Basketball

Plötzlich Weltklasse: Jetzt lebt ihr WM-Traum

Deutschlands Basketballerinnen mischen plötzlich die Weltspitze auf – dank eines Trainer-Kniffs. Und warum spielen Schuhe mit?

11.09.2026, 10:37 Uhr

Deutschlands Basketballerinnen wollten nach ihrem womöglich größten Erfolg zunächst einfach nur den Augenblick auskosten. Nach dem erstmaligen Einzug ins WM-Halbfinale in Berlin kündigte Führungsspielerin Leonie Fiebich an, dass gefeiert werde: Nach so einem historischen Abend gehe es gar nicht anders.

Nur eine Woche nach der deutlichen Auftaktniederlage gegen Spanien mit 30 Punkten Unterschied steht die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes überraschend dicht vor einer Medaille. Mit dem überzeugenden 93:74 gegen Europameister Belgien hat sich das Team eindrucksvoll in der Weltspitze zurückgemeldet. Für Ex-Nationalspielerin und TV-Expertin Ireti Amojo ist die Mannschaft inzwischen schlicht „Weltklasse“.

Lange spricht vom besten Tag im deutschen Basketball

Im Halbfinale wartet am Samstag Frankreich, ein heißer Titelanwärter. Spielbeginn ist um 16.30 Uhr, übertragen wird die Partie bei ProSieben Maxx und Magentasport. Im möglichen Finale am Sonntag würde dann entweder Topfavorit USA oder Spanien warten. Ein Endspiel gegen das amerikanische Starensemble um Caitlin Clark wäre aus deutscher Sicht die Wunschkonstellation.

Bundestrainer Olaf Lange sprach nach dem Erfolg gegen Belgien vom „besten Tag im deutschen Basketball“. Für ihn ist das Turnier in Berlin auch persönlich etwas Besonderes. Vor vier Jahren gewann er bei einer WM als Assistent an der Seite seiner australischen Frau Sandy Brondello Bronze. Doch das Erlebnis mit der deutschen Auswahl in seiner Heimatstadt sei noch einmal von ganz anderer Bedeutung.

Belgien - Deutschland
Deutschlands Basketballerinnen wollen auch gegen Frankreich jubeln. Quelle: Andreas Gora/dpa

Lange betonte, wie besonders es sich anfühle, einen solchen Erfolg im eigenen Land und in der eigenen Stadt zu erleben. Dem erfahrenen Coach ist es in kurzer Zeit gelungen, dem Team Struktur, Klarheit und Selbstvertrauen zu geben. Fiebich, die mit ihm bereits in der WNBA bei New York Liberty gearbeitet hat, nannte ihn das fehlende Puzzlestück. Noch nie habe sie sich in der Nationalmannschaft so frei und wohl gefühlt.

Ein Team im Rausch

Gegen Belgien zeigte sich genau diese neue Leichtigkeit. Die deutsche Mannschaft spielte wie beflügelt, auf den Tribünen herrschte Begeisterung, und auch Basketball-Ikone Dirk Nowitzki verfolgte den Coup live. Verbandspräsident Ingo Weiss jubelte mit geballter Faust.

Für Fiebich ist der steile Aufstieg ein klares Signal: Deutschland sei auf dem Weg nach oben, werde nicht mehr unterschätzt und sei kein Außenseiter mehr. Andere Teams hätten die deutsche Mannschaft nun im Blick und wüssten, dass mit ihr zu rechnen sei. Jetzt gehe es darum, den Schwung mitzunehmen und zu sehen, wie weit die Reise noch führen kann.

Frankreich dürfte allerdings noch einmal eine schwierigere Aufgabe werden als Belgien. Der Olympia-Zweite von 2024 bringt Tempo, Physis und große Qualität mit und gilt als sehr komplett besetzt.

Trotzdem wollen die Deutschen nach dem starken Viertelfinalauftritt mehr. Nyara Sabally sagte, die Mannschaft habe schon lange beweisen wollen, wie stark sie sei. Dass dies nun bei einer Heim-WM gelinge, bedeute ihr enorm viel.

Mit den Schuhen der Schwester

Für Sabally ist das Turnier in Berlin auch persönlich besonders. Obwohl ihr Einsatz bis kurz vor Beginn der WM fraglich war, wollte die WNBA-Spielerin das Heimturnier unter keinen Umständen verpassen. Gegen Belgien glänzte sie mit einem Double-Double. Dabei trug sie die Schuhe ihrer Schwester Satou. Sie finde es etwas Besonderes, in den Schuhen ihrer Schwester aufzulaufen, sagte Nyara.

Satou Sabally fehlt wegen anhaltender Folgen einer Gehirnerschütterung, ist dem Team aber dennoch eng verbunden. Genau dieser Zusammenhalt scheint ein wichtiger Grund dafür zu sein, dass die Mannschaft nach dem klaren 53:83 zum Start gegen Spanien so eindrucksvoll zurückgekommen ist. Inzwischen trägt eine Welle der Euphorie das Team durch das Turnier.

Revanche gegen Frankreich im Blick

Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2024 gegen Frankreich gibt es nun die Chance auf Wiedergutmachung. Kapitänin Marie Gülich betonte, dass Deutschland inzwischen nicht mehr dieselbe Mannschaft sei wie noch bei Olympia. Frieda Bühner sagte selbstbewusst, Frankreich sei zwar ein sehr gutes Team, Deutschland gehöre aber ebenfalls zu den besten vier Mannschaften der Welt und sei daher selbst richtig stark.

Mit diesem neuen Selbstverständnis geht die deutsche Auswahl ins Halbfinale – und träumt weiter von einem ganz großen Coup.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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