Bayern

Teenager planten Terror: Behörden stoppen Anschläge

Immer jüngere Verdächtige: Nach Hammerattacke und Schüssen decken Bayerns Ermittler erschreckende Terrorpläne auf.

25.06.2026, 13:31 Uhr

Mehr vereitelte Anschlagspläne junger Verdächtiger in Bayern

In Bayern haben die Behörden zuletzt mehrere mutmaßliche Terrorpläne von Jugendlichen verhindert. Die Generalstaatsanwaltschaft München nennt weder eine genaue Zahl der Fälle noch konkrete Anschlagsziele. Nach ihren Angaben waren einige Vorhaben noch in einem frühen Stadium, andere aber offenbar nicht mehr.

Der kommissarische Leiter der bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET), Achim von Engel, spricht von einer deutlich besorgniserregenden Entwicklung. Seine Behörde führe inzwischen viele Verfahren gegen junge Tatverdächtige – mit steigender Tendenz. Während Jugendliche früher eher wegen Schlägereien, Alkoholdelikten oder Schwarzfahrens auffällig geworden seien, wirkten solche Taten heute im Vergleich fast nebensächlich.

Breites Spektrum extremistischer Jugendkriminalität

Nach Angaben der Ermittler geht es längst nicht nur um klassische Anschlagspläne. Die ZET befasst sich demnach auch mit Teenagern, die auf Online-Plattformen antisemitische Gewaltfantasien in Spielen umsetzen, in sogenannten Online-Harm-Communitys Minderjährige zu Nacktbildern oder Selbstverletzungen drängen oder unter dem Vorwand der "Jagd auf Pädophile" Gewalttaten vorbereiten – vor allem gegen queere Menschen.

Wunsch nach Aufmerksamkeit als mögliches Motiv

Nach Angaben von Engel war 2024 europaweit beinahe jeder dritte Verdächtige im Bereich Terrorismus und Extremismus jünger als 20 Jahre. Ein mögliches Motiv sei dabei auch das Streben nach Bekanntheit. Die Frage "Werde ich jetzt berühmt?" falle bei Festnahmen nicht selten.

Die Münchner Staatsanwältin Verena Küllstädt warnt davor, solche Pläne wegen des jungen Alters der Verdächtigen zu unterschätzen. Entscheidend seien nicht das Alter, sondern die möglichen Folgen. Sie verwies auf den Fall eines Teenagers, der sich schwer verletzte, als er versuchte, eine Kugelbombe mit einem Tennisball zu bauen.

Beispiele bereits ausgeführter Taten

Als Beispiele bereits umgesetzter Taten junger Menschen nennt die Generalstaatsanwaltschaft mehrere Fälle: den Anschlag eines 18-jährigen Österreichers auf das israelische Generalkonsulat in München im September 2024, die mutmaßlich rassistisch motivierte Hammerattacke eines 15-Jährigen auf frühere Mitschüler an einer Mittelschule in Friedberg sowie Schüsse eines 21-Jährigen an einer Bundesstraße nahe Dillingen an der Donau, bei denen ein islamistischer Hintergrund vermutet wird.

Radikalisierung oft in wenigen Wochen

Mit Sorge sehen die Ermittler auch, wie schnell sich junge Menschen radikalisieren. Häufig beginne dies in Online-Foren und führe innerhalb kurzer Zeit zu konkreten Tatplänen und ersten Vorbereitungen. Der Politikwissenschaftler Robert Philippsberg von der ZET spricht in diesem Zusammenhang von einer "Turbo-Radikalisierung", die sich teils in wenigen Monaten, manchmal sogar innerhalb von Wochen vollziehe.

Islamistische, rechte und teils ausländisch beeinflusste Motive

Nach Einschätzung der Ermittler stehen hinter internetbasierter Radikalisierung meist islamistische Motive, teilweise aber auch rechtsextreme Ideologien. Linksradikale würden dagegen weiterhin vor allem auf direktem, also analogem Weg rekrutieren. Gerade im rechtsextremen Milieu sei die Haltung oft von einem allgemeinen Hass auf die Gesellschaft geprägt, besonders auch auf Frauen.

Verdacht auf Einfluss russischer Geheimdienste

In einigen Fällen vermuten die Behörden zudem, dass der russische Geheimdienst gezielt nach jungen, leicht beeinflussbaren "Wegwerf-Agenten" sucht. Die betroffenen Jugendlichen, oft erst 14 bis 16 Jahre alt und überwiegend männlich, wüssten demnach womöglich nicht einmal, wer sie tatsächlich für solche Zwecke missbraucht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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