Drei Monate nach dem Tod von Jürgen Habermas hat die Stadt Frankfurt den bedeutenden Philosophen mit einer Gedenkveranstaltung in der Paulskirche geehrt. Zu dem offiziellen Gedenkakt hatten die Stadt Frankfurt am Main, die Goethe-Universität und der Suhrkamp Verlag eingeladen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte in seiner zentralen Ansprache an den Verstorbenen und sagte: „Seine Stimme wird uns fehlen in diesen unübersichtlichen Zeiten. Wir hätten ihn dringend weiter gebraucht. Wir werden ihn entsetzlich vermissen.“ Steinmeier und Habermas kannten sich nach seinen Worten seit Ende der 1970er Jahre persönlich. Bis kurz vor dessen Tod standen beide noch in Gesprächen und Briefen miteinander in Kontakt. Den letzten Brief habe er wenige Wochen vor dem Tod des Denkers erhalten, berichtete Steinmeier. Er habe mit den Worten geendet: „Ihr alter, vielleicht längst zu alt gewordener Jürgen Habermas.“
Habermas war Mitte März im Alter von 96 Jahren im bayerischen Starnberg gestorben. Der gebürtige Düsseldorfer ist eng mit Frankfurt verbunden. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in den 1950er Jahren am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Nach seiner Habilitation 1961 in Marburg übernahm er 1964 den Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Über viele Jahre prägte er damit das geistige Leben der Stadt.
Steinmeier bezeichnete den Versuch, „eine Begründung unserer Demokratie zu liefern“, als Kern von Habermas‘ Lebenswerk. Zugleich sagte der Bundespräsident, der Philosoph sei am Ende seines Lebens von der aktuellen politischen Entwicklung irritiert gewesen. „Die Zweifel an der Zukunft des unabgeschlossenen Projekts der Moderne bedrückten ihn“, so Steinmeier.
Aus dem Erbe von Habermas erwachse eine Verpflichtung für alle, die eigene Kraft dafür einzusetzen, „dass uns die Irrationalität und der Rückfall in die Gewalt nicht überwältigen“. An Habermas zu erinnern, bedeute daher auch, das zu schützen, zu bewahren oder neu zu erkämpfen, worum es ihm gegangen sei: „wahrhaftiges Gespräch, reflektiertes Handeln, vernünftige Freiheit“.
Neben Steinmeier sprachen bei der Gedenkstunde auch Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), Universitätspräsident Enrico Schleiff, Verleger Jonathan Landgrebe, der Historiker Norbert Frei und die Philosophin Cristina Lafont.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion