Fiebich stößt spät zum Team – Fokus voll auf die Heim-WM in Berlin
Deutschlands derzeit wichtigste Basketballerin ist erst kurz vor dem Turnier zur Nationalmannschaft gestoßen. Leonie Fiebich reiste am Wochenende nach Berlin, nachdem sie am Samstag noch für New York Liberty in der WNBA im Einsatz gewesen war. Kaum angekommen, richtet sich ihr Blick aber nur noch auf ein Ziel: die Heim-Weltmeisterschaft.
"Ich bin ehrlich gesagt total voller Vorfreude. Wir haben so lange auf diesen Moment gewartet, und dass es jetzt wirklich losgeht, fühlt sich fast unwirklich an", sagte die 26-Jährige. Zum Auftakt trifft die deutsche Auswahl am Freitag um 17.45 Uhr in der Berliner Uber Arena auf Spanien, den aktuellen Vize-Europameister.
Auftaktspiel könnte bereits entscheidend sein
Die Partie gegen Spanien dürfte bereits richtungsweisend für den Gruppensieg sein. Danach geht es für das deutsche Team noch gegen Japan am Samstag und Mali am Montag. Der erste Platz in der Gruppe bedeutet den direkten Einzug ins Viertelfinale. Die Teams auf Rang zwei und drei müssen den Umweg über die Play-ins nehmen, um noch einen Platz unter den letzten Acht zu ergattern.
Medaillenhoffnung ruht auch auf Fiebich
Soll der Traum von einer Medaille Realität werden, wird Fiebich in den Berliner Tagen eine zentrale Rolle spielen. Das gilt umso mehr, weil Satou Sabally wegen anhaltender Folgen einer Gehirnerschütterung nicht dabei ist. Auch Nyara Sabally geht nicht bei voller Fitness in das Turnier.
Bundestrainer Olaf Lange hob Fiebichs Bedeutung zuletzt deutlich hervor. Im Podcast Basketball Deutschland von Magentasport beschrieb er sie als eine Art stille Führungsfigur, die mit Professionalität, Athletik und Spielverständnis das Niveau innerhalb des Teams anhebe. Schon ihre Präsenz habe Einfluss auf die Mannschaft, die sich stark an ihr orientiere.

Beeindruckender Aufstieg trotz Rückschlägen
Die in Landsberg am Lech geborene Spielerin hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Weg genommen. Früher wurde ihre Karriere noch von zwei Kreuzbandrissen ausgebremst, inzwischen hat sie sich jedoch zur erfolgreichsten deutschen Basketballerin der Gegenwart entwickelt.
Bei den Olympischen Spielen 2024 führte sie das deutsche Team an und trug maßgeblich dazu bei, dass überraschend das Viertelfinale erreicht wurde. Kurz darauf gewann sie mit New York Liberty gemeinsam mit Nyara Sabally den WNBA-Titel und feierte den Erfolg bei der Meisterparade in New York mit tausenden Fans.
Auch bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr, deren Vorrunde in Hamburg stattfand, war sie eine der prägenden Figuren und führte Deutschland auf Rang fünf. Dass nun erneut viel Verantwortung auf ihren Schultern liegt, sieht Fiebich gelassen. "Das ist nichts grundsätzlich Neues für mich. Ich bin es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen", sagte sie.
Den zusätzlichen Druck eines Heimturniers empfindet sie eher als Antrieb. Sie freue sich sehr auf die Herausforderung, erklärte Fiebich, und sehe darin vor allem positiven Druck.
Ein fast durchgehender Basketball-Kalender
Fiebich gehört zu den Spielerinnen, die praktisch ohne lange Unterbrechung im Einsatz sind. Während der WNBA-Pause spielte sie in Spanien für Valencia und gewann dort ebenfalls den Titel. Dazwischen lief sie in Lyon sogar noch für die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation auf, obwohl diese sportlich kaum Bedeutung hatte. Anschließend ging es zurück nach New York.
Dass die Weltmeisterschaft nun mitten in der WNBA-Saison in einem engen Zeitfenster stattfindet, bringt sie deshalb nicht aus der Ruhe. Für sie sei ohnehin gefühlt das ganze Jahr über Saison, sagte Fiebich. Sie sei daran gewöhnt, ständig zwischen verschiedenen Stationen zu wechseln. Ihr persönliches Motto dabei: ganz im Moment sein und sich auf das konzentrieren, was gerade ansteht.
Anerkennung auch von WNBA-Größen
Wie hoch Fiebich inzwischen international angesehen ist, zeigen auch Stimmen aus der WNBA. Superstar Caitlin Clark von den Indiana Fever lobte nach einem direkten Duell vor rund anderthalb Wochen vor allem ihre Defensivqualitäten, die ihrer Meinung nach oft unterschätzt würden. Außerdem könne Fiebich werfen, das Feld breit machen und treffe stets gute Entscheidungen.
Noch deutlicher wurde Liberty-Coach Chris DeMarco nach ihrer Rückkehr von einer wochenlangen Knöchelverletzung. Sein Urteil: Fiebich gehöre zu den besten Spielerinnen der gesamten WNBA.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber