Baden-Württemberg

Darum darf man Felchen jetzt wieder fangen

Drei Jahre tabu – jetzt kehrt der Bodensee-Felchen zurück. Doch ist das Comeback des Traditionsfischs viel zu riskant?

19.06.2026, 04:01 Uhr

Felchenfang im Bodensee ab 2027 wieder erlaubt – aber nur unter strengen Auflagen

Jahrelang war der Felchenfang in weiten Teilen des Bodensees untersagt. Jetzt haben die Anrainerstaaten entschieden, dass der beliebte Speisefisch ab 2027 wieder gefangen werden darf. Die Lockerung ist jedoch an klare Einschränkungen gebunden. Der Beschluss fiel bei der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) in Wasserburg in Bayern.

Warum der Felchen für den Bodensee so bedeutend ist

Der Felchen gilt seit langem als typischer Bodenseefisch. Über viele Jahre war er ein kulinarisches Markenzeichen der Region und in zahlreichen Restaurants rund um den See fest auf der Speisekarte zu finden. Viele Besucher verbinden den Bodensee noch immer mit geräuchertem oder gebratenem Felchen. Weil der Fisch nur wenige Gräten hat, ist er besonders gefragt. Vor Beginn der Schonphase kostete ein Kilo Filet bei den Fischern etwa 26 Euro.

In den vergangenen Jahren gingen die Bestände jedoch stark zurück. Berufsfischer holten zeitweise nur noch einen kleinen Teil der früher üblichen Mengen aus dem See. Deshalb verhängte die IBKF Ende 2023 für den größten Teil des Bodensees ein umfassendes Fangverbot, das Anfang 2024 wirksam wurde. Lediglich im Untersee bei Radolfzell blieb der Fang weiter erlaubt.

Hat das Verbot Wirkung gezeigt?

Nach Einschätzung von Fachleuten offenbar ja. Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen meldete zu Jahresbeginn mehrere positive Signale: Die Felchen hätten sich gut entwickelt, der invasive Stichling als wichtiger Feind der Art sei zurückgegangen und auch Eier sowie Larven der Fische seien wieder häufiger festgestellt worden.

Felchenfangverbot
Der Felchen ist der beliebteste Speisefisch des Bodensees. (Archivbild) Quelle: Felix Kästle/dpa

Trotzdem mahnen Wissenschaftler zur Geduld. Aus ihrer Sicht braucht die Erholung noch Zeit, damit sich der Bestand langfristig festigen kann.

Warum wird nun trotzdem wieder freigegeben?

Mit der Entscheidung wollen die Bodenseeanrainer auch die Berufsfischerei stützen. Einerseits sollen die Felchen weiter geschützt bleiben, andererseits sollen die Fischer wieder eine wirtschaftliche Perspektive erhalten. Am Bodensee gibt es nur noch rund 49 Berufsfischer, für viele von ihnen ist der Felchen die wichtigste Einnahmequelle.

Nach Angaben der Verantwortlichen soll die Wiederaufnahme sehr vorsichtig erfolgen. Baden-Württemberg hatte bereits vor der Sitzung betont, man wolle den Fischern wieder einen Fang in begrenztem Umfang ermöglichen. Aus der Schweiz gab es dagegen Vorbehalte.

Einige Experten sehen den Schritt kritisch. Sie befürchten, dass eine zu frühe Freigabe die beginnende Erholung der Bestände gefährden könnte. Entsprechend wird der Beschluss als Kompromiss bewertet.

Können Fischer nun wieder wie früher auf Felchen gehen?

Nein. Die neue Regelung sieht deutliche Begrenzungen vor. Berufsfischer dürfen künftig nur noch an zwei statt bislang vier Tagen gezielt Felchen fangen. Außerdem wird die Zahl der erlaubten Netze reduziert. Hinzu kommt, dass größere Maschen vorgeschrieben sind, damit kleinere und jüngere Fische hindurchschlüpfen und weiterwachsen können.

Erlaubt ist der Fang vom 1. Mai bis Ende August. Zunächst soll diese Regelung bis Ende 2028 gelten.

Was bedeutet das für Angler?

Auch Freizeitangler dürfen ab dem kommenden Jahr zwischen Mai und Ende August wieder Felchen fangen. Für sie gilt ebenfalls eine achtmonatige Schonzeit. Allerdings ist ihre Entnahme begrenzt: Pro Tag dürfen sie höchstens drei Felchen behalten.

Kommt der Bodenseefelchen nun wieder häufiger auf den Teller?

Vermutlich ja. Nach drei Jahren Fangverbot können Gaststätten und Fischhändler wieder auf Felchen aus dem Bodensee zurückgreifen. Dennoch dürfte das Angebot zunächst überschaubar bleiben, weil die Fangmöglichkeiten deutlich eingeschränkt sind.

Wie oft der Fisch tatsächlich wieder auf Speisekarten erscheint, wird auch davon abhängen, wie viele Felchen unter den neuen Regeln überhaupt gefangen werden können.

Ist der Bestand damit gesichert?

Nein. Die positive Entwicklung hat erst begonnen. Fachleute wollen die Bestände weiterhin genau verfolgen. Ob sich die Population dauerhaft erholt und stabil bleibt, dürfte sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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