Wirtschaft

EZB-Direktorin: Drohen jetzt weitere Zinserhöhungen?

Trotz Entspannung im Iran-Krieg warnt EZB-Direktorin Schnabel: Kommen jetzt noch mehr Zinserhöhungen auf uns zu?

25.06.2026, 14:29 Uhr

EZB stellt weitere Zinsschritte in Aussicht

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält zusätzliche Leitzinserhöhungen im Euroraum für wahrscheinlich. Gegenüber der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ sagte sie, aus heutiger Sicht werde die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter anheben müssen, um die Inflation mittelfristig wieder auf das Ziel von zwei Prozent zu bringen.

Wie stark und wann die EZB nachlegen werde, hänge allerdings von mehreren Faktoren ab. Entscheidend seien die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten, die Konjunktur sowie der Verlauf der Teuerung.

Trotz der zuletzt gesunkenen Energiepreise infolge der vorläufigen Waffenruhe im Nahen Osten sieht Schnabel keinen Anlass für grundsätzliche Entwarnung. Aus Sicht der Notenbank bleibe die Lage unsicher.

Schnabel verteidigt jüngste Zinserhöhung

Die im Juni beschlossene Zinserhöhung, mit der die EZB erstmals seit fast drei Jahren wieder an der Zinsschraube drehte, bezeichnete Schnabel als gerechtfertigt. Das gelte auch dann, wenn sich die Ölpreise rasch wieder normalisieren sollten. Ohne eine straffere Geldpolitik würde die Inflation auf mittlere Sicht über dem EZB-Ziel bleiben, sagte sie.

Nach ihren Worten gibt es bislang zwar keine Anzeichen für eine beschleunigte Lohnentwicklung oder dafür, dass die Menschen dauerhaft mit höherer Inflation rechnen. Dennoch sei Vorsicht geboten. Die Phase hoher Inflation liege noch nicht lange zurück, weshalb Inflationserwartungen heute empfindlicher auf neue Preissteigerungen reagieren könnten.

Mehr Inflation, schwächeres Wachstum erwartet

Wegen des Kriegs mit Iran rechnet die EZB im Euroraum mit mehr Inflation und zugleich geringerem Wachstum. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für das laufende Jahr eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Die zuvor deutlich gestiegenen Ölpreise hatten die Inflation im Euroraum bereits im Mai auf 3,2 Prozent steigen lassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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