DFB-Team startet in die WM-Vorbereitung
Für die deutsche Nationalmannschaft beginnt der Weg zur Weltmeisterschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann erlebt vor dem Start eine große Aufbruchsstimmung. Mit dem Trainingsauftakt am Mittwoch in Herzogenaurach nimmt die Sommermission Richtung USA, Kanada und Mexiko Fahrt auf. Im Idealfall endet die Reise erst am 19. Juli mit dem Finale in East Rutherford nahe New York.
Nagelsmann betonte vor dem Beginn der Vorbereitung, dass im Team enorme Vorfreude spürbar sei. Er sieht den Kader stark aufgestellt und geht überzeugt in das Turnier. Nach einer wechselhaften Qualifikation und anhaltenden Debatten über die Titelchancen rückt für Leon Goretzka vor allem eines in den Mittelpunkt: Die Mannschaft muss als geschlossene Einheit auftreten.
Fokus auf Zusammenhalt
Der Bayern-Profi machte deutlich, dass das Team einen gemeinsamen Ansatz finden müsse, um das Turnier erfolgreich anzugehen. Entscheidend sei, enger zusammenzurücken und als Gruppe zu funktionieren. Ohne echten Teamgeist werde es bei einer WM nicht gehen.
Auftakt in Herzogenaurach
Zum Start der Vorbereitung treten Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler am Mittwoch um 14.30 Uhr vor die Medien. Im sogenannten Home Ground geben sie den Fahrplan für die kommenden Wochen bekannt. Der Ort ist dabei nicht ohne Symbolik: Dort hatten beide schon nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM gegen Spanien gesprochen.
Am großen Ziel hat sich seitdem nichts geändert. In drei Trainingstagen in Franken sollen die Grundlagen gelegt werden — taktisch und körperlich für ein langes und kräftezehrendes Turnier in Nordamerika. Die Spieler werden zur Mittagszeit im Quartier erwartet. Neben einem ersten Teammeeting stehen auch Medientermine und Werbeaufnahmen auf dem Programm.

Neuer noch nicht sofort einsatzbereit
Bei Manuel Neuer ist Geduld gefragt. Seine Wade braucht weiterhin Schonung, grundsätzlich steht seiner Rückkehr ins DFB-Tor aber nichts im Weg. Die Entscheidung für den 40-Jährigen sorgt für Aufmerksamkeit. Oliver Baumann muss sich mit der Rolle als Nummer zwei zufriedengeben, Alexander Nübel ist derzeit nur die dritte Wahl.
Wann Neuer sein erstes Länderspiel seit dem EM-Aus bestreitet und sein 125. Spiel für Deutschland absolviert, ist offen. Nagelsmann will nichts erzwingen. In den Testspielen gegen Finnland und die USA könnte deshalb auch Baumann zum Einsatz kommen. Neuer soll dem Team mit seiner Erfahrung Stabilität geben und allein durch seine Ausstrahlung Eindruck bei den Gegnern hinterlassen.
Verletzungssorgen begleiten den Countdown
Ganz ohne Probleme verlief die Vorbereitung nicht. Die Liste angeschlagener Spieler war lange ein Thema. Wegen der Blessuren von Felix Nmecha und Bayern-Talent Lennart Karl wurde die Kadernominierung sogar um neun Tage verschoben. Beide stehen nun im WM-Aufgebot, für Gladbach-Stürmer Tim Kleindienst reichte es dagegen am Ende nicht.
Besonders wichtig wird für Nagelsmann sein, dass Jamal Musiala wieder zu seiner gewohnten Leichtigkeit findet. Nach seinem schweren Beinbruch und der langen Pause ist der Münchner noch nicht wieder bei voller Leistungsfähigkeit. Der Bundestrainer stellte dennoch klar, wie zentral Musiala für die Mannschaft ist: Mit wenigen Aktionen könne er Spiele und sogar ganze Turniere prägen.
Havertz fehlt zunächst
Zum Start in Herzogenaurach wird Kai Havertz nicht dabei sein. Der Angreifer, der nach seiner langen Verletzungspause wieder fest eingeplant ist, hat mit dem FC Arsenal noch die Chance auf den Gewinn der Champions League. Am Samstag trifft sein Team im Finale in Budapest auf Paris Saint-Germain. Erst am kommenden Dienstag soll Havertz in Chicago zur Nationalmannschaft stoßen.
26 Spieler plus ein zusätzlicher Torwart
Offiziell reist Deutschland mit 26 Spielern zur WM — tatsächlich arbeitet Nagelsmann aber mit einer erweiterten Gruppe. Jonas Urbig ist als vierter Torwart dabei, obwohl er nicht auf der offiziellen FIFA-Liste steht. Der junge Bayern-Keeper soll im Training aushelfen und wäre im Fall einer Verletzung eines der nominierten Torhüter sofort verfügbar.
Weil Urbig ohnehin mit in die USA reist, könnte er jederzeit nachgemeldet werden. Nagelsmann lobte den 22-Jährigen als aufgeweckten Typen, der der Gruppe auch menschlich guttut.
So läuft die Vorbereitung weiter
Nach den Einheiten in Franken steht am Sonntag um 20.45 Uhr in Mainz das letzte Testspiel in Deutschland an. Gegner ist Finnland. Der Spielort weckt gute Erinnerungen: Vor dem WM-Triumph 2014 bestritt die DFB-Elf dort ebenfalls ihre letzte Partie vor dem Abflug und gewann damals 6:1 gegen Armenien.
Am 1. Juni folgt auf dem DFB-Campus in Frankfurt noch eine öffentliche Regenerationseinheit. Einen Tag später reist die Mannschaft nach Chicago. Dort soll die erste Phase der Anpassung an die Bedingungen in Amerika stattfinden.
Im Soldier Field steigt am 6. Juni um 20.30 Uhr MESZ die Generalprobe gegen die USA. Zwei Tage später zieht das Team in sein WM-Quartier nach Winston-Salem in North Carolina um.
Das WM-Programm im Überblick
Zum Auftakt trifft Deutschland am 14. Juni um 19.00 Uhr MESZ in Houston auf WM-Neuling Curaçao und geht als klarer Favorit in die Partie. Danach wartet am 20. Juni um 22.00 Uhr in Toronto die Elfenbeinküste. Das dritte Gruppenspiel findet am 25. Juni ebenfalls um 22.00 Uhr in East Rutherford gegen Ecuador statt.
Das erste und dritte Gruppenspiel werden in der ARD übertragen, die zweite Partie läuft im ZDF. Alle Begegnungen sind außerdem bei MagentaTV zu sehen.
Mögliche Wege in die K.-o.-Runde
Als Gruppensieger würde Deutschland in der K.-o.-Phase über Boston, Philadelphia, erneut Boston und Dallas bis ins Finale marschieren. Als Zweiter wären Dallas, East Rutherford, Miami und Atlanta die möglichen Stationen. Auch als einer der besten Gruppendritten wäre das Weiterkommen noch möglich, dann jedoch mit wechselnden Wegen. Nur als Gruppenletzter wäre die WM für das DFB-Team bereits Ende Juni beendet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion