Fußball

Kanada-Schock: Koné muss auf Trage runter

Schock bei Kanada gegen Katar: Nach diesem harten Foul wird Koné verletzt vom Platz getragen – die Bilder sind bitter.

19.06.2026, 01:38 Uhr

Kanada hat bei der Heim-WM den ersten Sieg seiner Geschichte auf dieser Bühne gefeiert – und das mit einem Torfestival. Das Team von Trainer Jesse Marsch gewann in Vancouver klar mit 6:0 (3:0) gegen Katar und hat damit beste Chancen auf den Gruppensieg in Gruppe B. Im letzten Vorrundenspiel gegen die Schweiz am Dienstag um 21.00 Uhr reicht den Kanadiern bereits ein Remis, um Platz eins zu sichern und auch das Sechzehntelfinale in Vancouver zu bestreiten.

Überschattet wurde die Partie jedoch von der schweren Verletzung von Ismaël Koné. Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler musste nach einem harten Einsteigen von Assim Madibo auf einer Trage vom Feld gebracht werden. Fotos deuteten auf einen Bruch des linken Unterschenkels hin, eine genaue Diagnose stand zunächst aber weiter aus. Sicher ist aber bereits: Für diese WM wird Koné nicht mehr zurückkehren. Er soll in Vancouver zeitnah operiert werden.

Schockmoment um Koné

Zunächst hatte der Schiedsrichter nur Gelb gezeigt, nach Eingriff des Videoassistenten wurde Madibo in der 51. Minute mit Rot vom Platz gestellt. Der katarische Spieler wirkte schon direkt nach der Aktion sichtlich geschockt und kam später sogar in die Kabine, um sich zu entschuldigen.

Marsch schilderte nach dem Spiel, die Szene habe sich direkt vor der kanadischen Bank abgespielt. Jeder habe hören können, wie der Knochen brach. Entsprechend groß sei die Erschütterung im Team, auch weil Koné als Herzstück der Mannschaft gelte. Der Nationaltrainer versprach ihm die bestmögliche medizinische Versorgung und zeigte sich überzeugt, dass er stärker denn je zurückkehren werde.

Als Koné an der Seitenlinie auf der Trage hinausgebracht wurde, richtete er sich noch einmal auf und winkte den Zuschauern zu. Dafür bekam der Stammspieler viel Applaus. Während der längeren Unterbrechung verzichtete die TV-Regie zunächst darauf, Wiederholungen der Szene zu zeigen.

Nach dem Spiel versammelte Marsch seine Profis in einem großen Kreis auf dem Rasen. Die Spieler knieten nieder, Marsch und Abwehrchef Moise Bombito richteten Worte an die Mannschaft. Auch bei der Ehrenrunde unter dem ohrenbetäubenden Lärm in Vancouver wurde klar: Dieser Sieg war Koné gewidmet, der da bereits auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Zwei Platzverweise für Katar

Schon vor der Pause hatte Kanada die Partie klar in seine Richtung gelenkt. Cyle Larin (16.) brachte den Co-Gastgeber in Führung, Jonathan David erhöhte mit Treffern in der 29. Minute und in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+3) auf 3:0.

Für Katar war es bereits der zweite Platzverweis des Abends: Homam Ahmed hatte in der 33. Minute wegen einer Notbremse Rot gesehen. Spätestens damit war die ohnehin einseitige Begegnung entschieden.

Nach dem Seitenwechsel baute Kanada den Vorsprung weiter aus. Nathan Saliba (64.), der erst kurz zuvor für den schwer verletzten Koné eingewechselt worden war, traf zum 4:0 und hielt danach bewegt das Trikot seines Teamkollegen hoch. Danach unterlief Mohamed Manai (75.) ein Eigentor, ehe Jonathan David (90.+2) mit seinem dritten Treffer den Endstand herstellte.

David glänzt, Larin sendet Botschaft

Neben Joker Saliba war vor allem David der Mann des Abends. Für seinen Dreierpack bekam der Stürmer ein Sonderlob von Marsch. Der Coach schwärmte von einem echten Torjäger und sagte über seinen Angreifer sinngemäß, wer das gesehen habe, wisse nun, was für ein Vollstrecker David sei.

Auch Larin setzte nach dem Schlusspfiff ein klares Zeichen. Kanada habe der Welt gezeigt, wofür diese Mannschaft stehe, sagte der Angreifer. Viele Spieler seien von weit gekommen, nun habe das Team bewiesen, dass es auch auf der größten Bühne bestehen könne.

Im Stadion bremste der Schreckmoment um Koné die Euphorie nur kurz. Wenige Minuten nach der Verletzung lief bereits wieder die La-Ola-Welle durch die ausverkaufte Arena.

Erster WM-Erfolg für Kanada

Für Kanada war es im achten WM-Spiel überhaupt der erste Sieg. Bei den Turnieren 1986 und 2022 hatte das Team jeweils alle drei Vorrundenspiele verloren. Nach dem 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina zum Auftakt gelang nun gegen Katar der historische Premierenerfolg.

Die Überlegenheit der Kanadier war so deutlich, dass Alphonso Davies gar nicht eingesetzt werden musste. Der Profi des FC Bayern hatte wegen einer Muskelverletzung mehr als einen Monat gefehlt, machte nach dem Spiel aber noch einige Sprints und dürfte gegen die Schweiz zurückkehren. Der vielseitige 25-Jährige könnte im Mittelfeld sogar die Lücke schließen, die durch Konés Ausfall entstanden ist.

Vor 52.497 Zuschauern – darunter Kanadas Premier Mark Carney und FIFA-Präsident Gianni Infantino – dominierte Kanada die Partie von Beginn an. Carney verfolgte das Spiel im schwarzen Kanada-Trikot und feierte den deutlichen Sieg später auch öffentlich. Die Begegnung hatte bereits um 15.00 Uhr Ortszeit begonnen.

Marsch heizt die Stimmung weiter an

Nach Spielende befeuerte Marsch die Fans zusätzlich, riss immer wieder beide Fäuste hoch und brüllte den Zuschauern freudig entgegen. Nach dem Ende der Eishockey-Saison hofft der 52-Jährige auf noch mehr Fußball-Euphorie. Auf die Frage, ob Kanada eine Eishockey-Nation sei, gab er eine selbstbewusste Antwort: Für ihn ist Kanada eine Fußball-Nation. Zu einem kurzen Zwist mit Katars Trainer Julen Lopetegui nach dem Abpfiff wollte er sich nicht äußern.

Für Samstag hat Marsch bereits ein Barbecue mit Spielern und Familien angekündigt. Koné werde dabei in den Gedanken aller präsent sein, betonte der Coach. Mehr als eine passive Rolle wird dem verletzten Mittelfeldspieler bei dieser WM nun allerdings nicht bleiben.

Katar unter Druck

Katar hatte zum Auftakt mit einem 1:1 gegen die Schweiz überrascht, steht nach der deutlichen Niederlage nun aber unter großem Druck. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina in Seattle dürfte die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui einen Sieg brauchen, um das frühe Aus noch abzuwenden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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