Die deutschen Basketballerinnen sind mit einer deutlichen Niederlage in ihre Heim-WM gestartet und stehen nun bereits früh unter Zugzwang. In Berlin verlor das Team von Bundestrainer Olaf Lange gegen Spanien, den aktuellen Vize-Europameister, klar mit 53:83 (24:50). Vor 12.550 Fans in der ausverkauften Uber Arena, unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz und Sportminister Ronald Rauhe, blieb die erhoffte Auftakt-Euphorie aus. Beste deutsche Punktesammlerin war Leonie Fiebich mit 13 Zählern.
Nach dem Debakel verabschiedete sich die Mannschaft nur kurz von den eigenen Fans, dann richtete sich der Blick sofort nach vorn: Bereits 22 Stunden später wartet das nächste Gruppenspiel. Am Samstag um 18.00 Uhr trifft Deutschland in der Max-Schmeling-Halle auf Japan, das zum Auftakt Mali mit 102:97 bezwang. Zum Abschluss der Gruppenphase wartet am Montag Mali.
Gruppensieg praktisch außer Reichweite
Nur der Gruppensieger zieht direkt ins Viertelfinale ein. Die Teams auf Platz zwei und drei müssen den Umweg über die Play-ins nehmen. Nach der klaren Niederlage gegen Spanien ist der erste Platz in der Gruppe für die deutsche Auswahl praktisch kein Thema mehr.
„Man will natürlich enttäuscht sein, darf man aber nicht. Wir müssen sofort umschalten und uns auf morgen konzentrieren. Ab in die Eistonne und voller Fokus auf morgen“, sagte Fiebich nach der Partie. Auch Bundestrainer Lange blickte sofort auf die nächste Aufgabe: „Danach ist man immer schlauer. Wir müssen uns das genau angucken. Morgen ist Japan, das ist ein ganz anderes Spiel. Wir müssen weiter nach vorne gucken und schauen, dass wir Zweiter werden.“ Nyara Sabally fand für den Auftritt klare Worte: „Es war ein Scheiß-Spiel.“
Deutschland hat sich bei seiner erst zweiten WM-Teilnahme eine Medaille zum Ziel gesetzt. Nach dem schwachen Auftakt gegen Spanien erscheint dieses Vorhaben allerdings deutlich komplizierter.
Merz sieht trotzdem ein starkes Signal
Der klaren Niederlage zum Trotz herrschte in der Arena eine euphorische Atmosphäre. Bundeskanzler Merz sagte in der Halbzeit bei Pro7: „Diese Stimmung wünsche ich mir fürs ganze Land, ich wünsche sie mir vor allem für die deutsche Olympia-Bewerbung. Das ist eine tolle Werbung. Deutschland kann was.“ Nach dem Spiel schaute der Kanzler wie geplant auch in der deutschen Kabine vorbei.
Ausfall von Satou Sabally wiegt schwer
Erschwerend kommt hinzu, dass die Mannschaft ohne Satou Sabally auskommen muss. Die 28-Jährige fehlt wegen anhaltender Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung ausgerechnet beim Turnier in ihrer Heimatstadt. Gerade in einem Spiel gegen ein so erfahrenes Team wie Spanien machte sich ihr Fehlen bemerkbar.
Nervöser Auftritt vor großer Kulisse
Von Beginn an wirkte das deutsche Team extrem angespannt. Die Atmosphäre und die hohen Erwartungen schienen die Gastgeberinnen eher zu hemmen als zusätzlich anzutreiben. Spanien nutzte das konsequent und setzte sich schon im ersten Viertel klar ab.
Vor allem in der Defensive fand Deutschland kaum Zugriff. Schon nach fünf Minuten hatten die Spanierinnen 21 Punkte erzielt. Besonders von außen traf der Mitfavorit stark und verbuchte bereits im ersten Abschnitt sechs erfolgreiche Dreier. Nach zehn Minuten lag Spanien mit elf Punkten vorn. Auf deutscher Seite punkteten zunächst fast nur Fiebich und Alexis Peterson.
Zur Pause war die Partie praktisch entschieden
Olaf Lange versuchte in mehreren Auszeiten, Ruhe in sein Team zu bringen und Struktur ins Spiel zu bekommen. Doch Spanien blieb in nahezu allen Bereichen überlegen. Nyara Sabally setzte zwar einzelne Akzente, insgesamt fehlte Deutschland aber auch offensiv die Durchschlagskraft.
Die Bilanz aus dem Feld war in der ersten Halbzeit schwach: Nur sieben von 30 Würfen fanden ihr Ziel. Gegen die abgeklärten Spanierinnen war das viel zu wenig. Bereits zur Pause lag Deutschland mit 26 Punkten zurück.
Fehlende Abstimmung macht sich bemerkbar
Neben der Nervosität war auch die schwierige Vorbereitung deutlich zu erkennen. Mehrere WNBA-Spielerinnen waren erst spät zur Mannschaft gestoßen, Leonie Fiebich sogar erst am vergangenen Wochenende. Zudem war lange offen, ob Nyara Sabally nach ihrer Wadenverletzung rechtzeitig fit werden würde. Sie schaffte es zwar ins Aufgebot, doch insgesamt blieb wenig Zeit, um als Team zusammenzufinden.
Diese fehlende Eingespieltheit zeigte sich gegen Spanien klar. Einsatz und Wille waren der deutschen Mannschaft nicht abzusprechen, doch wirklich in Bedrängnis bringen konnte sie den Gegner nie. Damit setzte sich auch eine unangenehme Serie fort: Schon bei der EM im vergangenen Jahr in Hamburg hatte Deutschland gegen Spanien verloren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber