Wirtschaft

Bahn-Umbau: Kommt die große Wende für Fahrgäste?

Mehr Qualität bis 2035? Bahnchefin Palla kündigt harten Sanierungsmarathon an – und in der Zentrale droht Jobabbau.

25.06.2026, 14:00 Uhr

Bahn rückt von alten Wachstumszielen ab und plant Umbau in drei Etappen bis 2035

Die Deutsche Bahn stellt sich mit einer neuen Konzernstrategie neu auf und verabschiedet sich dabei von früheren Zielen wie einer Verdopplung der Fahrgastzahlen. Bahnchefin Evelyn Palla erklärte nach einer Sitzung des Aufsichtsrats, der Konzern wolle sich künftig stärker auf Eisenbahn, Kundenerlebnis und realistische Vorgaben konzentrieren.

Nach Angaben des bundeseigenen Unternehmens stehen künftig vor allem Verlässlichkeit, nachweisbare betriebliche Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit im Mittelpunkt. Die Bahn will in den kommenden Jahren wieder leistungsfähiger werden. Auch bei der Pünktlichkeit setzt der Konzern nun auf vorsichtigere Ziele: Eine Fernverkehrspünktlichkeit von 80 Prozent oder mehr wird erst wieder für die 2030er Jahre angepeilt.

Die Bahn steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Vor allem schlechte Pünktlichkeitswerte und das marode Schienennetz sorgen für Frust bei Fahrgästen und in der Branche. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Bahnreisen hoch.

Teil der Neuaufstellung ist, den regionalen Managerinnen und Managern deutlich mehr Verantwortung zu übertragen. Sie sollen künftig stärker für die Qualität des Verkehrs und die Einhaltung der Kennzahlen zuständig sein. Eine zentrale Steuerungseinheit bleibt zwar bestehen, bei der Umsetzung vor Ort sollen die Regionen aber mehr Freiraum erhalten.

Auch der bereits angekündigte deutliche Stellenabbau in der Zentrale und auf den Führungsebenen bleibt Teil des Umbaus. Schon zu Jahresbeginn war bekanntgeworden, dass in der Konzernleitung rund 30 Prozent der etwa 3.500 Stellen wegfallen sollen.

Der Konzernumbau soll in drei Phasen verlaufen. Im ersten Schritt, der das laufende Jahr umfasst, sollen die Grundlagen für die Neuausrichtung gelegt werden. In der zweiten Phase von 2027 bis 2030 steht vor allem die Erneuerung des sanierungsbedürftigen Schienennetzes im Fokus.

Bis 2035 soll dann die dritte Etappe folgen. Reisende sollen in dieser Phase deutliche Verbesserungen bei Qualität und Pünktlichkeit spüren. Zugleich soll der sogenannte Sanierungsmarathon weitgehend abgeschlossen werden. Nach Darstellung der Bahn soll dann mit Unterstützung von Politik und Branche auch im Fernverkehr wieder eine Pünktlichkeit von 80 Prozent erreicht werden. 2035 fällt außerdem mit dem 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland zusammen.

Finanziell peilt der Konzern im laufenden Jahr erstmals seit Jahren wieder ein positives Ergebnis nach Steuern an. Zudem soll sich das operative Ergebnis bis 2030 nach Unternehmensangaben um mehr als eine Milliarde Euro auf 1,7 Milliarden Euro verbessern.

Neu im Vorstand wird zum 1. September Michael Obrowski. Der 57-Jährige wurde vom Aufsichtsrat zum Finanzvorstand berufen. Er ist seit 2021 Finanzchef bei Volkswagen Nutzfahrzeuge und leitete zuvor das Konzern-Controlling der Volkswagen AG. Bei der Bahn war der Posten seit dem überraschenden Abgang von Karin Dohm im März vakant.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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