsmann sieht Karl dennoch erst am Anfang seiner Entwicklung. „Profi zu werden, ist die eine Kunst. Die größere ist, auf höchstem Niveau über Jahre Profi zu bleiben. Bei ihm hat das Rennen gerade erst begonnen“, sagte der Bundestrainer. Karl selbst weiß, dass ein Aufstieg nicht immer geradlinig verläuft.

Nach seinem starken Start beim FC Bayern zu Saisonbeginn, als schnell Forderungen nach einer WM-Nominierung laut wurden, folgte zunächst eine sportliche Delle. „Nach den ersten Toren war schon extrem viel Druck da – von den Medien und allem drum und dran“, erinnerte sich Karl. Diesen Druck will er möglichst ausblenden. Gelingt ihm das, könnte die WM für ihn zu einem ganz besonderen Kapitel werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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