Nach Fan-Protesten im Pokalfinale drohen Bayern und Stuttgart hohe DFB-Strafen
Nach der Protestaktion beim DFB-Pokalfinale müssen der FC Bayern München und der VfB Stuttgart mit deutlichen Sanktionen rechnen. Der Deutsche Fußball-Bund bestätigte am Sonntag auf Anfrage, dass sich der Kontrollausschuss mit der umfangreichen Pyrotechnik beider Fanlager befassen wird.
Zu der heftigen Kritik der Anhänger sowie zu den beleidigenden Formulierungen auf mehreren Transparenten äußerte sich der Verband zunächst nicht näher. Weiter offen ist auch, wie die großen Banner und die zahlreichen Fackeln überhaupt ins Berliner Olympiastadion gelangen konnten.
Der DFB hatte bereits während der Partie erklärt, eine lebendige Fankultur grundsätzlich zu begrüßen. Diese dürfe jedoch nicht so weit gehen, dass Fans durch ihr Verhalten Spielunterbrechungen oder sogar Spielabbrüche provozierten.
Unterstützung für die Kritik von „Unsere Kurve“
Rückendeckung bekamen die Proteste nun von der Faninteressenvertretung „Unsere Kurve“. Auf Anfrage erklärte die Organisation, inhaltlich unterstütze sie die Kritik beider Fanlager. Man könne nachvollziehen, dass sich Kritik starker Bilder bediene, wenn sie sonst womöglich nicht ausreichend wahrgenommen werde.
Zugleich verwies „Unsere Kurve“ auf die große Menge an gezündeter Pyrotechnik. Diese zeige, dass es trotz immer schärferer Maßnahmen nicht gelinge, Pyrotechnik aus den Stadien fernzuhalten. Aus Sicht der Fanvertretung brauche es deshalb neue Wege in der Debatte.
Schmähgesänge und Transparente gegen den DFB
Anhänger beider Finalisten machten in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit ihrem Ärger über den DFB Luft. Im Stadion waren entsprechende Sprechchöre zu hören, zudem wurden großflächige Transparente gezeigt, mit denen der Verband massiv angegriffen wurde.
Der Höhepunkt der offenbar abgestimmten Protestaktion war eine groß angelegte Pyro-Show auf beiden Seiten. Unmittelbar nach dem ersten von insgesamt drei Treffern von Harry Kane musste Schiedsrichter Sven Jablonski die Begegnung deshalb vorübergehend unterbrechen. Die Bayern gewannen das Endspiel schließlich mit 3:0.
Gerade diese Unterbrechung könnte sich für beide Vereine zusätzlich nachteilig auswirken. Nach den Richtlinien des DFB-Kontrollausschusses steigen Geldstrafen bei einer Spielunterbrechung von ein bis fünf Minuten um 50 Prozent.
Strafen im sechsstelligen Bereich denkbar
Für Bundesligisten setzt der DFB pro abgebrannter Pyrofackel in der Regel 1.000 Euro an. Unerlaubte Banner werden je nach Größe mit 2.000 bis 8.000 Euro bewertet. Damit könnten die Sanktionen für Bayern und Stuttgart insgesamt eine sechsstellige Summe erreichen.
Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr musste Finalteilnehmer Arminia Bielefeld wegen Pyro-Vergehen seiner Fans rund 50.000 Euro zahlen. Als damaliger Drittligist lag die Berechnungsgrundlage für den Club allerdings niedriger.
Klare Kritik aus den Vereinen
Die Reaktionen aus dem Umfeld der Clubs fielen kritisch aus. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß forderte im Gespräch mit Sky ein konsequentes Vorgehen. Solche Entgleisungen dürften sich nicht wiederholen. Zugleich hielt er die öffentliche Debatte für zu einseitig und betonte, der DFB habe sich in dieser Angelegenheit nichts zuschulden kommen lassen.
Zurückhaltender äußerte sich Stuttgarts Vorstandschef Alexander Wehrle. Grundsätzlich unterstütze der VfB die Fankultur, erklärte er. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es aus seiner Sicht keine Spielunterbrechungen geben dürfe, weil der Fokus auf den 90 Minuten Fußball liegen müsse.
Protest gegen Ticketpreise und DFB-Rechtsprechung
Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde im Unterrang des Olympiastadions ein riesiges Banner mit einem durchgestrichenen DFB-Logo durch die Kurve getragen. Darauf standen die Worte „Kläger, Richter, Henker“.
Nach Auffassung der Fans richtete sich der Protest nicht nur gegen die aus ihrer Sicht zu hohen Eintrittspreise für das Finale. Viele organisierte Anhänger kritisieren zudem die Rechtsprechung des Verbands bei Fanvergehen als unverhältnismäßig.
Quelle: dpa/bearbeitet
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion