Fußball

Neuer-Krimi vor Emotions-Test: «Wie ein WM-Spiel»

Vor dem USA-Kracher elektrisiert vor allem ein Name: Hält die DFB-Serie – und wer zieht im Soldier Field alle Blicke auf sich?

05.06.2026, 09:39 Uhr

Neuer-Comeback verschiebt sich weiter

Manuel Neuer steht der deutschen Nationalmannschaft auch im Härtetest gegen die USA nicht zur Verfügung. Beim Abschlusstraining im Soldier Field fehlte der Rekordtorhüter erneut auf dem Platz, während Oliver Baumann als Erster den Rasen betrat, gefolgt von Alexander Nübel und Jonas Urbig. Damit ist klar: Gegen den Co-Gastgeber der WM wird wieder Baumann im Tor stehen.

Julian Nagelsmann bestätigte den erneuten Ausfall sachlich und blieb bei seiner vorsichtigen Linie. Neuer gehe es gut und befinde sich auf dem Weg zu seiner Bestform, sagte der Bundestrainer, betonte aber zugleich, dass kein Risiko eingegangen werde. Die Wade des 40-Jährigen braucht weiter Zeit.

Neuer war zwar ebenfalls im Stadion, setzte seinen individuellen Belastungsaufbau nach dpa-Informationen aber erst später fort. Die kurze, für Medien einsehbare Einheit lieferte damit erneut ein eindeutiges Signal: Für 90 Minuten auf Wettkampfniveau reicht es noch nicht. Für Nagelsmann zählt die WM, nicht der letzte Test.

Neuer nun fest für Curaçao eingeplant

Immerhin ist der Fahrplan inzwischen klarer. Neuers Comeback ist nun fest für den WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao vorgesehen – rund vier Wochen nach seinem letzten Einsatz für den FC Bayern. Nagelsmann kündigte an, dass der Torhüter in der kommenden Woche im Teamquartier in Winston-Salem wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.

Der Bundestrainer zeigte sich überzeugt, dass Neuer zum ersten Gruppenspiel topfit sein werde. Zugleich machte er deutlich, dass die Belastung sehr bewusst gesteuert wird, um die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückschlags so gering wie möglich zu halten.

Große Sorge um Lennart Karl

Deutlich ernster klang Nagelsmann bei Lennart Karl. Der 18-Jährige verletzte sich im Abschlusstraining und sorgte damit für neue Unruhe im DFB-Lager. Der Bundestrainer erklärte direkt nach der Einheit, dass Karl ins Krankenhaus gebracht werde, und bat ausdrücklich um Ruhe für den jungen Bayern-Profi.

Wie schwer die Blessur ist, blieb zunächst offen. Nagelsmann deutete jedoch an, dass sogar die WM-Teilnahme des Offensivtalents in Gefahr sein könnte. Er schloss auch eine mögliche Nachnominierung nicht aus. Damit gerät eine bislang eher sportliche Personaldebatte plötzlich in einen deutlich ernsteren Rahmen.

USA-Spiel als emotionaler WM-Test

Unabhängig von der Torwartfrage und den Sorgen um Karl hat das Testspiel in Chicago für Nagelsmann enorme Bedeutung. Im ausverkauften Soldier Field soll am Samstag (20.30 Uhr/RTL) möglichst realistisch WM-Atmosphäre entstehen. Der Bundestrainer stellt dabei bewusst nicht letzte taktische Feinheiten in den Vordergrund, sondern die emotionale Belastungsprobe.

Nagelsmann will, dass seine Mannschaft die besondere Turnierstimmung schon jetzt aufsaugt. Die frühe Anstoßzeit zur amerikanischen Mittagsstunde, mehr als 60.000 Heimfans und die aufgeheizte Atmosphäre machen die Partie aus seiner Sicht zu einer wertvollen Generalprobe für das XXL-Turnier.

Siegesserie und DFB-Bestmarke im Blick

Mit einem neunten Sieg nacheinander und dem 600. Erfolg der DFB-Geschichte soll das Selbstvertrauen weiter wachsen. Nagelsmann machte deutlich, dass die Begegnung nicht gezielt auf einen bestimmten Gruppengegner zugeschnitten ist. Vielmehr gehe es darum, emotional im Turniermodus anzukommen.

Für den Bundestrainer wäre eine Serie von neun ungeschlagenen Spielen im DFB-Amt zudem eine persönliche Bestmarke. Je näher der WM-Start rückt, desto stärker rücken Fokus, Konzentration und Leidensbereitschaft in den Mittelpunkt.

Havertz: Das fühlt sich an wie ein WM-Spiel

Kai Havertz sprach offen davon, dass die Nationalmannschaft die Partie wie ein echtes WM-Spiel angehen werde. Der Offensivspieler vom FC Arsenal will mit dem Team weiteres Selbstvertrauen sammeln und sieht in dem Duell einen wichtigen Gradmesser kurz vor Turnierbeginn.

Auch Joshua Kimmich blickt mit Zuversicht auf die Partie, warnt aber zugleich davor, sich auf der aktuellen Serie auszuruhen. Der Kapitän betonte, dass noch Luft nach oben vorhanden sei und die Gegner im Turnier stärker würden. Trotzdem soll auch gegen die USA ein positives Ergebnis her.

Viel Aufmerksamkeit für Neuer – und nun auch für Karl

In den ersten Tagen des USA-Aufenthalts drehte sich vieles um Manuel Neuer. Spaziergänge am Lake Michigan oder Ausflüge in Chicagos Gold-Coast-Viertel vermittelten zwar eine lockere Stimmung im Team, doch die Frage nach Neuers Belastbarkeit blieb das dominierende Thema.

Inzwischen ist die Lage beim Torhüter klarer: Das Comeback kommt gegen die USA noch zu früh, soll aber beim WM-Start erfolgen. Neu hinzugekommen ist dafür die Sorge um Karl, die kurz vor dem Turnier die personelle Planung durcheinanderbringen könnte.

Jugend oder Erfahrung als WM-Faktor

Durch die Diskussionen um Neuer und Karl geraten andere Personalfragen fast etwas in den Hintergrund. Nagelsmann muss entscheiden, ob er im Titelrennen eher auf Erfahrung oder auf jugendliche Unbekümmertheit setzt. Die Verletzung von Karl könnte den Konkurrenzkampf auf den offensiven Außenbahnen neu beeinflussen – und damit auch die Chancen von Leroy Sané verbessern.

Nathaniel Brown sammelte links hinten weiter Pluspunkte und setzte damit erfahrene Kräfte wie David Raum unter Druck. Brown erklärte, die jüngeren Spieler sollten Leichtigkeit und Mut in die Mannschaft bringen, ohne sich vom Druck lähmen zu lassen. Der Frankfurter sieht das Team auf einem sehr guten Weg und will diesen Schwung mit in die WM nehmen.

Offene Entscheidung auch im Mittelfeld

Auch in der Zentrale bleibt spannend, wie Nagelsmann aufstellt. Zuletzt überzeugten Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic als Duo, was erneut zulasten von Leon Goretzka gehen könnte. Der Bundestrainer steht damit vor mehreren unangenehmen, aber sportlich vielversprechenden Entscheidungen.

Teamgeist wichtiger als große Namen

Jonathan Tah wollte den Fokus nicht auf prominente Namen lenken. Für ein erfolgreiches Turnier seien vor allem Zusammenhalt und der Spirit innerhalb der Mannschaft entscheidend. Mit diesem Ansatz hält der Innenverteidiger für Deutschland viel für möglich.

Positiv aus Sicht des Bundestrainers bleibt: Abgesehen von Neuer und der neuen Ungewissheit um Karl sind nahezu alle Spieler fit. Kurz vor dem WM-Start will dennoch niemand den Traum durch eine Verletzung gefährden.

USA als anspruchsvoller Prüfstein

Havertz warnte davor, die Amerikaner zu unterschätzen, und bezeichnete sie als Top-Mannschaft. Den besonderen Druck eines Gastgebers kennt ein großer Teil des deutschen Kaders noch von der Heim-EM 2024. Entsprechend motiviert dürfte das US-Team auftreten, um den eigenen Fans etwas zu bieten.

Gerade deshalb sieht die DFB-Auswahl in der Partie eine wertvolle Generalprobe für das erste Gruppenspiel. Das gilt nun auch unabhängig von der Torwartfrage – denn gegen die USA wird Oliver Baumann die deutsche Nummer eins sein, während hinter Lennart Karl plötzlich ein großes Fragezeichen steht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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